Stromerzeugung im Reich der Mitte China baut Biomasse kräftig aus

Chinesische Fahne im Wind © Dieter Schütz/pixelio.de Bild vergrößern
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Eine attraktive Einspeisevergütung für Strom aus Biomasse und geringe Investitionskosten könnten China in den nächsten 10 Jahren zum wichtigsten Wachstumsmarkt für Biomassekraftwerke machen.

Hohe Zubauraten und ambitionierte Ausbauziele könnten China in swn nächsten 10 Jahren zum größten Markt für Biomassekraftwerke weltweit machen. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Marktuntersuchung "Biomass to power 2016/2017" der Kölner Beratungsfirma ecoprog. Gestützt wird diese These mit einer attraktiven Einspeisevergütung für Strom aus Biomasse in Höhe von 0.75 RMB/kWh (10.2 €ct/kWh) und einem durchschnittlich geringen Investitionsvolumen von 1.5 Millionen Euro/MWel. Dies führe zu einer vergleichsweise schnellen Amortisierung der Investitionskosten.

Biomasseanlagen in Amerika sind fast doppelt so groß wie in Europa

Während im Reich der Mitte vor allem große Biomassekraftwerke gebaut werden, bleibe in Europa vor allem der Zubau von Kleinanlagen dynamisch, meint ecoprog.

Aktuell seien weltweit über 3,300 Biomassekraftwerke mit einer installierten Kapazität von rund 49 GWel in Betrieb. „Fast die Hälfte dieser Anlagen befindet sich in Europa. Diese machen jedoch nur ein Drittel der installierten Kapazitäten aus. Grund hierfür sind die durchschnittlich geringen Anlagenkapazitäten von rund 10 MWel. Denn der europäische Biomassemarkt wird von Fördersystemen bestimmt, die überwiegend Kleinanlagen in den Mittelpunkt stellen (<5 MWel)“, meldet das Beratungsunternehmen.

In Nord- und Südamerika sowie Asien sind die meisten Anlagen fast doppelt so groß. Hier befinden sich die Anlagen überwiegend an industriellen Standorten mit einem hohen Anteil biogener Abfälle. Hierunter fällt etwa die Verarbeitung von Holz, Zuckerrohr oder Palmöl. Durch den hohen Wärmebedarf der Industrien sind die Anlagen größer dimensioniert und durch die lokale Brennstoffverfügbarkeit aus Reststoffen in der Regel nicht von einer öffentlichen Förderung abhängig.

Zahl der Biomasseanlagen steigt voraussichtlich um 50 Prozent

Bis 2025 werde die weltweite Anzahl an Biomassekraftwerken auf 5.700 ansteigen. Die installierte Kapazität werde sich auf fast 74 GWel erhöhen. Dies entspreche einem Zubau von 2.400 Anlagen mit einer Leistung von 26.5 GWel. Hauptgrund hierfür sei die Förderung der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien, die mittlerweile in über 140 Ländern etabliert ist.

China wird wichtigster Wachstumsmarkt für Biomasse

Denn es existiert eine attraktive Einspeisevergütung für Strom aus Biomasse in Höhe von 0.75 RMB/kWh (10.2 €ct/kWh). Durch das durchschnittlich geringe Investitionsvolumen von 1.5 Millionen Euro/MWel amortisieren sich die Investitionskosten zudem vergleichsweise schnell.

Neben der attraktiven Einspeisevergütung und der vergleichsweise geringen Investitionskosten stimmten in China auch die politischen Rahmenbedingungen für einen zügigen Ausbau der Biomassekraftwerke. Im November sei ein ambitioniertes Ausbauziel auf 15 GWel bis 2020 festgelegt worden. Durch einen Zubau von rund 750 MWel pro Jahr werde China trotz des geringen Investitionsniveaus zum umsatzstärksten nationalen Biomassemarkt der Welt.

China setzt bei Biomasse auf reine Stromerzeugung

Während in China der standardisierte Bau von reinen Stromerzeugern mit einer Leistung von 30 MWEl vorangetrieben werde, werden in Europa zunehmend Kleinanlagen errichtet, die in der Regel über eine Wärmenutzung verfügten. Denn in vielen Ländern sei die Abwärmenutzung Pflicht für die Auszahlung einer Förderung. Zudem seien die Rauchgasreinigungsvorschriften und die Lohnniveaus in Europa deutlich höher als in Asien. Entsprechend hoch seien die durchschnittlichen Investitionskosten mit etwa 5.4 Millionen Euro/MWel.

Neubauten seien daher in Europa deutlich teuer als in Asien. Zudem bedinge der alternde Anlagenbestand in Europa eine zunehmende Modernisierungstätigkeit. Im regionalen Vergleich bleibe Europa in den nächsten 10 Jahren daher die Region mit den höchsten Umsätzen in Neubauten und Modernisierung, obwohl der Kapazitätsausbau im Vergleich zu den letzten 10 Jahren sinken werde.

Zubau von Biomasse-Kleinanlagen bleibt in Europa dynamisch

Der Zubau von Kleinanlagen im Leistungsbereich von 1 MWel bleibe durch die meist guten Förderbedingungen weiterhin dynamisch, vor allem in Italien. Allerdings sinke das Gesamtlevel der Förderung aufgrund hoher Kosten und ökologischer Gesichtspunkte derzeit in vielen europäischen Ländern im Wesentlichen zu Lasten größerer Projekte (>5 MWel).

In Bulgarien und Rumänien sei die Förderung in 2016 sogar komplett eingestellt worden. In Frankreich wurde die feste Einspeisevergütung 2016 durch ein auf 50 MWel pro Jahr gedeckeltes Auktionsmodell ersetzt. Im Vereinigten Königreich werde in der aktuellen Förderrunde auf die Subventionierung von Umrüstungsprojekten von Kohlekraftwerken auf eine reine Biomassenutzung verzichtet. Auch in Deutschland wurden die Bedingungen für Biomassekraftwerke durch die Einführung des EEG 2017 nicht verbessert. Nord- und Südamerika bleiben weiterhin vor allem in den Leitmärkten Brasilien, Kanada und den USA attraktive Märkte für die Stromerzeugung aus fester Biomasse.