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Wirtschaft

Agrarchemiebranche äußert Zukunftssorgen

hahn
am
13.05.2013

Laut Industrieverband IVA waren die Umsatzzahlen bei Dünge- und Pflanzenschutzmitteln 2012 gut. Das Verbot von Neonikotinoiden werde die Agrarchemie-Branche jedoch hart treffen.

Die Unternehmen der Pflanzenschutzindustrie verzeichneten für 2012 in Deutschland einen 8,5 Prozent höheren Umsatz gegenüber dem Vorjahr, berichtete IVA-Präsident Dr. Theo Jachmann auf der Jahrespressekonferenz des Industrieverbands (IVA). Dabei stieg der Umsatz mit Herbiziden im Vergleich zum Vorjahr um 13,5 Prozent, was vor allem am überproportional gewachsenen Markt für Rübenherbizide lag.
 
 
Auch der Marktwert der Maisherbizide ist gestiegen aufgrund der Inbetriebnahme weiterer Biogasanlagen und zusätzlichen Anbauflächen nach Umbruch von ausgewinterten Getreideflächen. Auch beim Raps gab es eine Flächenausdehnung um etwa 100.000 Hektar, was den Umsatz der Rapsherbizide erhöhte. Der Fungizid-Umsatz wurde von den Witterungsbedingungen des Vorjahrs geprägt. Insgesamt stieg er um 4,2 Prozent. Der Insektizid-Markt stieg sogar um 9,2 Prozent, was vor allem auf die intensive Behandlung im Raps, insbesondere gegen Knospen- und Blütenschädlinge im frühen Stadium, zurückzuführen ist.

Der Düngemittelmarkt wächst leicht

Die Umsätze der Düngemittel-Hersteller sind 2012 um 4,6 Prozent auf 3,4 Milliarden Euro gestiegen. Das Umsatzwachstum im Inland betrug allerdings nur 1,4 Prozent. War der Absatz der wichtigsten Nährstoffe in der Düngesaison 2011/12 in Deutschland insgesamt rückläufig, so erwartet Hermann Kuhlmann, Vorsitzender des IVA-Fachbereichs Pflanzenernährung, für die aktuelle Saison einen leichten Verbrauchszuwachs. Der weltweite Verbrauch an Mineraldünger hat 2011/12 dagegen erwartungsgemäß zugenommen. Indien und China verbrauchen zusammen etwa die Hälfte des weltweit eingesetzten Mineraldüngers und stellen mit Lateinamerika die wichtigsten Wachstumsmärkte dar.

EU-Moratorium wird Folgen haben

Allerdings sieht IVA-Präsident Jachmann wenig Grund für Optimismus. "Pflanzenschutzmittel zählen zu den am strengsten regulierten Substanzen überhaupt. Das hält die Politik auf europäischer und nationaler Ebene aber nicht davon ab, mit einer überzogenen Auslegung des Vorsorge-Prinzips Wirkstoffe ohne triftigen Grund aus dem Verkehr zu ziehen und den Landwirten das Leben schwer zu machen".
 
Vor allem die Ankündigung der Europäischen Kommission, ab Dezember 2013 drei Insektizide vom Markt zu nehmen, sei ein herber Schlag für die Branche. Die drei Neonikotinoide, die sich gegenüber Vorgängerprodukten durch eine deutlich niedrigere Toxizität für Wirbeltiere auszeichnen, sind in Deutschland im Rapsanbau kurzfristig nicht zu ersetzen. Nach einer im Januar veröffentlichten Studie wird sich die Wirtschaftlichkeit des Rapsanbaus in so dramatisch verschlechtern, dass Landwirte auf den Flächen auf andere Kulturpflanzen, wie etwa Mais, ausweichen.

'Glyphosat ist unverzichtbar'

Jachmann forderte, dass die Grundlage für die Zulassung von Wirkstoffen und Pflanzenschutzmitteln in Europa seriöse Wissenschaft bleiben muss. Das gelte ebenso für den Herbizid-Wirkstoff Glyphosat, der in Europa zur Wiederzulassung ansteht: "hier gibt es eine regelrechte Inflation pseudo-wissenschaftlicher Halbwahrheiten". Glyphosat, der weltweit am meisten verwendete Wirkstoff zur Unkrautbekämpfung, ist durch seine breite Wirkung ein unverzichtbarer Bestandteil der nachhaltigen, pfluglosen Bodenbearbeitung.

Es droht keine Phosphat-Verknappung

In letzter Zeit häuften sich Berichte, wonach die weltweiten Phosphatvorräte in wenigen Jahrzehnten erschöpft seien. Dem trat Kuhlmann mit Nachdruck entgegen. "Neue, wirtschaftlich gewinnbare Vorkommen enormen Ausmaßes wurden unlängst vor allem in Marokko und der West-Sahara entdeckt. Damit hat sich die Reichweite von zuletzt 115 auf 385 Jahre erhöht. Eine akute Verknappung droht nicht." Dennoch sei natürlich Phosphor-Recycling durch die effiziente Nutzung landwirtschaftlicher Reststoffe und kommunaler Abfälle sehr sinnvoll.
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