Elektromobilität Prototyp des preiswerten Solar- und Elektroautos "Sion" vorgestellt

Sion: Ein Elektroauto mit 330 Solarpanelen © Sono Motors Bild vergrößern
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Drei junge Münchner haben sich vorgenommen, ein günstiges Elektroauto zu bauen. Jetzt stellten sie den Prototypen ihres „Sion“ vor. Er soll 16.000 Euro kosten und 2019 auf die Straße kommen.

Donnerstagabend, 20 Uhr, eine große Menschenmenge aus Investoren, Elektromobilitäts-Enthusiasten und Medienvertretern wartet vor dem Münchner Technikzentrum geduldig auf Einlass. Rund 700 Gäste wollen bei der Präsentation des Prototypen Sion dabei sein und sich anschauen, wie das Versprechen der drei jungen Münchner, dass sich ein Elektroauto auch günstig bauen lässt, in Echt aussieht.

Der Sion soll 16.000 Euro kosten und 2019 auf die Straße kommen. Die Batterie ist bei diesem Preis noch nicht dabei, sie kostet voraussichtlich 4.000 Euro extra oder kann monatlich gemietet werden.

Sion: Idealisten mit Realitätssinn entwickeln Solar- und Elektroauto

Im Foyer des Technikzentrums ist eine schwarze Bühne aufgebaut. Sie bleibt lange leer, nur ein hell leuchtender Kreis mit einem Punkt in der Mitte - dem Logo der Firma Sonomotors - ist zu sehen. Kurz vor 21 Uhr betritt Laurin Hahn die Bühne. Der schlacksige 23jährige ist einer der drei Gründer und der beiden Geschäftsführer von Sonomotors.

Souverän berichtet er, wie er und sein Schulfreund Jona Christians vor vier Jahren auf die Idee kamen, ein Elektroauto zu bauen. "Mobilität ist in unserer heutigen Welt sehr wichtig, wir wollten aber nicht länger zusehen, wie die Umwelt jeden Tag mit zig Tonnen Öl belastet wird". Daraufhin starteten die Idealisten in der Garage von Jona Christians Eltern mit ihren ersten Experimenten an einem Kleinwagen.

Große und kleine Investoren glauben an den Erfolg des Sion

Die Wende bei Ihrer bis dahin privaten Tüfftelei brachte die Idee von Navina Pernsteiner, der dritten Gründerin von Sonomotors. Sie schlug vor, Geld für den Bau des Elektroautos im Internet per Crowdfunding (indiegogo.de) zu sammeln. Das Trio drehte ein ansprechendes Video und bekam innerhalb kurzer Zeit mehr als 700.000 Euro von kleinen Investoren zur Verfügung gestellt. Für den Start des Projekts reichte das, für den Bau der ersten Prototypen, die ab 18. August bei Probefahrten getestet werden können, war das Geld aber zu wenig. Zumal sich das Trio inzwischen massive Unterstützung von Ingenieuren und anderen Fachleuten geholt hat und rund 100 Mitarbeiter beschäftigt. Drei große Investoren, die an den Erfolg von Sonomotors glauben, waren am Donnerstag auch zur Präsentation des Prototypen gekommen: Franz Böllinger (Autozulieferer Böllinger Group), Marita Hansen (Elektromobilitäts-Veranstaltungen und Events) und Matthias Willenbacher (JuWi-Mitbegründer).

Sion-Besonderheiten: Solarmodule, Moosfilter, Stromtankstelle und offenes Werkstatthandbuch

Nach der kurzweiligen Rede von Hahn rollt endlich die eigentliche Hauptperson des Abends auf die Bühne und anschließend in den Zuschauerraum: der Prototyp des Sion. Neben seinem relativ niedrigen Preis weist er zahlreiche weitere Besonderheiten auf: Er hat 330 Solarmodule auf der Motorhaube, dem Dach und an den Seiten. Sie vergrößern die Reichweite der 400 V Lithium-Ionen-Batterie von 250 Kilometer um 30 Kilometer täglich, selbst bei bewölktem Himmel.

Die Solar-Module sind nicht aus Glas sondern aus Polycarbon, was zum relativ geringem Gesamtgewicht des Autos führt: ca. 1,4 Tonnen.  Im Innenraum filtert ein spezielles Moos den Feinstaub zusätzlich aus der Raumluft. Der Sion soll Strom nicht nur über einen Schnellladestecker aufladen können, sondern auch selbst abgeben können, quasi als mobile Stromtankstelle für andere E-Autos oder elektrische Hausgeräte. Wie das aussehen könnte, zeigt Hahn bei der Präsentation, als er eine Flex in die Schukosteckdose des Sion einsteckt und aufheulen lässt.

Darüber hinaus planen die Pioniere auch die Offenlegung des lizenzfreien Werkstatthandbuchs, damit das Auto von markenunabhängigen Werkstätten oder talentierten Tüftlern repariert werden kann. "So haben wir von Anfang an ein Service-Netzwerk", erläutert Hahn. Der Sion-Antrieb besteht aus einem 80 kW Drei-Phasen-Asynchronmotor (109 PS) mit einer Höchstgeschwindigkeit von 140 km/h.

Sion muss noch einige Hürden bis zur Serienreife nehmen

Hahn und seine Mitstreiter planen, ihr Solar- und Elektroauto bis Mitte 2019 auf die Straße zu bringen. Um die Serienfertigung aufnehmen zu können, benötigen sie 5.000 Vorbestellungen. Dass dieses Ziel erreicht wird, steht für Hahn außer Zweifel. Bis Ende des Jahres wollen die Münchner den Namen des Unternehmens bekannt geben, das für sie den Sion aus lizenzfreien Autoteilen zusammenbaut.

Sion-Ausstattung: Community-Befragung statt teurer Marktforschungsstudie

Beim Pressegespräch nach der Präsentation verrät Hahn noch, wie das Unternehmen zu den verschiedenen Ausstattungsmerkmalen seines Prototypen gekommen ist: Statt teurer Marktforschungsstudien befragt das Unternehmen regelmäßig seine Community, sprich seine großen und kleinen Investoren. Diese Befragungen haben zum Beispiel auch ergeben, dass vielen Nutzern eine Klimaanlage und Anhängerkupplung wichtig ist.

Wird der Sion den großen Autobauern das Fürchten lehren?

Ob die drei jungen Münchner mit ihrem Sion den großen Autobauern das Fürchten lehren werden bleibt abzuwarten, denn von der Präsentation eines Prototypen bis zur Serienfertigung, liegt noch ein weiter Weg mit zahlreichen Hürden, unter anderem dem Bestehen des Crashtests. Sie haben aber jetzt schon auf beeindruckende Weise gezeigt, wie weit man mit der Realisierung seiner Ideen kommen kann, wenn man sie ernst nimmt und dran bleibt.