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Spendensammlung

Aufreger: DEVK unterstützt Stalleinsteiger mit Spendenaufruf (Update)

Einbruchswerkzeug
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Sabine Leopold, agrarheute
am
06.11.2017

Die DEVK-Versicherung sammelt in einem eigens dafür eingerichteten Projekt Geld für die Tierrechtler von Animal Equality. Erklärtes Ziel: der Kampf "gegen die Tierhaltung in Mastbetrieben und Schlachthäusern". (Update: 6. November, 15 Uhr)

Die DEVK, eine der größten Versicherungsgesellschaften Deutschlands, ruft seit Sonntag unter anderem via Facebook dazu auf, Geld für die Tierrechtler von Animal Equality zu spenden. Deren "Aufklärung" zum Thema Massentierhaltung und ihr Kampf "gegen die Tierhaltung in Mastbetrieben und Schlachthäusern" sei wichtig, aber ziemlich teuer, weswegen die DEVK-Kunden doch bitte recht tief in die Taschen greifen möchten. Unterstützt werden solle vor allem die Verbreitung von (teils höchst fragwürdigen) Stallaufnahmen per Virtual Reality.

Spendensammelseite im Tierrechtler-O-Ton

Auf der eigens eingerichteten Spendensammelseite der DEVK heißt es: "Animal Equality ist eine internationale Organisation, die gemeinsam mit Gesellschaft, Politik und Unternehmen daran arbeitet, Grausamkeit in der Massentierhaltung zu beenden. Durch Undercover-Recherchen, Virtual-Reality-Projekte, medienwirksame Aktionen und Bildungskampagnen will Animal Equality einen langfristigen sozialen Wandel herbeiführen und eine Welt schaffen, in der alle Tiere Mitgefühl und Achtung erfahren."

Das meint agrarheute dazu

Dass Deutschlands drittgrößter Hausrats- und sechstgrößter Haftpflichtversicherer (Wikipedia lt. DEVK-Geschäftsbericht 2016) damit aktiv Stalleinsteiger fördert, die nicht selten Schäden in erheblicher Höhe hinterlassen, scheint ein – sagen wir – erfrischendes Geschäftsmodell zu sein. Vor allem, wenn man davon ausgeht, dass die ständige Bedrohung durch nächtliche "Besucher" viele Landwirte dazu bewegt, sich, ihre Familien und ihr Eigentum stärker abzusichern.

Bleibt die Frage, ob die DEVK auch die Rechtsschutzversicherung für die fleißigen "Undercover-Rechercheure" übernimmt und was so ein Rundum-Sorglos-Paket für Stalleinsteiger kostet.

Stellungnahme der DEVK

agrarheute hat die DEVK in einem Brief mit acht Fragepunkten (siehe unten) um eine Stellungnahme zu der Spendensammelaktion gebeten. Unter anderem wollten wir wissen, inwieweit die Formulierungen der Unternehmensphilosophie entsprechen, wieviel landwirtschaftliche Expertise in dem Versicherungsunternehmen vorhanden ist, ob es auch Rücksprache mit Landwirten zu den Vorwürfen gab und was die DEVK eigentlich unter Massentierhaltung versteht.

Die knappe Antwort, die uns am frühen Nachmittag erreichte, entsprach weitestgehend dem bereits bei Facebook veröffentlichten Text und ließ auch im Weiteren wenig Verständnis für die Problematik erkennen. Stattdessen fabuliert das Unternehmen verwaschen, dass die Landwirtschaft natürlich ein wichtiger Teil unserer Gesellschaft sei und man die Tierhaltung im Allgemeinen keinesfalls angreifen wolle. Von kriminellen Handlungen distanziere man sich. Wie das aussehen soll, wenn man Stalleinsteigern finanzielle Unterstützung verschafft, erklärt die DEVK nicht. Doch lesen und urteilen Sie selbst:

"Es tut uns sehr leid, dass sich viele Menschen durch unseren Post zu Animal Equaliy angegriffen fühlen. Es geht uns auf keinen Fall darum, die Landwirtschaft oder Tierhaltung im Allgemeinen anzugreifen. Dennoch sind Missstände in der Massentierhaltung in manchen Betrieben ein Problem. Unser Post soll Leute für dieses Thema sensibilisieren. Dabei distanzieren wir uns ausdrücklich von kriminellen Handlungen.

Als Versicherer liegen unsere Kompetenzen weder im Bereich der Landwirtschaft noch im Tierschutz. Mit unserem Spendenaufruf weisen wir auf eins von insgesamt über 160 Projekten auf unserer Spendenplattform hin. Wir unterstützen damit gemeinnützige Vereine, die auf diesem Weg Spenden sammeln – vor allem für Projekte in den Bereichen Kinder, Gesundheit und Lebenshilfe.

Die Vereine stellen ihre Projekte auf unserer Spendenplattform selbst vor. Insofern stammen die Formulierungen auf der Seite http://www.pack-mit-an.de/projects/57392 direkt von Animal Equality und nicht von uns.

Wir wissen es sehr zu schätzen, dass sich die Bedingungen der Tierhaltung in den letzten Jahrzehnten verbessert haben. Die Landwirtschaft ist ein wichtiger Teil unserer Gesellschaft und wir hoffen auf eine bessere Zukunft für Landwirte und Tiere."

Wir finden, Achtung vor Landwirten und ihrer Arbeit sieht anders aus.

 

Hier können Sie unsere Fragen an die DEVK nachlesen:

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