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Dorf und Familie

Animal Peace: Per Shitstorm zurück ins Rampenlicht

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Redaktion agrarheute, agrarheute
am
29.01.2015

Animal Peace hat eine Grenze überschritten. Nach der Strafanzeige aus der Landwirtschaft hagelt es auch Kritik aus der Tierschutzbranche. Die Tierrechtler selbst sprechen von einer "politischen Botschaft".

"Wir sind nicht gegen seriösen Tierschutz, auch kann sich jeder in Deutschland ernähren, wie er will. Aber in dieser Argumentation derart menschenverachtend vorzugehen, das können wir nicht mehr tolerieren", begründet Helmut Dresbach, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Oberbergischer Kreis, die Strafanzeige der Kreisbauernschaft gegen Animal Peace vor der Staatsanwaltschaft in Köln in der letzten Woche. Im Internet hatte die Tierschutzorganisation Animal Peace einen Bullen, der einen Nümbrechter Landwirt getötet hat, bejubelt.
 
"Solch radikale Organisationen wie Animal Peace tun sich keinen Gefallen mit solchen Äußerungen", sagt Dresbach gegenüber agrarheute.com und sieht die Gruppe auch innerhalb der Branche mit der Aktion isoliert. So haben sich unter anderem der Deutsche Tierschutzbund und der BUND bereits von Animal Peace distanziert.

Animal Peace-Aktivistin rechtfertigt Aktion als "politische Botschaft"

Zu der Strafanzeige meldet sich jetzt auch die Tierrechtlerin Silke Ruthenberg von Animal Peace in dem Portal Viva-Vegan.info selbst zu Wort. Sie gehe davon aus, dass die Staatsanwaltschaft kein Ermittlungsverfahren einleiten werde und beruft sich dabei auf die Pressefreiheit. Ferner sieht Ruthenberg in dem für viele Landwirte pietätlosen Animal Peace-Kommentar zu dem von einem Stier getöteten Landwirt "keine persönliche, sondern eine politische Botschaft". Auf die Frage nach der nun aufkommenden Kritik an der Vorgehensweise ihrer Initiative antwortet die Tierrechtlerin: "Es gibt andere Methoden, natürlich. [...] Ich halte das für sehr zielführend. Und überhaupt: als Tierrechtlerin verstehe ich mich als Anwältin der Tiere."

Kreisbauernschaft setzt sich rechtlich zur Wehr

Betroffen, traurig und wütend hätten ihn die Statements von Animal Peace zu Beginn im Internet gemacht, so Helmut Dresbach. "Machen wir was dagegen oder gehen wir still unserer Arbeit weiter nach?", hatte sich der Verband zunächst intern gefragt. Nachdem aber auch aus der Bauernschaft Stimmen kamen, etwas gegen die Diffamierungen zu tun, sei der Entschluß zu der Anzeige gekommen, erklärt Dresbach gegenüber agrarheute.com.
 
In Absprache und mit der Vollmacht der betroffenen Witwe wurde Strafanzeige vor der Staatsanwaltschaft Köln gegen Animal Peace nach § 189 StGB (Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener) gestellt. "Wir wissen wohl, dass man solchen Organisationen damit wieder eine Bühne gibt", erklärt Dresbach auch die Bedenken bei der Strafanzeige.

Kalkulierter Mediencoup?

Auch im Forum landlive.de gibt es Stimmen, die Animal Peace genau diese mediale Aufmerksamkeit als kalkuliertes Ziel zuschreiben: "Animal Peace und Silke Ruthenberg (die auch unter den Tierschützern, vorsichtig formuliert, umstritten ist) waren ziemlich weg vom Fenster. Die juristische Auseinandersetzung sichert ihnen, unabhängig vom Ausgang, über einige Zeit einen Platz in den Schlagzeilen. Könnte mir durchaus vorstellen, dass die Aktion ein kalkulierter Mediencoup ist", kommentiert beispielsweise Waldschrat.
 
Auch das Thema Meinungsfreiheit und Tierschutz wird unter den landlive-Usern stark diskutiert: "Meinungsfreiheit hört da auf, wo das Recht der persönlichen Ehre beginnt. Eine Meinungsäußerung darf nicht beleidigend sein und die andere Person herabwürdigen", schreibt Jw.
 
Barensdorfer kommentiert:" Tierschutz ist in meinen Augen sehr wichtig, egal in welcher Branche, aber die Tierrechtler sind dafür bekannt, mit allen Mitteln Aufmerksamkeit zu erregen. Deswegen ist es eigentlich auch schade, dass alle so auf diese Äußerungen dieser Typen eingehen."

Tierschutzbranche distanziert sich von Animal Peace-Aktion

"Ich will keinen Streit zwischen den bäuerlichen Organisationen. Wenn wir was erreichen können, dann ist es ein Nachdenken. Darüber, wie wir miteinander umgehen", erklärt Helmut Dresbach. "Ich glaube, dass die [Animal Peace] Aktion auch zu einem Nachdenken bei den Organisationen führt, die am 17. Januar in Berlin zusammen gegen die Landwirtschaft marschiert sind", kommentiert Dresbach deshalb die Anfang der Woche gestellte Strafanzeige der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) im gleichen Fall.
"Wer solch menschenverachtende Aktionen macht, hat mit den Zielen und Ideen von 'Wir haben es satt.' nichts am Hut und nicht verstanden wofür wir stehen", sagt Jochen Fritz, Sprecher der Initiative Meine-Landwirtschaft.de, zu der Animal Peace-Aktion. Die 'Wir haben es satt'-Initiatoren hätten die Strafanzeige in enger Abstimmung mit AbL-Bundesgeschäftsführer Georg Janßen gestellt.
 
"Ich bin zutiefst beschämt und erbost über die Aussagen, die von angeblichen Tierschützer nach dem Tod eines Landwirts veröffentlicht wurden. Solche Darstellungen offenbaren eine menschenverachtende Dummheit unter dem Deckmantel des Tierschutzes, mit der die Grüne Bundestagsfraktion und ich nichts zu tun haben wollen. Wir begrüßen die rechtlichen Schritte, die gegen die Vereinigung Animal Peace eingeleitet wurden", pflichtet dem auch Friedrich Ostendorff, Sprecher für Agrarpolitik der Grünen im Bundestag, bei.
 
"Über diese Auswüchse ereifern sich auch breite Teile der Öffentlichkeit", sieht Helmut Dresbach, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Oberbergischer Kreis, in der Diskussion eine Grenze überschritten. "Tierschutz hat seine Grenzen - nämlich bei der Würde des Menschen." 

Demonstrationen in Berlin (17. Januar 2015)

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