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Aufreger

Anonymer Brief an Landwirtin: Selbst Schuld am Bauernkindermobbing

Brief an Vees
© privat
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Julia Eder , agrarheute
am
14.02.2018

Auf Facebook herrscht derzeit Aufregung über einen anonymen Brief an eine Landwirtin. Der Tenor: Landwirte sind selbst schuld, dass ihre Kinder gemobbt werden.

Juliane Vees, Landwirtin im württembergischen Eutingen, öffnete am 13.Februar einen an sie adressierten Brief ohne Absender. Den Inhalt des Briefs fand sie unsäglich und veröffentlichte ihn auf Facebook:

"Kinder sollen keine falsche Tieridylle vermittelt bekommen"

Der anonyme Absender des Briefes, der im schleswig-holsteinischen Rendsburg abgestempelt wurde, fordert zum Beispiel, dass Landwirtskinder "nicht so naiv auf dem Trecker mitsitzen, um beim Gülle ausfahren dabei zu sein [...] und keine falsche Tieridylle vermittelt bekommen".

Gegenüber agrarheute sagt Vees: "Mit der Veröffentlichung des Briefes möchte ich den Dialog suchen. Radikale Vorgehensweisen sind nicht der richtige Weg. Umwelt- und Tierschutzverbände müssen deshalb mit in die Verantwortung genommen werden." Sie sei außerdem nicht die einzige Landwirtin, die diesen Brief bekommen habe. Auch andere Betroffene haben sich bei ihr gemeldet.

Bauernkindermobbing verantwortungsvoll diskutieren

Es traf die Landwirtin nicht willkürlich. Als Anlass des Briefes ist ein Bericht über Juliane Vees genannt. Sie ist Präsidentin des LandFrauenverbands Württemberg-Hohenzollern und kümmert sich seit einigen Jahren darum, dass das Thema Bauernkinder-Mobbing verantwortungsvoll diskutiert wird und Lösungen gefunden werden. Das schreibt sie auch in einem Facebook-Kommentar zum veröffentlichen Brief: "Wir wollen eine sachliche Diskussion und keine anonymen Briefe, die uns und unsere Kinder verleumden."

Vees will dazu die gesellschaftliche Stellung der Landwirtschaft verbessern und setzt sich beispielweise für eine realistischere Darstellung der modernen Landwirtschaft in Schulbüchern sowie für schulische Hofbesuche ein. Letzteres nimmt der Absender als Anlass zur Kritik: "Ich würde meinem Kind die verblendete Hofbesichtigung verbieten und dem Kitapersonal Informationsmangel vorwerfen."

"Wir haben es satt" distanziert sich

Als Abschluss wird in dem Brief auf die Organisation "Wir haben es satt" verwiesen. Pressesprecher Jochen Fritz hat inzwischen auf Facebook Stellung genommen: "Wir distanzieren uns ausdrücklich von diesem anonymen Brief, der auf unsere Demonstration verweist. Wir lehnen es ab, wenn Bäuerinnen und Bauern diffamiert werden. Anonyme Briefe haben mit unserem politischen Selbstverständnis rein gar nichts zu tun. Wir haben rechtliche Schritte gegen den/die VerfasserIn des anonymen Briefs eingeleitet."

Der veröffentlichte Brief und die Reaktion des Bauernverbandes auf Kindermobbing veranlasste auch einen anderen Landwirt, der in seiner Kindheit gemobbt wurde, über seine Erlebnisse zu berichten und mögliche Wege der Besserung aufzuzeigen.

Umfrage-Ergebnisse: Die Zahlen zu Mobbing von Bauernkindern

Umfrageergebnis zu Mobbing-Erfahrung von Landwirten
© agrarfoto/agrarheute
Umfrageergebnis zu Alter von gemobbten Kindern
© agrarheute/Fotolia/Roman Bodnarchuk
Umfrageergebnisse zu Maßnahmen gegen Mobbing
© agrarfoto/agrarheute
Umfrageergebnisse zu Verhalten bei Mobbing
© agrarheute/Fotolia/lassedesignen
Ort an dem Kinder gemobbt werden
© agrarfoto/agrarheute
Person, die Bauernkinder mobbt
© agrarheute/Fotolia/Dmitry Vereshchagin
Betriebsausrichtung von Landwirten mit Mobbing-Erfahrung
© agrarheute/Fotolia/Harald Biebel
Gründe für Mobbing gegen Bauernkinder
© agrarfoto/agrarheute
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