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Interview

AbL wirft Bioland 'Verrat' vor: Das sagt der Bioland-Präsident dazu

Porträt Jan Plagge
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Anke Fritz, agrarheute
am
09.05.2017

Bioland hat die Agrofarm mit rund 4.000 Hektar als Mitglied aufgenommen. Das kritisierte die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft. agrarheute hat Bioland-Präsident Jan Plagge zu den Hintergründen befragt.

In der taz erschien gestern ein Artikel der Vorwürfe der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) gegenüber dem Ökoverband Bioland zum Thema hat. Die AbL wirft dem größten deutschen Ökobauernverband vor, sich für die Agrarindustrie zu öffnen, heißt es in dem Artikel.

Grund für die Anschuldigungen ist die Aufnahme der Agrofarm Eichigt in Sachsen mit ungefähr 4.000 Hektar und 1.400 Kühen in den Verband. Die Agrofarm ist damit der größte Mitgliedsbetrieb im Bioland-Verband. agrarheute hat den Bioland-Präsidenten Jan Plagge zu den Vorwürfen befragt.

Widerspricht die Aufnahme der Agrofarm der Philosophie von Bioland?

"Nein. Der Aufnahme des Betriebes liegen demokratische Entscheidungen des Verbandes zugrunde, die sich an unserem Leitbild der 7 Bioland Prinzipien orientiert. Es haben nicht nur der Bioland-Landesverband Ost, sondern auch Fachausschüsse, das Präsidium und das höchste bundesweite Gremium, die Bundesdelegiertenversammlung die Aufnahme unterstützt."

Was sagen Sie zum Vorwurf der AbL Bioland würde seine Prinzipien verraten?

"Die Aufnahme des Betriebs in unseren Verband ändert nichts an unserem Prinzip die bäuerliche Landwirtschaft zu erhalten. Hier besteht kein Widerspruch. Ebenso wie sich kleinere Betriebe zusammenschließen, um gemeinsame Strukturen nutzen zu können, bieten auch größere Betriebe Chancen und Vorteile für umliegende kleinere Betriebe.

Zum Beispiel kann ein Großbetrieb kleinere Futtermengen von regionalen Betrieben aufnehmen, die sich sonst schwer vermarkten lassen würden. Unsere Erfahrung zeigt in vielen Regionen, dass sich kleine und große Bioland Betriebe sehr gut ergänzen können."

War die Diskussion über die Aufnahme der Agrofarm kontrovers?

"Da die Aufnahme des Betriebes im Bioland-Landesverband Ost und zahlreichen weiteren Gremien fundiert bearbeitet und innerverbandlich breit diskutiert wurde (einschließlich Vor-Ort-Terminen), gab es auch in der Bundesdelegiertenversammlung eine hohe Unterstützung, diesen Betrieb aufzunehmen."

Welche Vor- und Nachteile haben große Biobetriebe aus ihrer Sicht?

"Die Umstellung jeden Betriebes in Deutschland, egal ob klein oder groß, hat den Vorteil, dass wir dem Verbraucherwunsch nach mehr heimischen Bio-Produkten besser nachkommen können. Neben den bereits genannten Kooperationen zwischen Bioland-Betrieben ist zudem eine gemeinsame Nutzung von Lagern und Infrastruktur möglich, die oft erst ab einer bestimmten Betriebsgröße wirtschaftlich rentabel sind.

Gleiches gilt für die Verarbeitung und die maschinelle Verpackung von Produkten auf Betrieben, beides ist oft erst ab einer gewissen Betriebsgröße möglich. Somit stellen oftmals gerade größere Bioland-Betriebe in ihrer Region einen Kristallisationspunkt für die Umstellung weiterer Betriebe auf ökologischen Landbau dar."

Geht der Trend auch in der Biobranche ihrer Meinung nach hin zu größeren Betrieben?

"Nein - im Vergleich zur konventionellen Landwirtschaft gibt es hier keinen Trend. Gerade der Biolandbau bietet Betrieben mit geringer Flächenausstattung mehr Möglichkeiten, den Betrieb wirtschaftlich fortzuführen. Neben der Weiterverarbeitung und Direktvermarktung bieten auch bestimmte Spezialisierungen im Anbau oder die Anschaffung von Mobilställen auch Kleinbetrieben Perspektiven."

Kommt es für Bioland in Frage die Richtlinien hinsichtlich Schlaggröße und Beitragshöhe zu ändern?

"Unsere Richtlinien entwickeln wir permanent weiter. Eine Begrenzung der Schlaggröße ist dafür ein diskussionswürdiger Vorschlag. Das Einbringen neuer Vorgaben und die Verabschiedung der Richtlinien liegen wie die Beitragsordnung auch in der Hand unserer Mitglieder."

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