Anbau von Energiepflanzen Nicht von Pappe

Papiermühle von Iggesung in Workington © Werkbild Iggesund Bild vergrößern
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Als man sich in der Kartonfabrik von Iggesund Paperboard im nordenglischen Workington für einen Biomasse-Heizkessel entschied, wurde sofort der künftige Brennstoffbedarf mitgeplant. Die umliegenden Landwirte freut das.

Die Kartonfabrik von Iggesund Paperboard im nordenglischen Workington sollte eine neue Heizanlage bekommen. Die Verantwortlichen entschieden sich für einen Biomasse-Heizkessel, um ihre Energieversorgung von fossilen Brennstoffen auf Biomasse umzustellen. Zeitgleich mit dem Umbau begannen die Planungen für die Erzeugung des künftigen Brennstoffs.

Das Projekt Grow Your Income zielte darauf ab, ortsansässige Landwirte einzubeziehen und ihr Interesse für den Anbau von Weiden als Biomasse zu wecken. Vorteile des Programms für die Landwirte in der Region Cumbria sind das sichere, langfristige und regelmäßige Einkommen und eine stärkere Biodiversität ihrer Betriebe. Außerdem schützt der Anbau vor Bodenerosion. Kurzumtriebsweiden können sogar Bienen zu Beginn der Saison als gute Pollenquelle dienen. Alles in allem verbessern die teilnehmenden Landwirte ihre Rentabilität auch in Zeiten, in denen der Weltmarkt sich nachteilig auf Einkünfte aus der Lebensmittelproduktion auswirkt.

Langfristige Investition

Der Kontakt zu Landwirten und Grundbesitzern ist die Aufgabe von Neil Watkins, Alternative Fuels Manager in der Kartonfabrik von Iggesund Paperboard. Iggesung stellt in Workington Incada her, einen hochwertigen Chromokarton (GC). „Wir müssen verstehen, dassdies Zeit braucht und weitreichende Entscheidungen erfordert“, erklärt er und fasst damit die vier Jahre zusammen, in denen er bisher an diesem Projekt gearbeitet hat. „Eine Investition in Energiepflanzen bedeutet eine über zwanzigjährige Bindung. Natürlich möchten die Landwirte da zunächst sicher sein, auch wirklich das Richtige zu tun. Das Interesse wächst, und die Zahl der Landwirte, die neue Plantagen anlegen, steigt jährlich.“ Bisher hat die Kartonfabrik mehr als 26.000 t Weidenschnitzel erhalten, die dem Brennstoffmix hinzugefügt wurden. Insgesamt ist das deutlich mehr, als zu Beginn des Projekts erwartet wurde.

2013 Iggesund investierte 108 Mio. Pfund in den Bau eines neuen, biomassebetriebenen Blockheizkraftwerks. Von einem Tag auf den anderen reduzierten sich die fossilen Kohlendioxidemissionen der Fabrik auf null. Gleichzeitig erhöhte sich ihr Bedarf an reiner Biomasse um 500.000 t pro Jahr. Die Kartonfabrik hatte sich für die nächsten Jahre zwar ausreichende Biomassemengen gesichert, wollte jedoch langfristig planen. So entstand die Idee, durch Kurzumtriebsplantagen neue Biomassequellen zu erschließen. In seinem Strukturplan für Cumbria hat das britische Umweltministerium Teile der Grafschaft ausgewiesen, die sich besonders gut für den Anbau von schnellwachsenden Energiepflanzen eignen. „Die Weidenarten, die wir empfehlen, eignen sich sehr gut für nassere, unproduktive Böden, so dass sie keine Konkurrenz zur Lebensmittelproduktion darstellen“, erklärt Neil Watkins.

Frühere Energiepflanzenprojekte in Cumbria scheiterten an den unberechenbaren Erntekosten. Die Preise für Biomasse waren zwar gut, doch die Gewinne wurden durch die Kosten für Ernte und Transport zunichte gemacht. Hier setzte Iggesund Workington an. Das Unternehmen besitzt bereits einen eigenen Holzernteservice sowie ein umfassendes Holztransportnetz in Nordengland und Südschottland. Es gehört zur Holmen Group, einem der größten schwedischen Waldbesitzer. Wissen und Mittel für die Ernte von Forstrohstoffen standen zur Verfügung. Auf dieser Grundlage entwickelte das Unternehmen ein Angebot für Landwirte: Iggesund übernimmt Erntekosten und Transport der geernteten Pflanzen und garantiert den Landwirten gleichzeitig einen Ertrag aus ihrem investierten Kapital, der für die Vertragslaufzeit von derzeit 22 Jahren indexgebunden ist. „Wir leisten Beratung, finanzielle Unterstützung bei der Umstellung sowie einen Ernte- und Transportservice – alles auf der Basis langfristiger Verträge“, erläutert Watkins. „Unser Angebot, das wir ‚Grow Your Income‘ genannt haben, ist eine besonders attraktive Lösung für ältere Landwirte, die ein Interesse an weniger arbeitsintensiven Kulturpflanzen haben.“ Iggesund Paperboard ist seit dem Ende der 1980er Jahre einer der größten Arbeitgeber in Workington. Seit der Jahrtausendwende hat das Unternehmen beinahe 200 Mio. Pfund in die Entwicklung seines Kartonherstellungsverfahrens investiert. Vor drei Jahren tätigte Iggesund eine der kleineren Investitionen der letzten Jahre: das Unternehmen pflanzte auf den zehn Hektar Land rund um die Fabrik einen Energiewald. Die Pflanzen wurden im Winter 2016 erstmals geerntet. „Wir möchten den Menschen unbedingt zeigen, dass wir an den erfolgreichen Anbau von Energiepflanzen glauben. Außerdem brauchen wir eine Demonstrationsfläche, auf der wir Besuchern genau vorführen können, wie es geht. Und natürlich wollen wir damit auch Gewinn machen“, so Watkins abschließend.