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Dorf und Familie

AbL-Herbsttagung: Bauern als Konzernknechte?

pd
am
20.10.2011

Göttingen - "Werden Bauern zu Knechten der Konzerne?" Diese Frage stand im Zentrum der niedersächsischen Herbsttagung der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL).

Der Preis für Schlachtkühe ist vergangene Woche um bis zu 5 Cent gefallen. © Petra Kress/pixelio
Dass vor allem die Politik die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Landwirte verbessern und somit die Massentierhaltung eingrenzen soll - dafür plädieren laut einer aktuellen Untersuchung der Universität Göttingen mehr als 80 Prozent der Bundesbürger. "Teilweise" befürworten dies weitere 14 Prozent, und lediglich vier Prozent lehnen diese Forderung ab.
 
Bei der niedersächsischen Herbsttagung der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) konstatierte Professor Achim Spiller eine dramatische Auseinanderentwicklung zwischen der Entwicklung in den Großbetrieben der Geflügel- und Schweinehaltung und deren Akzeptanz in der Bevölkerung. Trotz eines großen Verständnisses für die wirtschaftlichen Zwänge der Landwirte akzeptiere die große Mehrheit der Verbraucher keine Rechtfertigung der Massentierhaltung durch ökonomische Begründungen.
 
Der Begriff "Massentierhaltung" sei laut Studie extrem negativ assoziiert, vor allem wegen des Platzmangels und des fehlenden Auslaufs der Tiere und der geringen Beachtung des Einzeltiers. Für die Befragten beginne "Massentierhaltung" bei Tierzahlen bei Geflügel von 5.000, bei Schweinen von 1.000 und bei Rindern bei 500 - wobei diese Vorstellungen der Bürger durch die tatsächlichen Durchschnittszahlen bei Niedersachsens Masthühnern (35.100) längst weit übetroffen würden. Gleichtzeitig, so die vorherrschende Meinung der Teilnehmer der Herbsttagung, liegen diese Einschätzungen der Bürger recht nah und realistisch an den Tierzahl-Grenzen, bis zu denen überhaupt noch eine artgerechte Haltung praktikabel sei.
 
AbL dicht an Vorstellungen der Bevölkerung
 
Professor Spiller bemängelte in diesem Zusammenhang das Fehlen wissenschaftlicher Untersuchungen zum Zusammenhang zwischen Betriebsgröße und Tierwohl. Der AbL bestätigte er, dass sie mit ihrer Strategie dicht an den Vorstellungen der Bevölkerung sei. Die veränderten Haltungsbedingungen im Rahmen des neuen freiwilligen Tierschutz-Siegels könnten bei politischen Neuregelungen der Tierhaltung ( wie dem Niedersächsischen Tierschutzplan) wichtige Innovations-Anstöße geben. Die große Mehrheit der Verbraucher, so die Ergebnisse der Studie, sei am Thema "Tierschutz in der Landwirtschaft" stark interessiert, akzeptiere grundsätzlich eine Reduzierung des Fleischkonsums zugunsten von höherpreisigem Fleisch aus artgerechter Tierhaltung und sehe vor allem in politischen Vorgaben eine Möglichkeit zur Durchetzung dieser Ziele.
 
Schaber fordert 'Paradigmenwechsel'
 
Angesichts des weltweiten Vordringens der Agrar-, Ernährungs- und Finanzkonzerne auch in der Landwirtschaft und einer drohenden Abhängigkeit der Schweine- und Milchviehhalter nach dem negativen Vorbild der Geflügelhalter forderte Romuald Schaber als Vorsitzender des Bundesverbands der Milchviehhalter einen "Paradigmenwechsel" in der Agrarentwicklung. Man müsse weg von der schädlichen Weltmarktorientierung und hin zu kostendeckenden Preisen der vorhandenen Betriebe.
 
Flächenprämie: AbL fordert deutliche Positionierung
 
Über die jüngsten Pläne der EU-Kommission zur Reform der EU-Agrarpolitik referierte Dr. Jürgen Wilhelm von niedersächsischen Agrarministerium. Die Teilnehmer der Herbsttagung forderten eine deutliche Positionierung der Landesregierung für konsequente Auflagen bei der Verteilung der Flächenprämien an bäuerliche Betriebe – mit 20 Prozent Eiweißfrüchten in einer vielfältigeren Fruchtfolge, mit einer Bindung der Prämien an die im Betrieb tätigen Arbeitskräfte und einer Kappung der Zahlungen an durchrationalisierte Großbetriebe oberhalb von 150.000 Euro. Um einer Wettbewerbsverzerrung gegenüber anderen EU-Ländern vorzubeugen, sollten die im Niedersächsischen Tierschutzplan enthaltenen Maßnahmen auch EU-weit als Voraussetzung für die Prämienzahlung verankert werden.
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