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Videoanalyse

Analyse: Elefanten-Video von PeTA war hoch manipulativ

Elefantenherde im Zoo Hannover
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Sabine Leopold, agrarheute
am
04.09.2017

Anfang April dieses Jahres berichtete das ARD-Magazin "Report Mainz" über angebliche Tierquälerei im Elefantengehege des Zoos Hannover. Das Videomaterial dazu stammte von der Tierrechtsorganisation PeTA und war hoch manipulativ, wie eine von der Staatsanwaltschaft in Auftrag gegebene Videoanalyse zeigt.

Landwirte dürften wenig überrascht gewesen sein vom Ergebnis der Videoanalyse, die die Staatsanwaltschaft in Auftrag gegeben hatte. Geklärt werden sollte dabei, ob die Vorwürfe, im Zoo Hannover würden systematisch Elefanten misshandelt, gerechtfertigt sind. Als Lieferant des Bildmaterials, das in stark gekürzter Form am 4. April vom ARD-Magazin "Report Mainz" ausgestrahlt worden war, firmierte schließlich PeTA. Und deren "Beweismittel" gegen private und professionelle Tierhalter sind nicht zum ersten Mal durch äußerste Fragwürdigkeit aufgefallen.

 

Schnelle Schitte, dramatische Musik, Zeitrafferaufnahmen

Das Ergebnis der Auswertung ist eindeutig, berichtete die Hannoversche Neue Presse Ende August ausführlich. Die Medienwissenschaftlerin Prof. Dr. Annika Schach von der Hochschule Hannover hatte die von PeTA unter äußerstem Widerwillen zur Verfügung gestellten Originalaufnahmen aufs genaueste durchleuchtet. Ergebnis: Aus wochenlangen Aufnahmen, heimlich getätigt im Herbst 2016, schnitten die PeTA-Videokünstler fünf Stunden zusammen, verdichteten anschließend noch einmal auf 14 Minuten. Garniert wurden die zusammengestückelten Momentaufnahmen mit dramatischer Hintergrundmusik, Farbmanipulationen und schwer durchschaubaren Schnellschnitten. Und als Sahnehäubchen lief der Film mit einer um rund 15% erhöhten Geschwindigkeit, damit das Agieren der Pfleger deutlich ruppiger wirkte als ohne die Beschleunigung.

Aus diesem Material suchte sich "Report Mainz" noch einmal zwei besonders wirksame Minuten aus und sendete den Film schließlich mit dem PeTA-Vorwurf, dies sei Alltag im Hannoverschen Elefantengehege.

 

Gutachter vor Ort: keine Tierschutzverstöße auszumachen

Die Manipulation des Bildmaterials allein bewog die Staatsanwaltschaft jedoch nicht, das Verfahren gegen den Zoo einzustellen. Zusätzlich hatte man Experten bestellt, die die Lage vor Ort beurteilen sollten.

Der Leiter des Instituts für Tierschutz und Tierverhalten der TiHo Hannover, Prof. Dr. Hansjoachim Hackbarth, der Osnabrücker Zoodirektor und ehemalige Zootierarzt in Hannover und Hodenhagen, Michael Böer, sowie der frühere Hamburger Zoodirektor Stephan Hering-Hagenbeck konstatierten, es seien keine Tierschutzverstöße erkennbar. Fest gemacht hatten die Gutachter das vor allem an dem offensichtlichen Vertrauensverhältnis, das die Elefanten ihren Pflegern entgegenbringen.

 

Zoo-Seite kritisiert ARD-Magazin

Die Website zoos.media kritisierte im Zusammenhang mit der Videomanipulation vor allem das ARD-Magazin "Report Mainz". Auf eine Facebook-Meldung von zoos.media, in der über die Einstellung des Verfahrens berichtet wurde, reagierte Report folgendermaßen:

"Uns ist durchaus bewusst, dass man zur Organisation Peta unterschiedliche Auffassungen haben kann. Deshalb lassen wir Material immer unabhängig von Experten begutachten und einschätzen – das gilt übrigens für jede Quelle, deren Material wir verwenden. Entscheidend ist dabei für uns, ob das Material authentisch ist und einen Missstand dokumentiert."

Die Medienwebsite fragt wohl nicht zu Unrecht, wie die "unabhängige" Begutachtung in diesem Fall ausgesehen hat und was man daraus für die Seriosität anderer Berichte des TV-Magazins schlussfolgern kann und muss.

 

Eigenes Material sichern und Behörden informieren!

Für tierhaltende Landwirte zeigt die ganze Geschichte vor allem eins: Es lohnt sich, gegen Tierrechtler-Unterstellungen vorzugehen. Wichtig ist aber in jedem Falle, zunächst selbst Material zu sichern und (möglichst behördliche) Zeugen zu bestellen, die die Zustände vor Ort in Augenschein nehmen.

Für Betroffene nächtlicher Stalleinstiege heißt das: Wenn solche widerrechtlichen Besuche auffallen, sofort eigenes Bildmaterial anfertigen, Polizei und Veterinärbehörde benachrichtigen, um zeitnahe Kontrollen bitten und eventuell sogar selbst die Medien zu einer Stallbesichtigung bitten.

Zeit bleibt in der Regel genug, denn erfahrungsgemäß ist für PeTA und Co. kein "eklatanter Tierschutzverstoß" dramatisch genug, um sofort zuständige Stellen einzuschalten und nicht erst langwierig über einträgliche Sende- und Druckrechte zu verhandeln.

 

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