Login
Wirtschaft

Agrarrohstoffe: Vom richtigen Umgang mit Terminmärkten

aiz/pd
am
16.06.2011

Brüssel - Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy hat erneut weltweit strengere Regeln für Warenterminmärkte gefordert. Auch Copa-Cogeca warnen vor der Preisvolatilität auf Agrarmärkten.

Im Rahmen einer Rohstoffkonferenz der EU-Kommission am Dienstag schlug der amtierende G-20-Vorsitzende eine Mindestbareinlage für Termingeschäfte mit Rohstoffen und Transaktionssteuern vor. Dadurch soll das Handelsvolumen an den Börsen beschränkt werden.
 
Zudem sollten die Namen der Beteiligten veröffentlicht und die Mengen der Engagements begrenzt werden. Die Welt dürfe nicht noch einmal den Fehler von 2008 machen, als regellose Finanzmärke die Wirtschaft an den Abgrund brachten, mahnte Sarkozy.
 
Das zunehmende Engagement von Anlagefonds auf den Rohstoffmärkten habe zu einer Manipulation der Kurse geführt, weshalb die Aktivitäten von Spekulanten eingedämmt werden sollten. Der Handel mit Weizen an der Chicagoer Börse übertreffe inzwischen 46-mal das Volumen des physischen Marktes, was nach Ansicht des Präsidenten skandalös ist.
 
EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso betonte bei der Konferenz, dass nur ein abgestimmtes internationales Vorgehen eine "echte Lösung " ermögliche.

Copa-Cogeca warnen vor Preisvolatilität

Copa-Cogeca warnte nach einem Treffen mit EU-Kommissar Michel Barnier und hochrangigen Landwirtschaftsvertretern vor der "exzessiven, durch Finanzspekulation verschärften Preisvolatilität" auf den Agrarmärkten. In einem neuen Positionspapier forderte Copa-Cogeca eine
  • verbesserte Beobachtung der landwirtschaftlichen Produktion,
  • eine stärkere GAP,
  • vermehrte Handelstransparenz sowie
  • Regeln zur Bekämpfung extremer Spekulation.

Copa: Instrumente zur Marktverwaltung beibehalten

Copa-Präsident Gerd Sonnleitner begrüßte die Forderung des Kommissars für den Binnenmarkt, Michel Barnier, nach verstärkter Transparenz im Handel. Er wolle "dass deutlich wird, wer was tut" und forderte bessere Regeln zur Bekämpfung exzessiver Preisspekulationen.
 
Einer der Hauptgründe für Volatilität sei ein Mangel an Produktion. Dies werde durch exzessive Finanzspekulation verschärft. Sonnleitner betonte, dass eine starke Gemeinsame Agrarpolitik (GAP), welche die Direktzahlungen an Landwirte aufrechterhält, notwendig sei, um künftig ein besseres Funktionieren der Märkte zu gewährleisten.
 
"Ebenso müssen Instrumente zur Marktverwaltung wie das öffentliche Interventionssystem der EU für landwirtschaftliche Erzeugnisse in der zukünftigen GAP beibehalten und verbessert werden, da sie ein effizientes Mittel für den Umgang mit Marktvolatilität darstellen. Zusätzlich hierzu bieten Terminmärkte ein Instrument, was den Landwirten den Umgang mit Volatilität ermöglicht und sie gegen Risiken absichert. Jedwede Schwächung dieser Instrumente würde zu noch größerer Volatilität der Warenpreise führen, was auf Kosten sowohl der Erzeuger wie auch der Verbraucher gehen würden", so Sonnleitner weiter.

Cogeca: Exzessive Preisspekulationen bekämpfen

Cogeca-Präsident Paolo Bruni betonte den Bedarf einer effizienteren Regelung zur Bekämpfung exzessiver Preisspekulation. Außerdem solle ein EU-System für eine bessere Beobachtung der landwirtschaftlichen Erzeugung eingerichtet werden, um Wirtschaftskrisen auf Agrarmärkten vorausgreifen zu können.
 
"Die Lebensmittelkette muss außerdem besser funktionieren, mit einer verbesserten Preisweitergabe entlang der Lebensmittelkette und einer Ausbildung für Landwirte, dank derer sie diese komplexen Instrumente besser verstehen. Desweiteren muss das Wettbewerbsrecht geändert werden, damit Erzeugerorganisationen wie landwirtschaftliche Genossenschaften in die Lage versetzt werden, an Größe und Einfluss zu gewinnen, und damit ein wettbewerbsfähigerer Agro-Food-Sektor mit stabiler Lebensmittelversorgung für über 500 Millionen Verbraucher sichergestellt werden kann."

Frankreich gibt Regulierung der Rohstoffmärkte Priorität

Wie aus einem Bericht von Dow Jones News hervorgeht, hat Frankreich die Regulierung der Rohstoffmärkte zu einer Priorität seiner G-20-Präsidentschaft in diesem Jahr erklärt. Das Thema steht auch auf der Tagesordnung, wenn sich die Agrarminister der G-20 am 22. und 23. Juni in Paris treffen.
 
Auch Copa-Cogeca wollen dieses Thema auf internationaler Ebene behandeln, um zu verhindern, dass Länder Handelseinschränkungen wie Exportverbote verhängen, welche die Marktvolatilität nur verstärken und die Krise verschärfen.
 
Auch interessant