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Wirtschaft

Aufreger Lidl: 'Scheinheilige Imagekampagne'

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Katharina Krenn , agrarheute
am
26.10.2015

Lidl schreibt sich seit neuestem 'Tierwohl' groß auf die Fahne. Der Discounter wirbt mit besseren Standards in der Tierhaltung. Von mehr Geld für die Erzeuger ist nicht die Rede. Viele halten das für scheinheilig.

Vergangene Woche kündigte der Discounter Lidl an, "signifikante Verbesserungen in der Tierhaltung über die heute gültigen Standards hinaus vorantreiben" zu wollen. Laut dem "Positionspapier für den nachhaltigen Einkauf", das Lidl im Rahmen dessen veröffentlichte, sollen einige tierische Produkte aus dem Sortiment der Lidl- Eigenmarken aus Erzeugung mit verbesserten Tierwohl- und Haltungsstandards kommen.
 
Auf die Nachfrage von agrarheute.com, inwieweit sich dies auf die Erzeuger bzw. Einkaufspreise auswirkt, hat der Lidl-Pressesprecher sich nicht äußern wollen. Stattdessen verwies das Unternehmen auf die Teilnahme an der Initiative Tierwohl und die Erhöhung des Tierwohlbeitrags von vier auf sechs Cent. Auch zu der Frage, inwieweit sich die Ankündigungen und Maßnahmen in dem Positionspapier von den Teilnahmebedingungen an der Initiative Tierwohl unterscheiden, gab Lidl keine Auskunft.

'Kosten werden von Tierhaltern getragen'

"Dass Discounter, die Eier, Milch und Fleisch massenhaft zu besonders niedrigen Preisen handeln, verstärkt mit Tierwohl werben, halte ich für scheinheilig", kritisierte die Landesbeauftragte für Tierschutz in Baden-Württemberg, Dr. Cornelie Jäger, die Ankündigung des Discounters Lidl. Mehr Tierschutz für Hühner, Schweine und Rinder verursache Kosten, die laut Jäger im Augenblick nahezu alleine von den Tierhaltern getragen werden müssten.
 
Wenn man außerdem genauer hinsehe, dann enthalte die neueste Erklärung von Lidl eine Ansammlung von Selbstverständlichkeiten, die nichts mit tatsächlich und flächendeckend höheren Tierwohlstandards zu tun haben. "Erst wenn die Discounter angemessene Preise für Eier, Milchprodukte und Fleisch zahlen, darf man solchen Versprechungen glauben schenken", fasste die Tierschutzbeauftragte ihre Kritik zusammen. 

Landwirte sind genervt

Auch in den Social-Media-Kanälen sorgte das Lidl-Positionspapier für reichlich Zündstoff. Auf facebook kommentierten Leser die Ankündigung des Discounters mit "Witz des Tages", "typisches Marketing-Geschwätz ohne klare Fakten" und "das gibt's nicht zum Nulltarif". Empört zeigten sich User auch ob der Tatsache, dass die Vergütung in dem Positionspapier keinerlei Erwähnung findet. Ein Landwirt kommentierte: "Wie wäre es mit bezahlen?? Ich zahle als Ferkelerzeuger nämlich drauf und bin bei Tierwohl auf Warteplatz 1.600 irgendwas."
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