Login
Politik national

AMG: Ganzheitlicher Ansatz gesucht

von , am
28.11.2012

Berlin - Das Arzneimittelgesetz war heute morgen Thema in einer öffentlichen Anhörung im Bundestag. Eine staatliche zentrale Datenbank soll helfen, den Antibiotikaeinsatz zu mindern.

Heute morgen traf sich der Ausschuß für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, um über das Arzneimittelgesetz zu beraten. © Bundestag
Anfang November hat die Bundesregierung einen Gesetzentwurf zur Änderung des Arzneimittelgesetzes vorgelegt. In der 81. Sitzung des Ausschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz wurde heute das Arzneimittelgesetz - im speziellen die Reduzierung des Antibiotikaeinsatzes in der Landwirtschaft diskutiert. Vertreter aus Verbänden, Bundesländern und Ministerien waren als Sachverständige geladen.

Kooperation von QS und staatlicher Datenbank möglich

Einigkeit herrschte bei allen Beteiligten in der Zielsetzung, die Antibiotikamengen in der Tierhaltung zu reduzieren. Allerdings wurde schnell klar, wie kompliziert die Materie ist. Wieviel ist zuviel? Wann ist der Einsatz von Medikamenten sinnvoll? Geht es ganz ohne Antibiotika in der Tierhaltung? Die Antwort auf diese komplizierten Fragen soll mit Hilfe einer zentralen Datenbank geklärt werden.
Auch wenn in der QS-Datenbank bereits eine Vielzahl der Betriebe im Antibiotikamonitoring enthalten sind, waren sich die Sachverständigen einig, dass die letzte Kontrolle beim Staat liegen sollte und deshalb eine staatliche Datenbank - auch in Vernetzung mit QS - notwendig sei. Dr. Hermann-Josef Nienhoff von der QS Qualität und Sicherheit GmbH erklärte die grundsätzliche Bereitschaft zu einer "Kopplung" der geplanten staatlichen Datenbank mit der QS-Datenbank. Dabei reiche es aber längst nicht aus, allein die Häufigkeit der Antibiotikabehandlungen zu erfassen. Vielmehr suchten die Sachversändigen nach weiteren Indices wie zum Beispiel die Sterblichkeitsrate um sich ein vollständiges Bild über den Einsatz von Medikamenten in den Betrieben zu machen.

Übetragung aus der Sitzung: Einsatz von Antibiotika in der Landwirtschaft

Bestandsbetreuung soll Antibiotikaeinsatz mindern

Eine zentrale Rolle spielt für den Bundesverband praktizierender Tierärzte e. V. (bpt) die Bestandsbetreuung. Der Präsident des bpt, Hans Joachim Götz forderte eine gesetzliche Verankerung der tierärztlichen Bestandsbetreuung mit eindeutigen Besuchsfrequenzen, abhängig von Tier- und Produktionsart. "Eine regelmäßige und systematisch durchgeführte tierärztliche Bestandsbetreuung führt nach unserer Erfahrung zu einer nachhaltigen Reduzierung des Antibiotikaeinsatzes", betonte Götz.

Antibiotika nicht verteufeln

Prof. Dr. Jörg Hartung von der Stiftung Tierärztliche Hochschule
Institut für Tierhygiene, Tierschutz und Nutztierethologie rief dazu auf, Antibiotika nicht zu verteufeln. Viel wichtiger sei der richtige Einsatz, um das Leiden kranker Tier zu mindern. Für ihn ist die Höhe des Einsatzes von Antibiotika keine Frage der Bestandsdichte oder der Größe des Betriebes. Vielmehr sind die Tierhygiene und die Räumlichkeiten, in denen die Tiere rund um die Uhr leben, der Schlüssel zur Minderung des Antibiotikaeinsatzes. Schwächen in der Tierhygiene würden sich laut Hartung vor allem durch eine bessere Ausbildung beheben lassen.
 
In der Ausschußsitzung wurde deutlich, dass es noch jede Menge Forschungsbedarf gibt. So sind bisher keine eindeutigen Zusammenhänge zwischen verschiedenen Haltungsformen und dem Einsatz von Antibiotika wissenschaftlich belegt. Auch die alleinige Erfassung der Daten und die vollständige Transparenz über den Einsatz von Medikamenten in der Tierhaltung muss nicht unbedingt zu einer Reduzierung des Einsatzes führen. Gefragt ist ein ganzheitlicher Ansatz, der Aspekte wie Tiergesundheit, Tierschutz, Tierzucht, Hygiene- und Gesundheitsmanagement miteinander verbindet.
Auch interessant