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Finnisches Unternehmen und deutsches Forschungsinstitut arbeiten zusammen

Neue Biogastechnologie entfernt Stickstoff aus Geflügelmist

Hühner und Hahn beim Fressen.
© Martin Schemm/Pixelio.de
von , am
13.01.2017

Ein finnisches Unternehmen hat eine neue Biogastechnologie entwickelt, bei der 60 Prozent des Stickstoffes aus Geflügelmist entfernt werden. Das erhöht die Attraktivität dieses Substrats.

Geflügelmist in der Biogasanlage bietet den Vorteil, dass er fast so viel Energie liefert wie Mais, bei deutlich geringeren Kosten. Der Einsatz von Geflügelmist ist aber nicht ganz unproblematisch, da er u.a. viel Schwefel und Ammoni­um-Stickstoff (NH4), Calcium-Kalk und Sand enthält. Sein Phosphat- und Stickstoffgehalt verlangt große Flächen zur Ausbringung und beschert oftmals strenge Auflagen der Kreisvete­rinäre.

Das finnische Unternehmen Ductor Corp. hat eine innovative Technologie entwickelt, mit dessen Hilfe Stickstoff und Phosphor aus dem Geflügelmist zurückgewonnen und das restliche Substrat gewinnbringend in der Biogasanlage eingespeist werden kann.

Ductor-Biogasanlage produziert 640 Tonnen Phosphordünger

Ende November 2016 wurde im finnischen Tuorla die erste Biogasanlage mit Ductors Stickstoff- und Phosphorrückgewinnungstechnologie in Betrieb genommen.

Die Größe des Fermenters bei der Demonstrationsanlage beträgt 80 Kubikmeter (m3). Mit Hilfe des Ductor-Verfahrens sei die Anlage in der Lage, jährlich 1.400 Tonnen Geflügelmist zu behandeln, die 266.000 m3 Biogas, 115 Tonnen Ammoniumsulfat und 640 Tonnen festen organischen Phosphordünger produziere.

Zusätzlicher Fermentationsschritt entfernt 60 Prozent des Stickstoffs

Durch einen zusätzlichen Fermentationsschritt vor der Biogasfermentation sowie einer Stickstoff-Abisoliereinheit, könnten 60 Prozent des Stickstoffs vor der Biogasfermentation entfernt werden, berichtet das Unternehmen. "Diese Lösung eröffnet eine Vielzahl neuer Möglichkeiten zur Verbesserung der Biogasökonomie und des Nährstoffrecyclings".

Fraunhofer UMSICHT evaluiert die Ductor-Technologie

Das deutsche Fraunhofer Institut UMSICHT unterstützt seit 2013 die Entwicklung der Ductor-Technologie zur Entfernung des Ammoniaks. "Hier wurden das Prozessprinzip und die Ergebnisse der Pilotanlage in Helsinki evaluiert. Aus den bisherigen Ergebnissen lässt sich schließen, dass die Technologie funktionieren wird", meint Joachim Krassowski, Gruppenleiter für Energieversorgungssysteme beim Fraunhofer UMSICHT.

Die erste kommerzielle Ductor-Biogasanlage mit der neuen Technologie soll in Deutschland gebaut werden. Auch dort werde das Fraunhofer UMSICHT nach der Inbetriebnahme der Anlage eine genaue Beurteilung der Leistung und der Gasausbeute der behandelten Substrate durchführen. „Unter Berücksichtigung der biologischen Prozesse und der eingesetzten Methoden erwarte ich jedoch, dass die Gasausbeute des behandelten Substrates nur geringfügig unter der des unbehandelten Substrates liegt“, sagt Krassowski. Er betont: "Die Entfernung von Stickstoff aus sehr stickstoffreichen Substraten wie Geflügelmist und Schlachthofabfall ist ein wichtiger Schritt, denn dadurch kann ein sinnvoller Einsatz dieser organischen Rückstände in Biogasanlagen als Energie ermöglicht werden, gegebenenfalls auch als Monosubstratreste".

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