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Wirtschaft

Die Agrarbranche fasst wieder Tritt

Externer Autor
am
28.04.2010

Berlin - Die deutsche Landwirtschaft muss turbulente Zeiten durchstehen. Die globale Finanz- und Wirtschaftskrise hat auch die Agrarmärkte erfasst. Doch die bäuerlichen Unternehmen setzen auf die Zukunft trotz aller aktuellen Schwierigkeiten.

"Im Frühjahr 2010 hat es fast den Anschein, dass auch die deutsche Land-, Agrar- und Ernährungswirtschaft das Gröbste hinter sich hat". Dies erklärte der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Gerd Sonnleitner, auf der gestrigen Agrarfinanztagung 2010 in Berlin. Mit Vertretern der verschiedenen Agrarmärkte und der Banken diskutieren fast 200 Teilnehmer die Finanz- und Investitionsplanungen der deutschen Land- und Agrarwirtschaft sowie die globalen Trends auf den Sektoren der Lebensmittelherstellung und der erneuerbaren Energien.

Die internationale Finanz- und Wirtschaftskrise habe auch in der Landwirtschaft und auf den Agrarmärkten eine "Achterbahn" ausgelöst, betonte Sonnleitner. Die himmelhoch steigenden Preise in 2007/08 hätten eine Euphorie erzeugt, die abgelöst wurde von "höllentief abgestürzten" Preisen in 2008/09, die eine Depression und auf den Märkten sogar eine Deflation erzeugten. "Jetzt sind wir gerade dabei, wieder die schwarze Null zu erreichen", erklärte Sonnleitner.

Positiver Blick in die Zukunft 

Das im vergangenen Jahr von den Banken schnell erstellte Liquiditätshilfeprogramm, das stärker nachgefragt worden ist als das Angebot ausreichte, zeigte, dass die bäuerlichen Unternehmen trotz aller aktuellen Schwierigkeiten auf die Zukunft setzen würden. Denn die langfristigen Trends der Nachfrage nach Nahrungsmitteln und Rohstoffen würden nach oben zeigen. Zwar würden die aktuellen landwirtschaftlichen Erzeugerpreise im Milch- und Schlachtviehbereich keinen Anlass zur Euphorie geben, sie spiegelten jedoch vom Niveau und der Entwicklung her derzeit eine Situation wider, die besser als vor einem halben Jahr sei, stellte Sonnleitner fest.

Getreide: Hoffnung auf Normalisierung

Etwas anders sähe die Lage bei Getreide aus. Die Preise seien immer noch sehr niedrig, doch die Erwartungen für die kommenden Monate seien eher durch Zuversicht geprägt. Die Bauern hätten sich in der Nahrungsmittelerzeugung mittlerweile voll den Bedingungen des Marktes gestellt und kämen nahezu ohne staatliche Sicherheitsnetze aus. Das sei bei der Erzeugung von den meisten erneuerbaren Energien jedoch ein wenig anders.

Investitionen in Biogas und Fotovoltaik

Der Boom bei Windenergie, Biogas und Fotovoltaik sei in hohem Maße auf die staatlichen Preis- und Sicherheitsgarantien zurückzuführen. Jeder Unternehmer sei gefordert, daraus die richtigen Schlussfolgerungen für seinen Betrieb zu ziehen. Die Banken seien gefragte Partner der Landwirte, wenn die derzeit stattfindenden hohen Investitionen in Biogas und Fotovoltaik mit sehr viel Fremdkapital finanziert werden. So weise auch das jüngste Konjunkturbarometer Agrar auf, dass die stärksten Investitionen der Landwirte derzeit in dem Bereich der erneuerbaren Energie getätigt würden. (dbv)

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