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Editorial

Optimismus ist angesagt

Dieser Artikel ist zuerst in der Joule erschienen.

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Kopf von JOULE 2/2017
© joule/werkbild
von , am
06.03.2017

Die Tage werden heller – und die Mienen auch? Viele Beiträge in der JOULE 2/2017 sprechen dafür. Der Fachverband Biogas, der schon bei der EnergyDecentral in Hannover das Ende des Jammertals verkündet und Perspektiven für Biogasanlagenbetreiber vermeldet hat, ist ebenfalls dieser Meinung. Im Heft lesen Sie, wie Betreiber dank der im EEG 2017 formulierten Anschlussregelungen ihre Anlagen für die Zukunft fitmachen. Die Flexibilisierung, also die Ausrichtung der Anlagen an Markt- und Nachfragesignalen, bietet interessante wirtschaftliche Möglichkeiten, wenn auch die technischen Voraussetzung vor allem im Bereich der Motoren noch weiter verbessert werden müssen.

Optimismus ist angesagt

Das wichtigste Signal muss jedoch von der Politik kommen. Denn die flexible Bereitstellung von Energie wird bisher von den Strommärkten zu wenig honoriert. Der Gesetzgeber muss seinen früheren vollmundigen Ankündigungen endlich Taten folgen lassen und fossile Überkapazitäten reduzieren. „Nur über den Rückbau alter fossiler Kraftwerke wird es gelingen, Preise an der Strombörse zu erzielen, die sich rechnen“, so formuliert es der Präsident des Fachverbandes Biogas, Horst Seide. Der Wechsel an der Spitze des Bundeswirtschaftsministeriums ist hier sicherlich kein Nachteil. Bleibt die Frage, ob in den verbleibenden Monaten bis zur Bundestagswahl überhaupt noch an Sacharbeit zu denken ist, oder ob sich die Politiker fortan in kräftezehrendem Wahlkampfmodus nur noch gegenseitig anfeinden.

Doch wir wollten über Optimismus reden. Eine weitere mutmachende Geschichte finden Sie im Dossier über die Nutzung von Biogasabwärme. Eine sächsische Agrargenossenschaft betreibt seit 2010 eine Anlage zur Produktion von Afrikanischem Wels – ein leckerer, vielseitiger Speisefisch. Nach Startschwierigkeiten – nicht etwa bei der Erzeugung, sondern beim Absatz – sehen die Fischer in der seenarmen Leipziger Tieflandsbucht inzwischen optimistisch in die Zukunft. Die Abwärme ihrer 600-kW-Biogasanlage wird ganzjährig zu 60 % genutzt und dank fleißiger Mund-zu-Mund-Propaganda wächst auch die Kundschaft für ihre Filets, Salate, Räucherware und Fischbüchsen stetig.

Auch aus anderen Branchen kommen gute Nachrichten. Zum Beispiel aus der Biomasseforschung, wie Sie ebenfalls in der neuen JOULE lesen können. Junge Wissenschaftler untersuchen am Leipziger Biomasseforschungszentrum DBFZ die Effizienz und Umweltfreundlichkeit von Kleinfeuerungsanlagen – Öfen und Kaminen. Angesichts der zwischen 12 und 15 Millionen Anlagen in diesem Land eine wirklich gute Nachricht. Die Arbeitsgruppe der Doktorandin, die wir in diesem Beitrag vorstellen, gewann im vorigen Jahr einen renommierten us-amerikanischen Wettbewerb mit einem nahezu emissionsfreien Pelletofen, der bei einer Heizleistung von 13 kW äußerst niedrige CO- und Staubmengen ausstößt.

Und zu guter Letzt gibt es auch Erfreuliches aus der Solarbranche. Nicht nur, dass in diesem Jahr die Investition in eine PV-Anlage äußerst lukrativ ist, in seinem Beitrag „Wie grün sind Solarstromspeicher“ weist unser Autor auch nach, dass PV-Speicher für sich genommen zwar die enorm positive Ökobilanz einer PV-Anlage geringfügig schmälern, sie aber insgesamt gesehen einen großen Klimanutzen liefern. Nicht zuletzt, weil Herstellung und Recycling immer effizienter werden.

Sie sehen, es gibt wirklich gute Gründe für Optimismus!

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