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Politik international

Aigner will Imitate besser kenntlich machen

von , am
15.06.2010

Brüssel - Am morgigen Mittwoch stimmt das EU-Parlament über eine bessere Kennzeichnung von Lebensmitteln ab. Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner fordert schärfere Kennzeichnungsvorschriften. Eine 'Lebensmittel-Ampel' lehnt sie ab.

Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner © Messe Berlin

Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner fordert, dass europaweit besondere Kennzeichnungsvorschriften für Schinken- und Käse-Imitate gelten sollen, damit Verbraucherinnen und Verbraucher eindeutig erkennen können, was sie essen.

Der deutsche Vorstoß wurde von Europa-Parlamentariern aufgegriffen und steht nun morgen im EU-Parlament zur Abstimmung. Hier soll eine neue Kennzeichungsverordung verabschiedet werden.

 

Forsa-Umfrage: 90 Prozent halten Kennzeichnung nicht für Ausreichend

Bei einer Forsa-Umfrage im Auftrag des Bundesernährungsministeriums wurde deutlich, dass über 90 Prozent der Bürger die derzeitige Kennzeichnung von Schinken-Imitaten für nicht ausreichend halten. "Wenn sich die Mehrheit im Europaparlament für eine Kennzeichnung der Imitate ausspricht, ist das ein wichtiger Schritt zum Schutz der Verbraucher vor Täuschung.

Verbraucher wollen bessere Kennzeichnung

Forsa hatte im Mai dieses Jahres in einer repräsentativen Meinungsumfrage über 2.000 Verbraucherinnen und Verbraucher ab 14 Jahren befragt. Demnach ist sich ein Großteil der Befragten darüber im Klaren, dass Schinken-Imitate im Handel angeboten werden und mehr als die Hälfte der Interviewten gab an, beim Einkauf häufig oder sehr häufig auf das Zutatenverzeichnis zu achten. Dennoch gibt es Schwierigkeiten, Schinken von Schinken-Imitaten zu unterscheiden. Über 90 Prozent halten die derzeitige Kennzeichnung für nicht ausreichend und befürworten den zusätzlichen Hinweis, dass es sich um ein "Schinken-Imitat" handelt

Ebenfalls zur Abstimmung: Die 'Lebensmittel-Ampel'

Zur Abstimmung steht auch eine Kennzeichnung von Lebensmitteln mit den Ampelfarben.
Die Verbraucherrechtsorganisation foodwatch hat im Vorfeld ein starkes Votum für die
Ampelkennzeichnung gefordert. Ernährungswissenschaftler haben anhand der Erfahrungswerte aus Großbritannien belegt, dass die Ampel am besten verstanden wird. Neben Verbraucherorganisationen hat sich eine Vielzahl von  Ärzteverbänden, Sozialversicherern und Patientenverbänden aus ganz  Europa in den vergangenen Monaten für die Ampel ausgesprochen. Die einzigen Stimmen gegen die Ampelkennzeichnung kommen aus der
Lebensmittelbranche. Bei der ersten Abstimmung im federführenden Umweltausschuss des
Europaparlaments (ENVI) im März 2010 kam es zu einem Patt zwischen Befürwortern und Gegnern (30 zu 30 Stimmen). Damit wurde die Ampel denkbar knapp abgelehnt.

Entscheidung für Mittwoch geplant

Heute findet die Debatte über die  Nährwertkennzeichnung im Europaparlament statt. Die Abstimmung ist  für den morgigen Mittwoch geplant. Nach der Abstimmung des  Europaparlaments muss sich noch der Europäische Rat der 27 zuständigen Fachminister mit der Verordnung befassen. Erst bei einer Einigung zwischen Parlament und Rat wird eine verbindliche Nährwertkennzeichnung festgelegt. (dlz agrarmagazin/jo/ots/pd)

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