Login
Politik national

Anmerkungen zur Ernte 2009

von , am
28.08.2009

Flensburg - Die Ernte ist im wesentlichen abgeschlossen. Eine gute Ernte haben Deutschlands Bauern eingefahren. Doch wegen der niedrigen Preise können Landwirte trotzdem nicht zufrieden sein, meint der Agrarjournalist Hans Heinrich Matthiesen.

Agrar-Journalist Hans Heinrich Matthiesen

Mit 49,9 Millionen Tonnen ist die Ernte zwar um drei Prozent geringer als im vergangenen Jahr aber um acht Prozent größer als im Durchschnitt der letzten Jahre.

Trotzdem können die Landwirte nicht zufrieden sein, denn die Preise für die Tonne waren noch nie so tief wie zur Zeit. Das trifft die Produzenten doppelt, denn die Ausgaben für die Produktionsmittel waren beim letzten Einkauf auf einem sehr hohen Niveau. Eine üppige Rapsernte drückt die Preise, weil die Lager voll sind und die Nachfrage nicht so ist, wie die Erzeuger es gerne hätten.

Gute Ernte: Bauern verstehen ihr Handwerk

Deshalb halten die Bauern und Erfasser ihren Raps zurück und müssen auf bessere Preise im Laufe des späteren Jahres warten und hoffen. Das ist der Markt von dem jetzt viel die Rede ist. Viel mehr als vor einiger Zeit noch. Dass die Ernte auch in diesem Jahr wieder gut ist und die Landwirte hohe Erträge mit bis zu sehr guten Qualitäten eingefahren haben, ist auch das Resume von Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner und Bauernpräsident Gerd Sonnleitner. Das war aber in den vergangenen Jahren ähnlich. Und das liegt an den Bauern, die ihr "Handwerkszeug" bestens verstehen.

Marktordnung: Noch besser beobachten

Die moderne Technik erlaubt ihnen eine hervorragende Produktion. Und die beherrschen sie. Sie können was. Sie müssen nur noch lernen, den Markt besser zu beobachten und zu erkennen. Und das werden sie lernen. Das ist zwar schwer, denn das Risiko ist keine Marktordnung. Schade, dass die Politik die Bauern so eine lange Zeit mit staatlichen Vorgaben bevormundete hat und sie sich das auch noch gefallen lassen haben oder gefallen lassen mussten. Natürlich sind die Erzeugerpreise nicht befriedigend. Da sind nun auch die Getreidebauern, neben den Milchbauern, betroffen. Da bleibt auf vielen Betrieben kein Spielraum mehr und die Durststrecke wird lang.

Agrarpolitik: Jahrzehntelang falsch beraten

Die jahrzehntelange falsche Agrarpolitik holt die Bauern immer wieder ein. Der Berufsstand war, mit seiner starken Lobby, eben jahrzehntelang falsch beraten. Das nützt nur den Betriebsleitern mit einer guten Ausbildung heute nicht, denn wer aufs falsche Pferd gesetzt hat, dem hilft heute nur noch der Mut nach vorn. Und das kann die Erkenntnis sein zu expandieren, den Betrieb umzustellen oder so schnell wie möglich aufzuhören um zu retten was zu retten ist. Zum Beispiel Haus und Hofanlagen. Dann kann man zumindest noch dort bleiben, wo man verwurzelt ist.

Vorgezogene Auszahlung der Betriebsprämien: Peanuts

Aber zurück zur Erntebilanz. Landwirtschaftsministerin Aigner meinte, so heißt es in der Pressemitteilung weiter, das die vorgezogene Auszahlung der Betriebsprämien und die Streichung des Selbstbehalts und der Obergrenze beim Agrardiesel zur Kostenentlastung bei den Landwirten beitragen könnten. Ja, beitragen könnten, aber letztlich sind das auf den Höfen nur Peanuts. Damit wird kein Bauer sein Einkommen wirklich im notwendigen Maße erhöhen können. Positiv dürften sich die niedrigen Getreidepreise dagegen auf die Ertragslage der Veredlungsbetriebe auswirken, heißt es weiter. Und auch die Bioenergieproduzenten könnten davon profitieren. Da haben wir sie, die zweigeteilte Landwirtschaft: Teller oder Tank. Eine endlose Thematik.

Gute Agrarpolitik: Nahrungsmittelpreise könnten weiter sinken

Erwähnen sollte man noch den Hinweis der Ministerin, dass die gute Ernte für die Verbraucherinnen und Verbraucher durchweg erfreuliche Aspekte habe. Sie würden mit einem vielfältigen Angebot zu günstigen Preisen versorgt. Das ist nicht neu, aber auch kein ausschließliches Verdienst der Bauern in diesem Lande. Die Verbraucher werden vom Weltmarkt immer zu günstigen Preisen und guter Qualität versorgt werden können. In diesem Teil der Welt muss niemand hungern, weil es zu wenig Produktion gibt. Die Nahrungsmittelpreise hierzulande könnten sogar noch niedriger sein als sie es sind, wenn es eine gescheite Agrarpolitik in Deutschland und Europa geben würde, ohne das die Landwirte darunter zu leiden hätten.

Bleibt auch abzuwarten, ob die von Bauernpräsident Sonnleitner in Aussicht gestellten Preise für Verbraucher tatsächlich noch weiter runter gehen, zum Beispiel für Brot und Bier. Der Hinweis von Aigner, dass sich die Preise für Nahrungsmittel wieder beruhigt hätten, haben die Verbraucher schon lange auch bemerkt. Und schön ist auch der Hinweis auf die Inflationsbremse durch Nahrungsmittel. Das hören wir auch schon seit Jahrzehnten, aber zu welchem Preis? Da sollten die Ausgaben für die Landwirtschaft gegengerechnet werden, dann sieht die Rechnung aber anders aus.

Es bleibt abzuwarten ob die Forderungen von Bauernpräsident Gerd Sonnleitner für die Bauern in Erfüllung gehen, nämlich eine weitere Senkung der Steuer für Agrardiesel, eine steuerfreie Risikorückstellung, die den Berufsstand in die Lage versetzen würde, in guten Zeiten einen Teil der Erlöse für schlechte Ernten zurückzulegen. Begründet hat er diese Forderung damit, dass die Agrarmärkte volatiler geworden sind und damit die Preisausschläge größer. Das sind Forderungen über die nun die Politik zu entscheiden hat. Hoffentlich entscheidet sie im Sinne der Märkte.

Hans Heinrich Matthiesen aus Flensburg

Auch interessant