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Ernährungskrise

40 Prozent weniger Ertrag: Sri Lankas Bauern stehen am Abgrund

am Freitag, 30.09.2022 - 11:30 (3 Kommentare)

Erst Wirtschaftskrise, jetzt Ernährungskrise: Aus Geldmangel hat der Inselstaat Sri Lanka auf Bio gesetzt und den Einsatz von Düngemitteln gestrichen. Nun fehlt es am Nötigsten, die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln ist bedroht.

Ob es an der Umstellung an Bio liegt oder ob die Umstellung der gesamten Landwirtschaft auf Ökolandbau der letzte Tropfen war, der das Fass zum Überlaufen brachte - darüber streiten weltweit Experten. Fest steht: Sri Lanka, der idyllische Inselstaat südlich von Indien, steuert auf eine Hungersnot zu. Sri Lanka erlebt die schlimmste Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten, berichtet die Deutsche Presse Agentur (dpa).

Erntemenge bricht ein

Sri Lankas Bauern kämpfen darum, das Land zu ernähren. So wie Shadagopalan Chandrasekaran. Sein Acker ist seit jeher die Lebensgrundlage des Bauern aus Sri Lanka. Als der Staat im vergangenen Jahr aus Mangel an Devisen die Einfuhr von chemischen Düngemitteln verbot, erlitt der 60-Jährige - so wie unzählige andere Bauern des Landes - verheerende Ernteausfälle: „Unser Reisertrag ist um mehr als 40 Prozent gesunken“, berichtet der Landwirt.

Zwar wurde inzwischen das Kunstdüngerverbot aufgehoben. Doch die Lage der Bauern und damit die Versorgung der Bevölkerung des Inselstaats mit Lebensmitteln ist gefährdet, Experten schlagen Alarm.

Bio-Bauern wider Willen

Die finanziellen Probleme für das stark importabhängige Land begannen schon vor der Corona-Pandemie - eine schlechte Steuerpolitik und eine gierige Elite gehörten zu den Auslösern. Dann traf die Pandemie die Tourismusbranche und damit eine wichtige Devisenquelle. Um Geld zu sparen, verbot die Regierung die Einfuhr von Kunstdünger. Bauern sollten Bio-Dünger verwenden. Publikumswirksam wurde dies verkauft als Gründung der ersten Bio-Republik der Welt. Da die statlich verordnete Bio-Umstellung aber weder geplant noch durchdacht war, brachen die Erntemengen ein. Sri Lanka, das sich mit Reis bis dahin weitgehend selbst versorgen konnte, war gezwungen, das wichtigste Grundnahrungsmittel zu importieren - was den Devisenmangel nur noch verschärfte. Die Regierung hob das Importverbot im November zwar auf. Doch der angerichtete Schaden gefährdet die Lebensmittelproduktion.

Energiekrise trifft Bauern umso härter

In diesem Monat beginnt die neue Aussaat, doch für manche Bauern ist es zu spät. „Uns wurde versichert, dass wir ausreichend Dünger erhalten, aber einige Bauern haben sich aus der Landwirtschaft inzwischen zurückgezogen, da die Produktionskosten steigen», beschreibt Reisbauer Chandrasekaran die Lage gegenüber der dpa. Nicht nur Reisbauern, sondern auch die Gemüsebauern seien betroffen.

Hinzu kommt der Treibstoffmangel. Viele Bauern hätten die wegen der Düngerkrise ohnehin schon beeinträchtigte Ernte nicht einfahren können, weil ihnen Treibstoff für die Erntemaschinen fehlte, erklärt T. B. Sarath vom Bauernverband. „Wir erwarten von der Regierung, dass sie Dünger und Kraftstoff zum Pflügen der Felder und zur Vorbereitung auf die nächste Saison bereitstellt“, die in diesen Wochen beginne. Ob die Regierung, nach der Flucht des selbsternannten Bio-Republikpräsidenten Gotabaya Rajapaksa inzwischen neu aufgestellt, die Krise lösen kann, ist unsicher. Egal, ob mit Bio oder ohne.

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