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Grüne Woche

Antikampagne gegen staatliches Tierwohl-Label

Foodwatch Antisiegel
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Katharina Krenn, agrarheute
am
18.01.2017

Zum Auftakt der Grünen Woche hat die Verbraucherorganisation Foodwatch eine Antikampagne gegen das staatliche Tierwohllabel von Agrarminister Schmidt gestartet.

Noch bevor Bundesagrarminister Schmidt sein neues Tierwohllabel der breiten Öffentlichkeit auf der Grünen Woche in Berlin präsentieren konnte, bekommt sein Vorstoß für mehr Tierwohl im Stall Gegenwind. Die Verbraucherorganisation Foodwatch hat heute auf der Grünen Woche ein eigenes Tierwohlsiegel als „Gegenentwurf“ zum staatlichen Tierwohllabel vorgestellt. Es handelt sich dabei aber nicht um ein ernstgemeintes Siegel für mehr Tierwohl, sondern als gezielte Antikampagne gegen das geplante Staatslabel.

EU-weite Haltungskriterien bei Nutztieren

Zusammen mit dem Tiermediziner und Professor der TiHo Prof. Dr. Thomas Blaha forderte Foodwatch heute in Berlin den Bundesagrarminister auf, sein Siegel auf freiwilliger Teilnahmebasis zu den Akten zu legen und sich dafür einzusetzen, EU-weit Kriterien für den bestmöglichen Gesundheitszustand aller Nutztiere vorzulegen.

Die Labelgegner berufen sich auf ein Gutachten des wissenschaftlichen Beirates für Agrarpolitik, das besagt, dass das geplante Siegel voraussichtlich einen Marktanteil von 20 Prozent erreichen wird. Das sei laut Foodwatch nicht akzeptabel. Im Umkehrschluss bedeute dies nach deren Meinung, dass die übrigen 80 Prozent der Nutztiere weiter leiden müssten.

Verbraucher und Staat soll Kosten tragen

Laut Gegenentwurf von Foodwatch müsse eine bundesweite Erfassung des Tiergesundheitsstatus in allen Betrieben eingeführt werden. Daraus könnten dann, orientiert an den besten Betrieben, Zielvorgaben für die Tiergesundheit abgeleitet werden. Andere Faktoren wie Besatzdichte, Stallbau, Auslauf, Transport oder Schlachtung müssen flächendeckend in den nächsten zehn bis 15 Jahren verbessert und EU-weit durchgesetzt werden.

Die Bundesregierung müsse dabei sicherstellen, dass Europas Nutztierhalter für ein nachweislich hohes Niveau an Tierschutz und Tiergesundheit angemessen entlohnt werden. Die steigenden Kosten wären einerseits von den Verbrauchern, aber auch von staatlicher Seite zu finanzieren.

Mit Material von dpa

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