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Wirtschaft

Atomdiskussion lässt Aktien für regenerative Energien steigen

bem
am
16.03.2011

Hamburg/Münster/München - Der weltweite Aktienindex für regenerative Energien RENIXX World ist infolge der Reaktorkatastrophe in Japan in die Höhe geschossen.

Die Energiewende stimmt die Windkraft-Industrie äußerst optimistisch. © Christian Wöller/aboutpixel.de
Wie das Internationale Wirtschaftsforum Regenerative Energien IWR berichtet, hält der Höhenflug der Aktien für Regenerative Energien weiter an. Die Sicherheitsdebatte um die Atomenergie lies das Börsenbarometer gestern weiter um 4,46 Prozent klettern. Bereits am Montag hatte der RENIXX (Renewabl Energy Industrial Index), der 30 weltweit führende börsennotierte Unternehmen abbildet, um über fünf Prozent zugelegt.

Solar- und Windkraftaktien schießen nach oben

Die Aktien für Solar- und Windenergie konnten sich heute laut Handelsblatt kaum vor Zuwächsen retten. Insbesondere die Anleger in Deutschland weichen auf Aktien von Unternehmen aus, die für eine alternative Energieversorgung stehen. Am heutigen Handelstag konnten wieder hohe zweistellige und sogar dreistellige Gewinne verzeichnet werden.
 
Erneut stehen mit SolarWorld (+18,6 Prozent, 11,32 Euro, Kurs Frankfurt) und Nordex (+14,7 Prozent, 8,59 Euro, Kurs Frankfurt) zwei deutsche Aktien an der Spitze der RENIXX-Gewinner. Bereits am Vortag sorgten beide Titel mit kräftigen Kurssprüngen für Aufsehen. Zu den weiteren Gewinnern zählen der chinesische Windenergieanlagen-Hersteller Goldwind (+13,2 Prozent, 1,39 Euro), das US-amerikanische Solarunternehmen SunPower (+11,4 Prozent, 11,58 Euro) sowie der französische Regenerativ-Energie-Erzeuger EDF Energies Nouvelles (+10,2 Prozent, 35,35 Euro).

Preisrallye an der Leipziger Energiebörse

Die Abschaltung sieben deutscher Atomkraftwerke führt laut der GeVestor Financial Publishing Group zu steigenden Energiepreisen. Die Strompreise an der Leipziger Energiebörse spielen verrückt und die Kurse für CO2-Zertifikate ziehen an. Kostete am vergangenen Freitag die Megawattstunde Strom zur Lieferung im zweiten Quartal noch rund 50 Euro, schnellte der Preis am Dienstag in der Spitze auf rund 62 Euro in die Höhe. In etwa um den gleichen Betrag verteuerten sich Kontrakte zur Lieferung im kommenden Jahr und für das Jahr 2013.

Video: Franz Alt: Kompletter Umstieg auf Erneuerbare Energien in 25 Jahren möglich

Japan muss mehr Gas und Kohle importieren

Wie das manager magazin berichtet, trägt auch der Ausfall der Atomkraftwerke in Japan indirekt zur Verteuerung der Energiepreise bei. Um die Stromversorgung sicherzustellen, muss das Land jetzt deutlich mehr Kohle und Gas zur Stromerzeugung importieren, was den Weltmarktpreis dieser Rohstoffe mit in die Höhe treibt. Damit verteuere sich auch die Stromproduktion hiesiger Kohle- und Gaskraftwerke. Die Entscheidung, sieben ältere Meiler vorerst für drei Monate vom Netz zu nehmen, wird zu keinem Zeitpunkt zu einem Stromengpass führen, versichert die Bundesregierung. Zahlreiche Kraftwerke, die den Strom zwar teurer produzieren als Kernkraftwerke, könnten jederzeit zugeschaltet werden.

Preise für CO2-Verschmutzungsrechte erreichen Höchtsstand

Durch die dreimonatige Stilllegung der AKW sind zusätzliche Verschmutzungsrechte für rund zehn Millionen Tonnen CO2 erforderlich, um die Kapazitäten der Kernkraftwerke durch Kohle- und Gaskraftwerke abzufangen, berichtet das manager magazin. In der Konsequenz steigen die Preise für die Verschmutzungsrechte. Die CO2-Preise erreichten am Dienstag den höchsten Stand seit zwei Jahren.

Auch Preise am Großhandelsmarkt steigen

Und noch ein Umstand treibt die Preise an der Strombörse: Da die KKW-Betreiber ihre Strommengen in der Regel bis zu drei Jahre im Voraus am Terminmarkt verkaufen, wird der Großhandelsmarktpreis durch Ersatzbeschaffungen zusätzlich verteuert. "Obwohl die KKW-Kapazitäten wegfallen, bleiben die Lieferverpflichtungen bestehen. Die KKW-Betreiber müssen dann den Strom am Großhandelsmarkt zu gestiegenen Preisen zurückkaufen", sagt Experte Federico, Chef des auf die Energiewirtschaft spezialisierten Analysehauses Energy Brainpool im Gespräch mit manager magazin.    
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