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10 Fakten zum Wolf in Deutschland

Karte Norddeutschland Verbreitung des Wolfs
am Montag, 26.10.2020 - 10:00 (Jetzt kommentieren)

Wie viele Wölfe genau in Deutschland leben, ist umstritten. Nachgewiesen sind derzeit 128 Rudel in 173 Territorien. Das sind die Fakten rund um Isegrim.

1. Wie viele Wölfe leben in Deutschland?

Eine genaue Anzahl der in Deutschland lebenden Wölfe ist schwer zu ermitteln. Der Deutsche Jagdverband schätzt den Bestand auf über 1.000 Individuen. Offizielle Zahlen dazu gibt es nicht. Die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) erfasst nur nachgewiesene Rudel und Territorien.

Für das Monitoringjahr 2019/20 sind hierzulande bisher 173 Wolfsterritorien bestätigt. Im vergangenen Berichtsjahr wurden 150 Territorien gezählt. Nachgewiesen sind derzeit 128 Wolfsrudel, 35 Paare und zehn Einzeltiere.

2. Welche Bundesländer haben Wolfsrudel?

Die Anzahl der Wolfsrudel verteilt sich auf 173 Territorien. Die genaue Anzahl der Wolfsrudel und Paare im Monitoringjahr 2019/20 können Sie der Übersicht entnehmen.Die DBBW gibt an, dass die Zahlen für 2019/20 noch vorläufig seien. (Stand: 30.10.2020)

Bundesland Anzahl der Wölfe
Bayern 2 Rudel und 2 Paare
Brandenburg 47 Rudel und 10 Paare
Mecklenburg-Vorpommern 8 Rudel und 4 Paare
Niedersachsen 23 Rudel und 13 Paare
Rheinland-Pfalz 1 Rudel
Sachsen 28 Rudel und 1 Paar
Sachsen-Anhalt 19 Rudel und 2 Paare
Thüringen 1 Paar

In Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Hessen wurden bisher nur Einzeltiere nachgewiesen.

3. Wie viele Wolfswelpen sind 2019/20 bestätigt?

Laut Wolfsmonitoring hatten 99 Rudel bisher Nachwuchs. 367 Wolfswelpen sind bestätigt (Stand: 30.10.2020)

Bundesland Anzahl der Wolfswelpen
Bayern 2 Rudel mit Nachwuchs; insgesamt 5 Welpen
Brandenburg 41 Wolfsrudel mit 153 Welpen
Mecklenburg-Vorpommern 7 Rudel mit Nachwuchs, insgesamt 33 Welpen
Niedersachsen 21 Rudel mit Nachwuchs, insgesamt 75 Welpen
Rheinland-Pfalz 1 Rudel mit 5 Welpen
Sachsen 26 Rudel mit Nachwuchs; insgesamt 96 Welpen
Sachsen-Anhalt

1 Rudel mit Nachwuchs; Anzahl unbekannt

4. Was frisst der Wolf?

Der Wolf hat ein breites Nahrungsspektrum: Es reicht von Aas über Kleinsäuger bis zu großen Huftieren. Eine wissenschaftliche Untersuchung des Senckenberg-Forschungsinstitut in Görlitz von 2.000 Kotproben zeigt, dass sich der Wolf in Deutschland zu 96 Prozent von Rehen, Rothirschen und Wildschweinen ernährt. Über 52 Prozent davon machen Rehe aus. Der Prozentsatz an Nutztieren lag bei der Studie unter einem Prozent. Auf dem Speiseplan von Isegrim stehen dabei vor allem Schafe und Ziegen, aber auch Jungrinder können hin und wieder zur Wolfsbeute werden.

5. Wie viel Platz gibt es für den Wolf?

Eine aktuelle Studie des Bund für Naturschutz (BfN/2020) geht davon aus, dass Deutschland potentiell eine höhere Anzahl geeigneter Lebensräume für Wölfe aufweist als bisher gedacht. Während in Modellrechnungen bisher von einem Habitatpotenzial mit maximal 440 Territorien ausgegangen wurde, soll es laut BfN-Studie deutschlandweit eine Spanne von 700 und 1400 potenzieller Wolfsterritorien geben. Ein mögliches Wolfsterritorium umfasst 200 Quadratkilometer. Die Wissenschaftler gehen von maximal einem Rudel pro berechnetem Territorium aus.  

