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Wirtschaft

150 Jahre Bayer: Tradition und Innovation

catrin hahn
am
16.07.2013

Landwirte denken natürlich beim Namen Bayer zuallererst an Pflanzenschutz. Nichtlandwirte denken sofort an Aspirin - viele Landwirte sicher auch. Das Unternehmen feiert in diesen Tagen seinen 150. Geburtstag.

Aus der ursprünglichen Farbenfabrik ist heute ein Weltkonzern geworden - mit 111.600 Mitarbeitern in 291 Gesellschaften, die einen Jahresumsatz von 39,8 Milliarden Euro erwirtschaften.
 
Nach der Umwandlung in eine Aktiengesellschaft 1881 entstand ein international tätiges Chemieunternehmen, dessen Hauptsitz seit 1912 in Leverkusen lag. Schwerpunkte waren und sind die Themen Gesundheit, Agrarwirtschaft und hochwertige Materialien.
 
Die Forschung in landwirtschaftlichen Produkten begann 1892 mit dem "Vertilgunsmittel für Pflanzenschädliche Insecten" namens Antinonnin. Heute findet die Agrarforschung in einem von drei Teilkonzernen statt: Bayer CropScience.

Geschäftsführer Schramm: Nachhaltige aber intensive Landwirtschaft wichtig

Bei einer Presseveranstaltung anlässlich des 150jährigen Jubiläums präsentierte sich Bayer CropScience vergangene Woche mit Fragen, die sowohl Landwirte wie auch die Industrie derzeit beschäftigen: "Nachhaltigkeit in der Praxis".
 
Helmut Schramm, Geschäftsführer der Bayer CropScience Deutschland GmbH, betonte, dass nur eine nachhaltige, aber intensive Landwirtschaft den immer weiter steigenden Bedarf an Agrarrohstoffe zu decken in der Lage sei. Deutschland als Gunststandort habe sehr gute Voraussetzungen und damit geradezu die Verpflichtung, hohe Erträge zu produzieren. "Es darf nicht sein, dass wir uns hierzulande mit einer extensiven Landwirtschaft 'schmücken' und gleichzeitig mehr agrarische Erzeugnisse aus Drittländern importieren, um den inländischen Bedarf zu decken", erklärte Schramm.

Augenmerk auf Nachhaltigkeit

Die Bayer-Mitarbeiter Hans-Joachim Duch und Steffi Rentsch stellten konkrete Maßnahmen zu Gewässerschutz und Biodiversität vor. Drei Schwerpunkte stehen im Mittelpunkt:
  • Empfehlungen zum Befüllen und Reinigen der Spritzgeräte sowie zum sicheren Umgang mit Restmengen vermeiden Punkteinträge von Pflanzenschutzmitteln in Oberflächengewässer.
  • Maßnahmen zur Verbesserung der Applikationstechnik durch optimierte Lösungen zur Abdriftreduzierung.
  • Maßnahmen, die die oberflächige Abschwemmung von Substanzen (run off) reduzieren helfen.
Auch die Förderung der Biodiversität sei ein wichtiges Thema für Bayer CropScience. Steffi Rentsch stellte fünf Bayer-Projekte zur Förderung der Biodiversität in Deutschland vor:
  • Auf dem Damianshof in Rommerskirchen, NRW, demonstriert das Unternehmen mit weiteren Partnern nachhaltige Bewirtschaftungsmethoden zur Förderung der Biodiversität.
  • In Zusammenarbeit mit der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft wird ein Ackerwildkrautprojekt mit dem Ziel der ökologischen Aufwertung von Grenzertragsstandorten durchgeführt.
  • Mit dem Institut für Landschaftsökologie und Naturschutz in Bühl und dem Institut für Agrarökologie und Biodiversität in Mannheim wird in einer intensiven Maisregion am Oberrheingraben untersucht, wie produktive Flächennutzung und Biodiversität zusammengehen.
  • Zusammen mit der Erzeugerorganisation Dresdener Obst e.G. und der VEOS Vertriebsgesellschaft für Obst mbH unterstützt man ein Projekt zur Biodiversität in Obstanlagen in Sachsen.
  • Die wissenschaftliche Potenzialstudie "Eh da-Flächen in Agrarlandschaften" vom Institut für Agrarökologie - RLP AgroScience und RIFCON GmbH untersucht Flächen, die innerhalb der offenen Landschaft vorhanden sind, aber bislang nicht landwirtschaftlich oder ökologisch genutzt werden - sie sind also "eh da".

Kooperationsbetrieb Olligs

Auf dem Gelände des Damianshofes, auf dem die Presseveranstaltung stattfand, gab es Gelegenheit, sich einige der beschriebenen Projekte anzuschauen. Bernd Olligs, der den gut 100 Hektar großen Betrieb in der sechsten Generation leitet, arbeitet seit vielen Jahren mit Bayer zusammen. Hier wird demonstriert, wie man auf Standorten mit über 90 Bodenpunkten Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität umsetzen kann.
 
Zum Beispiel stehen auf circa einem Prozent der Betriebsfläche ein- und mehrjährige Blühstreifen. Für entscheidend hält Ollig nicht, einzelne Maßnahmen umzusetzen, sondern: "die intelligente Vernetzung aller Maßnahmen in der Fläche. Und das Ganze intensiv betreut, ebenso wie der Ackerbau." Dazu gehört eine gute Zusammenarbeit mit Naturschutzbehörden und auch eine offensive Öffentlichkeitsarbeit. Das bereits erwähnte Phytobac-System zur Vermeidung von Punkteinträgen kann auf dem Damianshof besichtigt werden.
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