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Umwelt

Aufholbedarf für die biologische Vielfalt

von , am
26.03.2014

Berlin - Die Bundesländer versagen beim Schutz der Artenvielfalt. Das ist das Ergebnis einer vergleichenden Länderanalyse von BUND und NABU.

In keinem der 13 untersuchten Bundesländer - die drei Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen wurden nicht berücksichtigt - werden Tiere, Pflanzen und Lebensräume so geschützt, dass der Verlust der Artenvielfalt in Deutschland bis 2020 gestoppt und gefährdete Lebensräume wieder hergestellt werden können.
 
In zehn von 13 Bundesländern ist weniger als ein Drittel der Naturschutzziele erreicht worden; nur in Brandenburg, Hessen und im Saarland sehen die Naturschützer erste Fortschritte beim Schutz seltener Arten; das gilt leicht abgeschwächt auch für Baden-Württemberg.

Bundesweit keine Ampel auf "Grün"

Nach den Ergebnissen haben die Länder beschlossene Schutzmaßnahmen nur unzureichend umgesetzt und für den Artenschutz zu wenig Geld bereitgestellt. Die Bundesländer hätten insbesondere beim Schutz von naturbelassenen Wäldern und bei der Einrichtung neuer, streng geschützter Wildnisgebiete versagt. Die Umweltverbände haben in der Länderanalyse 13 Bundesländer dahingehend überprüft, in welchem Umfang diese ihre politisch gesetzten Naturschutzziele bisher erreicht haben. Dabei schreiben BUND und NABU zehn Ländern in der Gesamtbewertung eine "rote Ampel" zu; für kein Bundesland ist eine "grüne Ampel" vergeben worden. Mit gelb beurteilten sie Brandenburg, Hessen und das Saarland. Dort seien entweder die Managementplanung der Natura-2000-Schutzgebiete besonders weit fortgeschritten, der Flächenanteil der Naturschutzgebiete vergleichsweise gut oder die Ausweisung und Sicherung von Naturwäldern und Wildnisgebieten auf einem vergleichsweise guten Weg. Auch der Anteil des Ökolandbaus stehe hier im bundesweiten Vergleich mit an der Spitze.

Zu wenig Geld für Artenschutz

Der BUND-Vorsitzende Prof. Hubert Weiger bezeichnete es als "Armutszeugnis", was die Länder beim Schutz der Artenvielfalt vorweisen könnten. Aus seiner Sicht fehlen jegliche Ambitionen, um die selbst gesteckten Ziele beim Erhalt wertvoller Arten und Lebensräume zu erreichen.
 
Positive Ansätze in einzelnen Bundesländern könnten nicht über den "kläglichen Gesamtzustand" des Naturschutzes in Deutschland hinwegtäuschen, betonte Weiger. Er wies darauf hin, dass die Flächenversiegelung durch Industrie- und Verkehrsbauten sowie die industrielle Landwirtschaft weiter voranschreite. Umgepflügt würden sogar bedrohte artenreiche Wiesen und Weiden in Schutzgebieten. Durch den Einsatz von Pestiziden und die damit verbundene Vernichtung von Insekten befänden sich Bienen und Amphibien weiter auf dem Rückzug.

Gemeinsame Naturschutzinitiative starten

NABU-Präsident Olaf Tschimpke rief die Länder auf, eine gemeinsame Naturschutzinitiative mit dem Bund zu starten, die echte Fortschritte für die biologische Vielfalt ermögliche. "Der Schutz der Arten und Lebensräume muss ein Kernanliegen der Landesregierungen werden. Erforderlich ist dafür auch eine ausreichende finanzielle Ausstattung", unterstrich Tschimpke. Zudem müssten die Länder bei der Umsetzung der Agrarreform ihren Widerstand gegen mehr Naturschutz aufgeben. Der Artenverlust könne bis 2020 nur gestoppt werden, wenn Schutzmaßnahmen tatsächlich konsequent vor Ort durchgeführt würden. Das bedeute auch, dass das europäische Schutzgebietsnetzwerk "Natura 2000" von den Ländern endlich ernst genommen werden müsse. Für alle dafür in Frage kommenden Gebiete müssten entsprechende Managementpläne erstellt und umgesetzt werden, so der NABU-Präsident. Auch forderte er mehr Transparenz im Umgang mit Naturschutzdaten und Zahlen über die Finanzmittel.

Personalmangel im Bereich Naturschutz

Die Vorsitzenden der baden-württembergischen Landesverbände von BUND und NABU, Brigitte Dahlbender und Andre Baumann, erklärten mit Blick auf die Länderanalyse, dass die grün-rote Landesregierung den Naturschutz zwar deutlich vorangebracht habe; allerdings habe sie die Versäumnisse der Vorgängerregierungen in zweieinhalb Jahren nicht aufarbeiten können. Sie sehen im Ländervergleich einiges an Aufholbedarf. Ein wesentlicher Grund für das schlechte Abschneiden des Südwestens ist aus ihrer Sicht der Personalmangel im Bereich Naturschutz. Die nordrhein-westfälischen Landesverbände von BUND und NABU betonten, dass Nordrhein-Westfalen vor allem beim Schutz des Grünlandes in Schutzgebieten, der Einrichtung neuer, streng geschützter Wildnisgebiete und der Förderung des Ökolandbaus versage. Positiv sei, dass etwa 7.900 Hektar Wildnisgebiete im Staatswald ausgewiesen worden seien, die der natürlichen Waldentwicklung dienten; hier habe das Land große Anstrengungen unternommen, um das fünf Prozent-Ziel zu erreichen.
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