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Abwärmenutzung, Teil 2

Biogasabwärme zu Geld machen

Dieser Artikel ist zuerst in der Joule erschienen.

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Kreislauf für die Fischproduktion
Von der Biogasabwärme bis zum Fischfilet © Werkbild Pal Anlagenbau
von , am
26.04.2017

Ein Konzept zur Abwärmenutzung umfasst die nachhaltige Fischproduktion mithilfe von Biogasabwärme. Der Prozess muss so gestaltet werden, dass die einzelnen Stufen von der Reproduktion des Bestandes über Futtermitteleinsatz, Aufzucht, Schlachtung und Verarbeitung, über die Wärme-, Wasser- und Energiebereitstellung bis hin zur Nutzung der Schlachtabfälle einen regionalen Stoffkreislauf ergeben.

Effektiver Stoffkreislauf

Dr. Günther Scheibe, Geschäftsführer der PAL Anlagen­bau GmbH, über die Technologie der Fischproduktion.

JOULE: Herr Dr. Scheibe, wie ist der Stallausrüster PAL Anlagenbau dazu gekommen, Konzepte der Fischproduktion anzubieten?

SCHEIBE: Die PAL Anlagenbau GmbH Abtshagen ist Dienstleister für landwirtschaftliche Betriebe und bietet Ausrüstungstechnik bzw. Anlagen für die Schweine-, Mastgeflügel-, Rinder- und Milchproduktion an. Seit etwa zehn Jahren beschäftigen wir uns mit Kreislauf­anlagen für die Fischproduktion und haben inzwischen in Deutschland und Österreich etwa 35 Einheiten zwischen 10 und 75 m³ Produktionsvolumen errichtet. Den Anstoß gab zum einen die viele ungenutzte Abwärme aus Biogasanlagen und andererseits der wachsende Bedarf an Fisch als Nahrungsmittel. Deutschland muss 80 bis 85 % seines Fischverbrauchs importieren!

Natürlich ist es auch ein Impuls für Biogasanlagenbetreiber, andere Möglichkeiten der Wertschöpfung zu finden. Fisch ist im Gegensatz zu den „klassischen Produkten“ Schwein, Milch oder Geflügel ein Wachstumsmarkt.

JOULE: Was lässt Biogasanlagen aus Ihrer Sicht für die Kombination mit der Fischproduk­tion so geeignet erscheinen?

SCHEIBE: Biogasanlagen sind für einen  effektiven Stoffkreislauf hervorragend geeignet. Biomasse vom Feld geht in die Biogasanlage ’ Strom geht ins öffentliche Netz ’        Wärme geht in die Fischproduktion ’           Futter und Jungfische gehen in die Fischproduktion ’ Schlachtfische werden erzeugt ’       Prozesswasser mit Nährstoffen geht wieder in die Biogasanlage oder aufs Feld. Wenn man die Stoffströme optimiert, ist das eine wirklich nachhaltige Produktionsform! (Mehr dazu unter www.pal-anlagenbau.de, Fisch Media­thek)

JOULE: Einige Fisch- und Garnelenproduzenten haben die Produktion inzwischen wieder eingestellt.
Warum?

SCHEIBE: Dafür gibt aus meiner Sicht mehrere Gründe. Zuallererst: Kreislaufanlagen erfordern technischen Aufwand, der sich über entsprechende Produkterlöse refinanzieren muss. Sie müssen effektiv produzieren, d.h. kontinuierlich. Das wiederum bedeutet eine kontinuierliche Jungfischbereitstellung. Die ist nicht immer gegeben – bei unserem Afrikanischen Wels dagegen schon. Wir haben mit der Fischzucht Abtshagen einen eigenen Betrieb, der jährlich bis zu einer Million Jungfische produziert und sie mit 10 bis 12 g Gewicht an die Mäster bzw. Anlagenbetreiber liefert.

Und schließlich: Kreislaufanlagen müssen zu Marktpreisen produzieren – hier liegt das größte Problem. Jeder Betreiber muss die Vermarktung geklärt haben. Dem Erzeuger muss klar sein, dass der Rohfisch nicht das handelsfähige Produkt ist, sondern zumindest das Filet. Also muss sich der Erzeuger um Schlachtung und Verarbeitung kümmern.

Und zu guter Letzt: Die Anlagen müssen die projektierten Leistungsparameter auch erreichen!

JOULE: Bietet PAL Anlagenbau noch andere Wärmenutzungskonzepte, die für Biogasanlagenbetreiber interessant sein könnten?

SCHEIBE: Allerdings. Im Rahmen des EU-Projektes „INAPRO“ (www.inapro-project.eu) werden Möglichkeiten der Stoffkreisläufe Fischproduktion-Gemüseproduktion (Tomaten) entwickelt, danach Demonstrationsanlagen errichtet und auf ihre kommerzielle Machbarkeit untersucht. Wir sind an diesem Projekt beteiligt und sehen auch hier hervorragende Möglichkeiten einer effektiven Wärmenutzung.

Die Fragen stellte Catrin Hahn.

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