Neufassung der Erneuerbare-Energien-Richtlinie (RED) Fachverband Biogas fordert: Bioenergie in der EU stärken!

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Der Fachverband Biogas hält den Entwurf über die Neufassung der Erneuerbare-Energien-Richtlinie (RED) für wenig ambitioniert. Er fordert die Stärkung der Bioenergie in der EU.

Der Fachverband Biogas e.V. hat seine Stellungnahmen anlässlich des Entwurfs des Europäischen Rates und der Fachausschüsse über die Neufassung der Erneuerbare-Energien-Richtlinie (RED) veröffentlicht. Bereits seit Ende letzten Jahres laufen in Brüssel die Beratungen zu dieser EU Richtlinie, die voraussichtlich ab 2021 gültig sein wird. Die RED benennt Ziele für den Ausbau Erneuerbarer Energien und regelt grundlegende Fragen, beispielsweise die Ziele für Erneuerbare Energien oder die Nachhaltigkeitskriterien für Biomasse.

"Insgesamt ist der vorliegende Entwurf wenig ambitioniert", resümiert der Hauptgeschäftsführer des Fachverbandes Biogas, Dr. Claudius da Costa Gomez. Der Fachverband fordert, Bioenergie in der EU zu stärken.

Fachverband fordert verbindliche nationale Unterziele bei der Bioenergie

"27 % Erneuerbare Energien bis 2030 ist kein ehrgeiziges Ziel und erfüllt den Geist des Pariser Abkommens nicht im Geringsten. Dieser Anteil wird auch erreicht, wenn wir gar nichts tun. Eine Begrenzung der Klimaerwärmung wird damit nicht gelingen", bemängelt da Costa Gomez. Das Fehlen verbindlicher nationaler Ziele verhindere zudem, dass sich jeder einzelne Mitgliedstaat in der Verantwortung sieht, seinen Teil zur europäischen Energiewende beizutragen. Der Fachverband Biogas fordert daher seit Beginn der Beratungen gemeinsam mit dem Bundesverband Erneuerbare Energien ein ehrgeizigeres Gesamtziel von mindestens 45 % Erneuerbare Energien und verbindliche nationale Unterziele.

Standardwerte für unterschiedliche Substrate begrenzen administrativen Aufwand

Ein zentrales Thema für die Biogasbranche sei die geplante Ausweitung von Nachhaltigkeitsanforderungen auch auf die stationäre Biogasnutzung. Die geplanten hohen Anforderungen an die Treibhausgaseinsparung von 70 % für Biogas als Kraftstoff und 80 % (ab 2026 85 %) für Biogas in der Strom- und Wärmeproduktion stellten eine besondere Herausforderung für die Branche dar.

"Wir wollen als Branche unter Beweis stellen, dass wir das Klima in besonderer Weise schützen - daher begrüßen wir auch einheitliche Nachhaltigkeitsanforderungen", stellt da Costa Gomez klar; "aber die Regelungen müssen so ausgestaltet werden, dass auch kleine Betriebe dem hohen administrativen Aufwand zum Nachweis der individuellen Treibhausgaseinsparungen Herr werden können. Wir fordern daher Standardwerte für die in Deutschland gängigen unterschiedlichen Substrate."

Hohe Gutschriften bei Treibhausgas-Bilanz für Güllevergärung

Positiv bewertet der Fachverband, dass die EU endlich den besonderen Wert der Vergärung von Wirtschaftsdünger anerkennt: Biogasanlagen, die Gülle als Substrate einsetzen, sollen sich künftig für diese Klimadienstleistung besonders hohe Gutschriften in ihrer Treibhausgas Bilanz anrechnen lassen können.

Die Richtlinie sehe weiterhin Ausnahmen von den Nachhaltigkeitsanforderungen für Anlagen unter 500 Kilowatt installierter elektrischer Leistung vor. Vor dem Hintergrund der zunehmenden Flexibilisierung der Anlagen und der damit einhergehenden Steigerung der installierten Leistung fordert der Fachverband als Einheit für die Ausnahmen jedoch nicht die installierte, sondern die Bemessungsleistung. So würden die Biogasanlagen, die in eine verlässliche Bereitstellung von Strom aus erneuerbaren Energien investieren, nicht auch noch dafür bestraft.

Fachverband begrüßt Unterquote für fortschrittliche Biokraftstoffe

Begrüßenswert sei die Einführung einer Unterquote für fortschrittliche Biokraftstoffe, unter die auch Biogas aus Gülle und Bioabfall falle. Diese soll von 0,5 % in 2021 auf 3,6 % in 2030 steigen und dafür sorgen, dass der deutsche Treibstoffmix kontinuierlich klimafreundlicher werde. Allerdings plädiere der Verband für eine ambitioniertere Quote und spreche sich für den Erhalt des Anteils von 7 % der Biokraftstoffe aus Energie- und Futterpflanzen aus, die nach dem aktuellen Entwurf auf 3,8 % abgesenkt werden solle.

"Um die Dekarbonisierung zu erreichen, die wir mit dem Pariser Abkommen vereinbart haben, müssen schnellstmöglich so viele fossile Kraftstoffe wie möglich ersetzt werden", erklärt da Costa Gomez. "Biokraftstoffe sowohl aus Energiepflanzen als auch aus Rest-und Abfallstoffen sind daher unverzichtbarer Bestandteil des Kraftstoffmixes – und das nicht nur im Individual-, sondern auch beim Schwerlastverkehr, in Schiffen und Flugzeugen", erläutert da Costa Gomez die Perspektiven der Biokraftstoffe.