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Ernährung und Gesundheit

Ambrosia-Gefahr: Was kann der Landwirt dagegen tun?

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Redaktion agrarheute, agrarheute
am
25.06.2015

Gerade im Süden Deutschlands ist das Unkraut Ambrosia seit Jahren ein Problem. Aktuell wurde gar ein "Nationaler Ambrosia-Tag" zur Bekämpfung ausgerufen. Wie kann der Landwirt dem Problem beikommen?

"Wenn wir in der nächsten Dekade nicht genug unternehmen, könnte die Schwelle überschritten sein, wo wir die Verbreitung noch eindämmen können", sagt Harald Gebhardt von der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW) gegenüber der Pforzheimer Zeitung. Mit einer "Ausrupfaktion" will man der Pflanze an stark befallenen Stellen beikommen. Die Ausbreitung hat mittlerweile derartige Ausmaße angenommen, dass es in vielen Bundesländern Meldestellen gibt.
 
Neben Bayern, Hessen und Brandenburg stehen in Baden-Württemberg die größten Ambrosia-Bestände, das im Jahr 1877 aus Nordamerika eingeschleppt wurde.
 
Ambrosia (Ambrosia artemisiifolia) besitzt eines der stärksten Pollenallergene im Pflanzenbereich: Nur zehn Pollen pro Quadratmeter reichen, um bei Allergikern
  • Heuschnupfen,
  • Bindehautentzündung oder sogar
  • Asthmaanfälle
hervorzurufen.

Wie wird Ambrosia verbreitet?

  • Hauptursache für die Verbreitung sind Vögel, die im Winter von Menschen gefüttert werden. Die Samen sind in verunreinigtem Vogelfutter enthalten. Da Ambrosia zwischen Sonnenblumen wächst, lässt sich die Vermischung beider Arten schwer vermeiden.
  • durch Verdriftung der Samen mit dem Fahrtwind entlang von Hauptverkehrsstraßen oder an Autoreifen.
  • als Verunreinigung in Futtermitteln oder in Saatgut
  • mit Bodentransporten oder -resten an Geräten und Fahrzeugen
Laut Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen ist Ambrosia über Jahrzehnte keimfähig. Die drei bis vier Millimeter langen, eiförmigen Samen mit fünf bis sieben charakteristischen, dornartigen Fortsätzen fallen ab September in großer Zahl aus.
 
Neben der Gefahr für die menschliche Gesundheit durch den Pollen müsse laut LWK NRW auch mit Auswirkungen auf die Landwirtschaft gerechnet werden: In den Prärien Nordamerikas sei Ambrosia artemisiifolia im Sonnenblumen- und Sojaanbau ein schweres Unkraut.

Ambrosia-Bekämpfung in landwirtschaftlichen Kulturen

Das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie rät bei der Bekämpfung von Ambrosia auf Ackerflächen zu folgenden Pflanzenschutzmitteln (Stand 2013): 
  • Getreide: Ariane C, Husar OD + Mero, IPU-Herbizide sowie Tristar brachten laut LfULG Sachsen gute Wirkungen. Sulfonylharnstoffe Pointer SX und Dirigent SX waren unzureichend wirksam.

  • Mais: Praxisrelevante Maisherbizide verfügen laut LfULG Sachsen über eine sehr gute Wirkung. Somit eigne sich der Maisanbau durchaus, die mit Ambrosia stärker befallenen Flächen langfristig zu sanieren. Die Wirkstoffe aus der Gruppe Triketone (in Herbiziden Callisto, Mikado, Laudis, Clio Super) seien sehr wirksam. Terbuthylazin (z. B. in Calaris, Gardobuc, Click, etc.) brächte sehr gute Bekämpfungserfolge. Der Wirkstoff Dicamba (in Cirontil, Mais-Banvel WG, Arrat und Task) sei ebenso wirksam gewesen. Der Wirkstoff Rimsulfuron (in Cato) hätte hingegen eine Wirkungslücke gegen Ambrosia. Mit Effigo (Clopyralid + Picloram) seien auch gute Erfolge erreicht worden.

  • Futtererbsen: Die Spritzfolge Stomp Aqua (Pendimethalin) im Vorauflauf und Basagran (Bentazon) im Nachauflauf erzielte laut LfULG Sachsen Wirkungsgrade von über 70 Prozent.

  • Sonnenblumen: Die in Deutschland zugelassenen Herbizide zeigten laut LfULG Sachsen keine Wirkung. In Tribenuron-methyl-toleranten Sonnenblumensorten wurden mit der Splittingvariante von 2-mal 30 g/ha Pointer SX (Tribenuron-methyl) und 0,1 % Zusatzstoff Trend gute Bekämpfungserfolge erreicht.
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