Biokraftstoffe Ohne landwirtschaftliche Rohstoffe keine Verkehrswende

Podium bei der Ufop-/ovid-/VDB-Pressekonferenz © Catrin Hahn/joule Bild vergrößern
Von links: Gerhard Brankatschk (stellv. Geschäftsführer OVID), Frank Brühning (Pressesprecher VDB), Prof. Dr. Jürgen Zeddies (Universität Hohenheim), Stephan Arens (Geschäftsführer UFOP), Elmar Baumann (Geschäftsführer VDB)
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Die Verbände UFOP, OVID und VDB haben auf einer Pressekonferenz in Berlin die von ihnen in Auftrag gegebene Studie „Auswirkungen politischer Beschlüsse auf Biokraftstoffe und Rohstoffmärkte“ vorgestellt. In der von Professor Dr. Jürgen Zeddies von der Universität Hohenheim durchgeführten Untersuchung ging es um die Frage, welche Bedeutung Biokraftstoffe für die Verkehrswende haben und wie vor allem politische Regulierungen Biokraftstoffe auszugrenzen drohen.

Rolle der Biokraftstoffe für Klimaschutz, Agrar- und Futtermittelwirtschaft

Prof. Zeddies fasste in seiner Einführung die Ergebnisse der Studie zusammen: Biokraftstoffe sind bedeutsam für den Klimaschutz im – bisher zu wenig dafür herangezogenen – Straßenverkehr, gleichzeitig aber auch für die Tierfutterproduktion und den Absatz der Rapserzeuger. Durch ihre Gesetzgebung beeinflusst die Politik auch Preise und Absatzchancen von Raps, Getreide und Zuckerrüben aus heimischem Anbau sowie die Futtermittelmärkte.

Nach Zeddies’ Worten hat die Biokraftstoffindustrie großen Einfluss auf die Rohstoffproduktion: 2015 wurden 3,2 Mio. t Rapssaat zu 1,3 Mio. t Biodiesel verarbeitet – etwa ein Drittel der Erzeugung. Neben dem Pflanzenbau sind dabei 1,9 Mio. t Proteinfuttermittel entstanden, die die Abhängigkeit von (Gen-)Sojaschrotimporten verringern helfen. Dramatisch wären also die Folgen, würde die EU die Vorschläge der Kommission zur Reform der Erneuerbare-Energien-Richtlinie umsetzen, den Absatz von Biokraftstoffen aus Agrarrohstoffen im Straßenverkehr bis 2030 mindestens zu halbieren. Das würde die Rapsanbauer vor riesige Probleme stellen, die heimische Futtermittelproduktion würde leiden.  „An der Ladentheke verlangen die Verbraucher immer mehr heimische Produkte. Um den Bedarf an Proteinfutter zu decken, benötigen wir Rapsschrot aus Deutschland. Nennenswerte Mengen können nur mit der Biokraftstoffproduktion entstehen. Die Pläne der Europäischen Kommission sind dagegen kontraproduktiv“, betonte dazu Gerhard Brankatschk, stellvertretender Geschäftsführer von OVID-Verband der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland.

Biokraftstoffe sind nicht zu ersetzen

Weiterhin belegt die Studie: Ohne Biokraftstoffe müssten mehr fossile Kraftstoffe verbraucht werden, für 2015 wären es z.B. 2,9 Mio. t Benzin und Diesel gewesen. Jede Tonne Biokraftstoff trägt ihrerseits mit 386 Euro zur Brutto-Wertschöpfung in Deutschland bei. Und der Entwicklungsstand der von der EU-Kommission so gelobten Kraftstoffe der 2. Generation (Ptx oder Bioethanol aus Stroh oder Holz) ist nicht sehr zufriedenstellend. „Hier gibt es europaweit keine Anreize für die Forschung und Entwicklung, weder aus der Fahrzeugindustrie noch aus der Politik“, fasst  Elmar Baumann, Geschäftsführer beim Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB), zusammen. „Biokraftstoffe sind die einzige in größerem Umfang vorhandene Alternative zu fossilen Kraftstoffen. Sie sind volkswirtschaftlich sinnvoll und ermöglichen massive Treibhausgaseinsparungen. Wer sich von den heutigen Biokraftstoffen verabschieden will, wird Schwierigkeiten haben, die entstehenden Lücken zu schließen.“ Auch Stefan Arens, Ufop-Geschäftsführer, unterstreicht: „Die gesamte Rapsernte in Deutschland ist nachhaltig zertifiziert und erfüllt die vorgeschriebenen THG-Minderungsquoten. Biodiesel und Raps übernehmen damit eine Vorreiterrolle.“

Die Studie ist auf den Webseiten der Verbände herunterzuladen, z.B. www.ufop.de