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Politik international

Agrartrilog: Überdüngung wird Fokusthema

von , am
22.01.2014

Berlin - Überdüngung, Hormon- und Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung, Tierschutz - diese Themen haben sich die Niederlande, Niedersachsen und NRW für ihren Trilog gesetzt. Ein erstes Treffen gab es bereits.

Die drei Landwirtschaftsminister bei ihrem Auftakttreffen zum Agrartrilog. © Landwirtschaftsministerium Niedersachsen
Eine "nachhaltige, grenzüberschreitende Landwirtschaft" wollen die Niederlande, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen gemeinsam erreichen. Dazu haben die jeweiligen Landwirtschaftsminister Johannes Remmel (NRW), Christian Meyer (Niedersachsen) und Sharon Dijksma (Niederlande) auf der Grünen Woche einen Agrartrilog gestartet.
 
Ziel der Gespräche seien "Lösungswegen auf den Feldern, die zunehmend die Verbraucher bewegen". Neben den Auswirkungen der EU-Agrarreform standen vor allem diese Themen auf der Tagesordnung: die Reduzierung von Überdüngung, mehr Tierschutz und Tierwohl sowie die Minimierung von Antibiotika und Hormonen in der Tierhaltung.

Abschied vom Schnäbelkürzen, weniger Antibiotika

In punkto Tierschutz wies Meyer darauf hin, dass sowohl die Niederlande, als auch Niedersachsen das Schnäbelkürzen bei Legehennen bis voraussichtlich Ende 2018 verbieten wollen. Auch Remmel will einen Abschied vom Schnäbelkürzen.
 
Bei der Reduzierung des Antibiotika-Einsates in Tierställen wollen NRW und Niedersachsen von den niederländischen Erfahrungen profitieren. Meyer: "Unsere Nachbarn haben eine Datenbank und ein Ampelsystem eingeführt." Dieses Modell werde ab 1. April dieses Jahres auch in Deutschland Gesetz.

Hormoneinsatz im Visier

Ebenfalls im Visier haben die drei Minister den Hormoneinsatz in der Tierhaltung. Sie wollen keine "Abgabe von Hormonen in der industriellen Tierhaltung zum Stallmanagement." Denn dies stehe im Wiederspruch der eigentlichen Zielsetzung des Arzneimittelgesetzes, nämlich der Behandlung von Krankheitssymptomen.
 
Die Hormondebatte in der Sauenhaltung war nach einer BUND-Studie aufgeflammt. Wie allerdings Inge Böhne - die stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses für Schweine der Bundestierärztekammer - gegenüber agrarheute.com erklärte, findet die Brunstsynchronisation nicht flächendeckend statt. Böhnes Meinung nach seien zudem eher kleinere und mittlere Betriebe mit einem Sauenbestand von unter 300 Tieren geneigt die besagten Sexualhormone einzusetzen, weil sie im Drei- oder Vier-Wochen-Rhythmus ihre Tiere vermarkteten und stärker darauf angewiesen seien, dass alle gleichzeitig die Marktreife erlangten, denn Partien unter 200 Tieren seien kaum absetzbar.

Überdüngung stoppen

Zum Ziel gesetzt haben sich Meyer und Remmel auch, "im Schulterschluss mit den Niederlanden" die Überdüngung landwirtschaftlicher Flächen zu stoppen. Sharon Dijksma meint dazu: "Ich bin sehr dafür, dass die Niederlande, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen eng zusammenarbeiten, um die Überdüngung auf unseren Feldern in den Griff zu bekommen und den Antibiotika-Einsatz in den Tierställen zu reduzieren. Wir müssen die Sünder schneller greifen und gesetzliche Schlupflöcher stopfen. Denkbar sind ein Datenaustausch und eine Kooperation der Kontrollbehörden."
 
Niedersachsen hat kürzlich eine umfassende Dokumentation der Nährstoff-Kreislaufwirtschaft vorgelegt. Daraus geht hervor, dass landesweit ein Stickstoffüberschuss vorherrsche. Zu einem ähnlichen Ergebnis komme der NRW-Umweltbericht: Danach seien rund 40 Prozent der Grundwasserkörper in NRW so stark mit Nitraten belastet, dass ohne entsprechende Aufbereitung keine Gewinnung von Trinkwasser mehr möglich ist.
Datenaustausch über Wirtschaftsdüngertransporte
 
Nachdem auch Gülle aus den Niederlanden in Niedersachsen landet, haben die drei Länder  eine Vereinbarung zur gegenseitigen Erhebung und Lieferung von Daten über grenzüberschreitende Wirtschaftsdüngertransporte getroffen.
 
Den neuen Bundeslandwirtschaftsminister Hans-Peter Friedrich nehmen Meyer und Remmel in die Pflicht: Der Bund müsse "endlich eine angemessene Novellierung der Düngeverordnung vorlegen." Das sei schon allein deswegen erforderlich, um die Vorgaben der EU-Wasserrahmenrichtlinie zum Schutz des Grundwassers vor zu hoher Nitratbelastung zu erfüllen. "Wenn Herr Friedrich nicht bald handelt, droht ein Vertragsverletzungsverfahren seitens der EU - mit entsprechenden finanziellen Konsequenzen für Deutschland."
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