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Politik EU

agrarheute.com zu Gast bei der EU-Kommission

von , am
25.09.2012

Berlin - Gemeinsam mit 29 Agrarjournalisten hinterfragte agrarheute.com bei der Europäischen Kommission in Brüssel den Stand und die Umsetzung der Gemeinsamen Agrarreform.

Die EU-Kommission lehnt die Lagerhaltung von Schweinefleisch ab. © Fritz
Das Europäische Netzwerk für Agrarjournalisten (European network of Agricultural Journalists ENAJ), hat Mitte September dreißig junge Agrarjournalisten aus 15 verschiedenen Ländern nach Brüssel eingeladen. agrarheute.com war dabei und konnte sich vor Ort über die Arbeit der Europäischen Kommission informieren - und vor allem über die Gemeinsame Agrarreform. Dabei stand das Greening der Direktzahlungen im Fokus der Journalisten.

27 Länder unter einen Hut bringen

Gleich am ersten Tag begegneten wir Roger Waite. Er ist der Sprecher für EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos. Gutgelaunt, offen und sehr eloquent beantwortete er unsere Fragen. Und wenn Agrarjournalisten aus 15 Ländern über die gemeinsame Agrarreform sprechen, wird schnell klar, wie groß die Herausforderung ist. Und es wird auch klar, dass es unmöglich ist, alle 27 Mitgliedstaaten der Europäischen Union mit ihren Strukturen und klimatischen Bedingungen unter einen Hut zu bringen.
 
Im Mittelpunkt der Diskussion stand das Greening der Direktzahlungen. Künftig sollen die Landwirte zu einer Basisprämie eine zusätzliche Umweltprämie erhalten. Dazu müssen bestimmte ökologische Leistungen erfüllt werden. Am umstrittensten ist wohl nach wie vor, dass sieben Prozent der Betriebsfläche für Naturschutzmaßnahmen verwendet werden müssen.

Roger Waite: Das Allgemeinwohl steht an erster Stelle

Roger Waite, Sprecher des EU-Agrarkommissars Dacian Ciolos ist überzeugter Europäer und informierte über die Gemeinsame Agrareform. © Fritz
Für Roger Waite und die EU-Kommission steht das Gemeinwohl an erster Stelle. Es gehe nicht darum, Landwirte, die sich bereits heute für die Umwelt einsetzen zusätzlich zu bestrafen. Vielmehr müsse jeder etwas dazu beitragen, damit auch noch in fünfzig Jahren Landwirtschaft auf fruchtbaren Böden stattfinden kann. Er zeigte sich überzeugt von Europa, einer gemeinsamen Agrarpolitik, der Reform, und der Umsetzung des Greenings.
 
Die kritische Frage nach dem zusätzlichen Bürokratieaufwand schob Waite weg von sich und von der Kommission. Das sei Sache der Mitgliedsstaaten. Während Landwirte in manchen Länder nur einen Zettel ausfüllen müssten, um an ihre Gelder zu kommen - seien es in anderen Ländern fast zehn, betonte Waite.
 

Pekka Pesonen: Die Produktion wird um sieben Prozent sinken

Copa-Cogeca Generalsekretär Pekka Pesonen setzt sich in Brüssel für die Europäischen Landwirte ein. © Fritz
Ganz und gar nicht überzeugt von den verlangten zusätzlichen Naturschutzmaßnahmen auf sieben Prozent der Fläche zeigte sich Copa-Cogeca Generalsekretär Pekka Pesonen - ein sehr beeindruckender Interessenvertreter der europäischen Landwirte. Ein Lobbyist durch und durch. Lobby ist übrigens in Brüssel sehr positiv behaftet und auch von mir so gemeint. Pesonen bezweifelt, dass mit dem obligatorischen Greening eine gesicherte Versorgung mit Lebensmitteln vor dem Hintergrund der steigenden weltweiten Nachfrage, schwindender Boden- und Wasserressourcen und des Klimawandels gewährleistet werden kann. Er stelle sich nicht gegen das Greening, aber er gehe davon aus, dass sich mit der Herausnahme der Fläche auch die Produktion in der Euopäischen Union um sieben Prozent reduziert.
 
Der Vorschlag des europäischen Landwirte- und Genossenschaftsverbändes Copa-Cogeca geht weg von einem obligatorischen Greening hinzu einer alternativen Form. Bei unserem Treffen forderte Pesonen ein Auswahl an Instrumenten aus denen die Landwirte wählen können - Angepasst an die jeweilige Ausgangssituation, die klimatischen und regionalen Bedingungen. 

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