Versicherungsschutz Schutz mit Löchern

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Aufdach-Solaranlage © Catrin Hahn/joule Bild vergrößern
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Knapp 1,6 Mio. Photovoltaikanlagen gibt es in Deutschland, etwa 928.000 davon gehören Privathaushalten, schätzt der Bundesverband Solarwirtschaft. Wie ist es um den Versicherungsschutz dieser Anlagen bestellt?

Der richtige Versicherungsschutz

Die Stiftung Warentest, die sich als gemeinnützige Verbraucherorganisation die Aufgabe gestellt hat, Waren und Dienstleistungen verschiedener Anbieter miteinander zu vergleichen und zu bewerten, hat sich auch mit der Versicherungs­situation von Aufdach-PV-Anlagen beschäftigt. Bei Anlagen, die über einen Kredit finanziert wurden, verlangen Banken ohnehin meist eine Versicherung. Aber auch allen anderen Eigentümern kann zu einer solchen Police nur geraten werden, denn: Die erhobenen Daten zeigen, dass vor allem Feuer, Überspannung und Stürme für immens teure Schäden an PV-Anlagen sorgen können.
Die Stiftung hat für ihre Studie  42 Photovoltaikversicherungen unter die Lupe genommen. Dabei kam zum Einen heraus, dass die Policen der einzelnen Anbieter sehr unterschiedlich und zum Teil lückenhaft sind. Die gute Nachricht ist aber, dass es gute Verträge schon für unter 100 € im Jahr gibt. Es gibt zwei mögliche Arten, sich zu versichern: über einen Zusatz zu einer bereits bestehenden Wohngebäudeversicherung oder über einen separaten Vertrag bei einem anderen Anbieter. Der Test hat ergeben, dass es in beiden Varianten Tarife gibt, die Lücken aufweisen. Es kommt vor, dass Überspannung, Tierbiss oder Ertragsausfall nicht versichert sind. Als Mindestschutz sollten die folgenden Leistungen in der Police enthalten sein:
- Brand: Brände sind zwar selten, aber im Extremfall der teuerste Schaden. Dagegen muss die Anlage unbedingt versichert sein.
- Blitz: Hier ist der direkte Einschlag in die Solaranlage versichert.
- Tierbiss: Nicht nur Schäden durch Marder, sondern auch durch andere Nagetiere sollten mitversichert sein. Marderprobleme kommen häufiger vor, dabei ist der Schaden meist gar nicht hoch, aber die Suche nach der Ursache dauert lange.
- Sturm/Hagel: Dieser Schutz wird zunehmend wichtig. Laut einer Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung PIK können künftig schwere Stürme, wie sie bisher alle 50 Jahre auftraten, etwa alle zehn Jahre passieren.
- Grobe Fahrlässigkeit: Die Versicherung sollte auch dann voll zahlen, wenn der Besitzer selber einen Schaden mitverursacht hat.
- Bedienungsfehler: Sie passieren selten, sollten aber im Schutz enthalten sein.
- Überspannung/Kurzschluss: Dieser Schutz greift zum Beispiel, wenn ein Blitz eine Überlandleitung trifft und dadurch die Anlage beschädigt wird.
- Diebstahl: Eher ein Problem bei großen, gewerblichen Solarparks.
- Schneedruck/Lawinen: Nasser, verdichteter Schnee wird sehr schwer und kann Schäden an Unterkonstruktion oder Modulen hervorrufen. Der Schutz gilt allerdings nicht für den Minderertrag wegen der Schneeauflage. Auch Frost- und Wasserschäden sollten versichert sein.
- Ertragsausfall: Meist genügt es, wenn die Versicherung für maximal drei Monate den Betrag garantiert, der durch die PV-Anlage im Schnitt der letzten zwölf Monate erwirtschaftet wurde.

Welche Vertragsvariante ist aber nun die günstigere? Das kann man so pauschal nicht sagen. Vorteil von Zusatzverträgen zur Wohngebäudeversicherung ist: Sind z.B. im Brandfall sowohl Anlage als auch Haus betroffen, dann hat man als Kunde mit nur einem Versicherer zu tun. Bei Fremdanbietern müssen unter Umständen Gutachter klären, welcher Schadenanteil auf die Gebäudeversicherung zurückfällt und welcher auf die Photovoltaikpolice.
Ganz wichtig ist noch für Besitzer von PV-Anlagen: Das Haftpflichtrisiko sollte versichert sein. Greift ein Brand auf das Nachbarhaus über oder reißt ein Sturm Module vom Dach, die ein vorm Haus geparktes Auto treffen, sind größere Schadenssummen schnell zusammen. Moderne Privathaftpflichtversicherungen decken solche Schäden meist schon ab.

→ Der Test von Stiftung Warentest kann auf der Homepage www.test.de für 3 € erworben und heruntergeladen werden.