Login
Kolumne

Climeworks eröffnet erste kommerzielle CO2-Filteranlage der Welt

von , am
13.06.2017

Die Gebrüder Meier AG erhält bis zu 900 Tonnen CO2 pro Jahr und verbessert damit das Wachstum der in Gewächshäusern angebauten Pflanzen wie Tomaten oder Gurken. Mit seiner ersten kommerziellen Direct Air Capture-Anlage (DAC) gelingt Climeworks der Schritt in den globalen CO2-Markt. Durch die Erzeugung negativer Emissionen möchten die Schweizer in Zukunft zur Erreichung des 2-Grad-Ziels beitragen.

Die DAC-Anlage ist auf dem Dach der Müllverwertungsanlage des Zweckverbands Kehrichtverwertung Zürcher Oberland KEZO installiert. Drei Schiffscontainer enthalten die insgesamt 18 CO2-Kollektoren, ein weiterer ist mit Steuerungs- und Überwachungstechnik bestückt. Herzstück ist die innovative und weltweit patentierte Filterstruktur im Kollektor. Während der Filterung sammelt sich das CO2 chemisch an der Oberfläche des Filters. Ist die Sättigung eingetreten, wird das CO2 bei einer Temperatur von ca. 100 Grad Celsius gelöst und das hochreines Gas freigesetzt.

80 Prozent der benötigten Energie stammen aus Niedertemperatur-Wärme – in Hinwil ist die verwendete Wärme vor allem Abwärme aus der Müllverwertungsanlage. Aufgrund des zyklischen Prozesses sind die 18 Kollektoren stets in unterschiedlichen Phasen (Adsorption, Desorption) – dies ermöglicht die kontinuierliche Belieferung der 400 Meter entfernten Gewächshäuser der Gebrüder Meier AG über eine unterirdische Rohrleitung.

Rohstoff für Getränke, Kraftstoff und Materialien

Aufgrund der Vor-Ort-Herstellung muss kein industrielles, fossiles CO2 mehr per LKW antransportiert und in Tanks zwischengespeichert werden. Im Vergleich zu anderen Abscheidetechnologien ist die modulare DAC-Technologie überall einsetzbar, konkurriert nicht mit Produkten des landwirtschaftlichen Anbaus, braucht wenig Platz und ist ohne Einschränkungen skalierbar. Weiter kann Climeworks CO2 verwendet werden, um damit Getränke anzureichern oder klimaneutrale Kraftstoffe und Materialien herzustellen. Die Kunden reduzieren damit ihre Emissionen sowie die Abhängigkeit von fossilen Energien.

Mit der Installation der ersten kommerziellen DAC-Anlage hat das Unternehmen nicht nur Produktionskapazitäten am Firmenstandort geschaffen, sondern auch sein Expertenteam Schritt für Schritt erweitert. „Mit den energetischen und wirtschaftlichen Daten können wir nun auch andere, grössere Projekte zuverlässig kalkulieren und dabei auf die Erfahrungswerte aus der Praxis zurückgreifen“, so Jan Wurzbacher, Mit-Gründer und Geschäftsführer der Climeworks AG.

In den kommenden Monaten möchte Climeworks weitere kommerzielle Pilotprojekte in Schlüsselmärkten wie der Lebensmittel- und Getränkebranche, dem Energiesektor und der Automobilindustrie realisieren. Ausserdem soll in der Kombination mit unterirdischer Speicherung auch die Erzeugung negativer Emissionen zur Bekämpfung der globalen Klimaerwärmung erprobt werden.

Negative Emissionen zur Erreichung des 2-Grad-Ziels

„Hoch skalierbare negative Emissionstechnologien sind zum Erreichen des 2-Grad-Ziels der Weltgemeinschaft unerlässlich“, sagt Christoph Gebald, Mit-Gründer und Geschäftsführer der Climeworks AG. „Die DAC-Technologie bietet hierfür unzählige Vorteile und ist in Kombination mit unterirdischer Speicherung bestens geeignet. Daher arbeiten wir jeden Tag hart daran, unsere Mission, bis 2025 ein Prozent der globalen CO2-Emissionen aus der Luft zu filtern, zu erreichen.“ Dazu sind 250‘000 DAC-Anlagen wie in Hinwil notwendig.

Die CO2-Filteranlage in Hinwil wird im Rahmen eines auf drei Jahre angelegten Demonstrationsprojektes mit den Partnern Gebrüder Meier sowie dem Zweckverband Kehrichtverwertung Zürcher Oberland KEZO realisiert. Das Projekt wird vom Bundesamt für Energie BFE mit einem Beitrag zu den nicht amortisierbaren Kosten gefördert.

Auch interessant