6. Wie viele Nutztierrisse gehen auf das Konto des Wolfs?

Schafe und Ziegen werden deutlich häufiger von Wölfen getötet als größere Nutztiere. Bei den von Wölfen 2019 getöteten oder verletzten Nutztieren handelte es sich zu 88,4 % um Schafe oder Ziegen, 6,7 % um Gatterwild und zu 4,4 % um Rinder (meist Kälber). Bei Übergriffen auf Schaf- und Ziegenherden kommt es häufig zu Mehrfachtötungen. In Deutschland wurden 2019 pro Wolfsübergriff durchschnittlich 3,6 Tiere getötet. Im Jahr 2019 wurden über 2.800 Nutztiere durch den Wolf getötet oder verletzt.

7. Woran erkennt man einen Wolfsriss?

Einen Wolfsriss erkennen Sie anhand folgender Merkmale:

  • Tödliche Bissverletzungen an Hals oder Kehle mit Unterhautblutungen (Hämatomen)
  • Bauchraum meist geöffnet und innere Organe meist unversehrt
  • größere Menge an Fleisch innerhalb einer Nacht gefressen
  • meist relativ lange Schleifspur (>10 m) in Richtung Wald oder anderer Deckung

8. Was tun bei einem Wolfsverdacht?

Wolfsspuren im Sand

Bei einem Nutztierriss sollte sich der betroffene Tierhalter unverzüglich an das zuständige Landratsamt, die landwirtschaftliche Fachberatung oder an die Polizei wenden. Das zuständige Amt schickt in der Regel einen Nutztierrissgutachter, der die Untersuchung des Kadavers nach Hinweisen vornimmt. Um verwertbare Speichelproben zu sichern, muss dies innerhalb von 24 Stunden nach dem Riss erfolgen. Außerdem ist es wichtig beim Auffinden von toten Tieren keine Spuren oder sonstige Hinweise in der Umgebung zu verwischen. Decken Sie den Kadaver zum Schutz vor Aasfressern mit einer Plastikfolie oder Ähnlichem ab und halten Sie Ihren Hund fern.

9. Gibt es eine Entschädigung für Risse durch Wölfe?

Für ein Nutztier, das von einem Luchs oder Wolf gerissen wurde, kann eine Ausgleichszahlung beantragt werden. Voraussetzung dafür ist die amtliche Feststellung der Todesursache, die durch eine detaillierte Untersuchung des Tierkörpers und Dokumentation durch einen Nutztierrissgutachter oder Veterinär belegt sein muss. Wird ein Wolf oder Luchs als Verursacher festgestellt, wird in der Regel eine Entschädigung gezahlt.

Bei unklaren Fällen, bei denen der Wolf aber nicht ausgeschlossen werden kann, wird beispielsweise in Sachsen ebenfalls ein Schadensausgleich gezahlt. Voraussetzung ist allerdings, dass der Tierhalter Vorkehrungen zum Herdenschutz getroffen und die allgemeinen Grundsätze zur Hütesicherheit eingehalten hat. Die Entschädigungen in diesen Fällen handhaben die Bundesländer unterschiedlich.

10. Herdenschutz gegen Wolfsrisse

Zur Vorbeugung von Nutztierrissen kommen Zäune, Behirtung, Hüte- und Schutzhunden zum Einsatz. Elektrozäune mit einer Höhe von mindestens 90 Zentimeter Höhe, entweder als Weidezaunnetz oder Litzenzaun bieten eine guten Schutz gegen Wölfe. Alternativ können auch mindestens 120 cm hohe feste Koppeln aus Maschendraht oder Knotengeflecht, mit einem festen Bodenabschluss (Spanndraht) eingesetzt werden. Dabei ist ein Unterwühlschutz aus Knotengeflecht oder einer Drahtlitze zu empfehlen.

Mehr zum Herdenschutz lesen Sie hier.

Hätten Sie's gewusst? 14 Fakten zum Wolf

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