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Energiespeicherung

Sonne ersetzt Diesel

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Haiti Krankenhaus speichert Solarstrom
Mit der Qinous-Batterie kann der auf dem Dach erzeugte Strom für viele Stunden das ganze Krankenhaus versorgen. © Werkbild
von , am
01.06.2017

Das Berliner Start-up-Unternehmen Qinous liefert Technologie nach
Haiti, mit der Krankenhäuser selbst erzeugten Solarstrom speichern und verteilen
können und sich damit unabhängiger von teurem Diesel machen.

Solarstrom-Speicherung in Haiti

Haiti gehört zu den ärmsten Ländern der Welt, 80 % der Einwohner leben unterhalb der Armutsgrenze. Seit dem Erdbeben von 2010 und dem Hurrikan 2013 sind immer noch weite Teile des Karibikstaates zerstört und ohne Strom. Dort, wo Strom aber überlebensnotwendig ist – zum Beispiel in Krankenhäusern – kommt er meist von Schweröl-Kraftwerken und Diesel-Generatoren. Die wiederum brauchen Erdölimporte und emittieren jede Menge Abgase. Kurzum: eine Lösung muss her. Die bot das junge Berliner Start-up Qinous mit seinem kompakten Batteriesystem im Container samt eigener Inselnetz-Steuersoftware.
Den Kontakt nach Haiti stellte Solarpionier Willi Ernst von der Biohaus Stiftung her. Er unterstützt Krankenhäuser auf Haiti zusammen mit der nph Stiftung und kennt den Schweizer Arzt Rolf Maibach. Er und seine Frau Raphaela haben das Albert-Schweitzer-Krankenhaus im zentralhaitianischen Deschappelles geleitet und  vor 20 Jahren die wichtigste Partnerorganisation des Spitals gegründet, die „Schweizer Partnerschaft HAS Haiti“
(www.hopitalalbertschweitzer.org). Das Krankenhaus hat 500 Mitarbeiter und 131 Betten und ist das einzige rund um die Uhr geöffnete Krankenhaus in der Region. Es versorgt mehr als 350.000 Menschen. Bis Anfang 2016 wurde der Strom von vier Dieselgeneratoren bereitgestellt, die jährlich Kosten von 350.000 $ verursachten. Inzwischen befindet sich eine 230-kWp-Anlage auf dem Krankenhausdach, ein 200 kW/228 kWh-Batteriespeicher von Qinous speichert den Strom und das Qinous-System sorgt für die Netzstabilität und das Überbrücken von Wolken-Überflug. Die Steuerung übernimmt das automatisierte Zu- und Abschalten der Dieselgeneratoren sowie die Verteilung der Solar-Leistung. Seitdem bleiben die Generatoren tagsüber meistens aus, voraussichtlich 100.000 € Dieselkosten werden gespart.


Auch das St. Damien-Krankenhaus liegt auf Haiti, in Port-au-Prince. Dort kümmert man sich um die Versorgung benachteiligter und kranker Kinder. Viele Patienten leiden an Infektionskrankheiten wie Tuberkulose, Malaria oder HIV. Ein Viertel haben Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Niereninfektionen. Auch dieses Krankenhaus hatte hohe Treibstoffkosten zu tragen. Gleichzeitig ist dort die Sonneneinstrahlung hoch und viel Dachfläche vorhanden. Also wurde eine 650-kWp-Aufdachanlage installiert und um eine Qinous-Stromspeicherlösung ergänzt. Das senkt die Stromkosten und sorgt für eine zuverlässige Versorgung.

 

Über Qinous

Das 2013 in Berlin gegründete Start-up Qinous hat sich die Aufgabe gestellt, Energiespeicherlösungen sowohl für den On-Grid- als auch den Off-Grid-Bereich zu entwickeln und herzustellen, die gleichzeitig ein intelligentes und sicheres Energiemanagement beinhalten – um damit Inselnetze zu betreiben oder schwache Netze zu stabilisieren. Die Gründer haben das standardisierte Containersystem Qinous ESS entwickelt, das in drei Größen ein Speichersystem und die notwendige Elektronik zum Betreiben eines Mikrogrids mit Leistungen von 30 kW bis zu mehreren Megawatt enthält. Der Gründer und heutige Leiter Geschäftsentwicklung Busso von Bismarck ist überzeugt, dass das eigenentwickelte Energiemanagmentsystem die Speicher zu einem „Rundum-Sorglos-Projekt“ macht, denn es überwacht alle Vorgänge im Speicher und kann ein komplettes Inselnetz steuern.
Er hält es für enorm wichtig, dass im Produktionsbereich durch die Standardisierung der Systeme Kosten gesenkt werden. Die Off-Grid-Angebote sind für netzferne Kommunen, Unternehmen oder Institutionen z.B. in Entwicklungsländern oder
auch für Hotels oder Ressorts gedacht. Die Anlagen ergänzen in der Regel Erzeugungsanlagen, die mit Diesel oder anderen Kraftstoffen betrieben werden, um die Speicherung von erneuerbarem Strom aus Solaranlagen. So kann Unabhängigkeit von
fossilen Kraftstoffen geschaffen werden, die Gesamtkosten für die Stromversorgung sinken.
Der kleinste Speicher ist der im November 2016 vorgestellte Q Compact. Der Speicher in einem eigens entwickelten Kompaktgehäuse stellt eine Leistung von bis zu 200 kVA zur Verfügung und hat eine Kapazität von bis zu 335 kWh. Die
Standfläche beträgt zwischen 3,0 und 4,5 m². Eine isolierte Außenhülle samt Klimaanlage schützt Batterie und Elektronik vor allen klimatischen Herausforderungen am jeweiligen Standort.
www.qinous.de

 

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