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Eine kleine Insel zeigt wie's geht

von , am
20.10.2015

Lesen Sie hier den zweiten Teil des Artikels "Braucht die Welt einen Vertrag?"

In den weltweiten Schlagzeilen: die Insel Samö (Foto: Zietz).
 
Autarke Energie
 
Im Land der Weltklimakonferenz sorgt eine Insel für weltweite Schlagzeilen: Samsö. Hier haben es die Bewohner geschafft, innerhalb von acht Jahren energieautark zu werden. Mit Wind, Sonne und Strohbrennern produzieren die Samsinger mehr als sie verbrauchen. Die 4.000-Einwohner große Insel gilt als das Energie-Vorzeigeprojekt Dänemarks. Die Insel liegt rund 150 km westlich von Kopenhagen und ist mehrmals am Tag mit der Fähre zu erreichen.
 
 
 
Vor zwölf Jahren schrieb die damalige rot-grüne Regierung einen Wettbewerb aus. Anhand einer Region sollte getestet werden, was Erneuerbare Energien in der Praxis leisten. Finanziellen Anschub neben nationalen Energie-Förderinstrumenten gab es vom Staat nicht. Denn Ziel war es, die alternativen Energien der Realität auszusetzen. Samsö bekam den Zuschlag. Die Insulaner pakten ihre Chance beim Schopfe und begannen umzudenken und zu investieren. Erst ein Jahr zuvor wuchsen dem Schlachthaus auf der Insel die Schulden über den Kopf. Es machte dicht und 100 Leute verloren ihren Arbeitsplatz. Ein Schock für die kleine Insel.
 
Kein Großinvestor, nur die Inselbewohner verdienen an den Erneuerbaren
 
Heute stehen auf Samsö elf Windräder sowie zehn Offshore-Anlagen im Wasser. Samsö hat sieben Mal mehr Solarmodule ans Stromnetz gekoppelt wie ganz Dänemark zusammen. Drei zentrale Strohfernwärmewerke sowie ein Solar- und Holzfernwärmewerk heizen im Winter die Häuser von rund 65 % der Inselbewohner. Das besondere an diesem Technik-Park: Alles gehört den Samsingern. Kein Großinvestor verdient am Stromverkauf nach Schweden und dem dänischen Festland - nur die Insulaner. „Wir haben es vor allem den Landwirten zu verdanken, dass sich die Erneuerbaren Energien hier so ausgebreitet haben, sagt Marlene Lundén, Projektmanagerin bei der Energie-Akademie auf Samsö.
 

 
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Landwirte waren die ersten, die rund 2,5 Mio. € in die Hand nahmen und in eine Windkraftanlage investierten. Danach folgte viel Überzeugungsarbeit. Nach und nach setzten sich mehr Insulaner ins „Investitions-Boot. Jörg Tranberg, ein Großbauer mit 150 Milchkühen stemmte sogar alleine die Summe von 2,3 Mio. € und stellte sich eine Windkraftanlage auf seinen Acker. Heute verdient er damit mehr Geld als mit seinen Milchkühen. Insgesamt investierten die Samsinger 56 Mio. €. Fünf Offshore-Anlagen gehören der Gemeinde. Die restlichen Erneuerbare-Energien-Anlagen im Wasser und auf dem Land teilen sich rund 400 Samsinger.
 
Die Inselbewohner haben kein Problem mit Turbinen vor ihrer Haustür 
 
{BILD:117613:jpg}Die Wertschöpfung bleibt auf der Insel. „Das ist sehr wichtig,“ sagt Marlene Lundén und  fügt hinzu: „Bei uns gibt es keine Debatten mit Anwohnern, die zwar für Erneuerbare Energien sind, aber die Windturbine nicht vor ihrem Fenster haben wollen.“ Wer selbst an einer Anlage beteiligt ist, betrachtet diese wohl mit anderen Augen.
 
In ländlichen Regionen nehmen Landwirte nach Ansicht von Marlene Lundén beim Ausbau der Regenerativen eine Schlüsselrolle ein: „Aus sehr langer Tradition heraus wissen Landwirte, wie man mit Ressourcen wirtschaftet und zudem fair umgeht. Viele Bauern sind Visionäre, die bereit sind, zu investieren und ein klares Ziel vor Augen haben. Um den Klimaschutz weiter voranzubringen, brauchen wir solche Leute,“ ist sich die Dänin sicher.
 
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