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Politik EU

Agrarwissenschaftler: Greening nicht verwässern

von , am
06.07.2012

Berlin - Als "sinnvoll und dringend notwendig" bezeichnet eine Gruppe von Agrarwissenschaftlern das Greening der Direktzahlungen. Sie fürchten jedoch, dass die bestehenden Pläne verwässert werden.

Der Landwirtschaftsausschuss unter der Leitung des Vorsitzenden Hans-Michael Goldmann (FDP). © Deutscher Bundestag/Lichtblick/Achim Melde
Fünf Agrarökonomen und -ökologen der Universität Göttingen haben vor dem Landwirtschaftsausschuss ihre fachliche Position zur Neuausrichtung der Gemeinsamen Europäischen Agrarpolitik (GAP) dargelegt. Ihre Kritik setzt tief an der Basis an: nämlich am System der Direktzahlungen. Jeder Landwirt in Deutschland erhält ab 2013 Zahlungen in Höhe von 350 Euro pro Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche. Die Experten halten hingegen eine stärkere Abhängigkeit der Direktzahlungen von Umweltmaßnahmen für sinnvoll.
 
Im Zuge der GAP-Reform sollen die Direktzahlungen durch das sogenannte Greening umweltfreundlicher gestaltet werden. Das Greening-Konzept beinhaltet folgende Forderungen der Europäischen Kommission an die Landwirte:
  • Dauergrünland wie Wiesen und Weiden sollen erhalten bleiben,
  • jeder Landwirt muss eine Mindestanzahl an Feldfrüchten anbauen und
  • sieben Prozent der Betriebsfläche müssen für Naturschutzmaßnahmen bereitstehen. Solche Maßnahmen können das Anpflanzen oder der Erhalt von Hecken oder das Ausweisen von Flächen, zum Beispiel für Blühstreifen, sein. Wer die Vorgaben nicht einhält, dem sollen die EU-Gelder gekürzt werden.

Angepasste Umweltmaßnahmen definieren

"Eine stärkere Umweltorientierung der GAP ist inhaltlich sinnvoll und dringend notwendig", sagt der Göttinger Agrarökonom Dr. Sebastian Lakner. Allerdings erwartet er, dass das Konzept des Greenings im Zuge der Verhandlungen aufgeweicht wird. "Aufgrund der unterschiedlichen naturräumlichen Bedingungen sowie der unterschiedlichen betrieblichen Schwerpunkte in den EU-Ländern ist das Konzept kaum einheitlich umsetzbar", so Dr. Lakner. Er schlägt vor, dass Umweltmaßnahmen definiert werden, die spezifisch auf Länder und Regionen zugeschnitten sind. Auf diese Weise könnten die Gelder spezifisch und damit effizient eingesetzt werden. Damit liegt er auf einer Linie mit dem Bauernverband. Auch er fordert einen Katalog an Maßnahmen vor, aus dem - angepasst an die jeweiligen Verhältnisse - gewählt werden kann.
 
Grünland erhalten
 
Prof. Dr. Johannes Isselstein vom Department für Nutzpflanzenwissenschaften plädiert außerdenm für den Erhalt von Grünland, das besonders viele Arten beherbergt. Im Grünland existieren seinen Angaben zufolge insgesamt 1.000 Pflanzenarten, während in Ackerbausystemen nur etwa 300 Pflanzenarten heimisch seien. Agrarökologin Dr. Catrin Westphal stellte die Bedeutung von Agrarlandschaften mit einer Vielzahl verschiedener Lebensräume heraus. Nur sie könnten den Erhalt der Biodiversität nachhaltig sichern. Beide Experten plädierten für einen Ausbau von gezielt auf Regionen und Landschaften abgestimmten Maßnahmen. 
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