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Wirtschaft

Aufreger Tierwohl Initiative: Bauern bleiben auf Kosten sitzen

Krenn
am
07.05.2015

Von den 4.650 registrierten Landwirten können nur weniger als die Hälfte an der Initiative Tierwohl teilnehmen. Das sorgt für Stunk. Zumal 83 Prozent bereits alle Kriterien erfüllen. Mißtrauen und Betrugsverdacht sind die Folge.

Nachdem sich mehr als doppelt so viele Landwirte (4.653) für die Teilnahme zur Initiative Tierwohl Schwein angemeldet haben, als der Fond tragen kann, steht der Trägerverein vor einem Problem. 2.511 Landwirte fühlen sich betrogen, denn mehr als 83 Prozent der Bewerber sind für die Teilnahme in Vorleistung gegangen. Auch das Losverfahren sorgt für Unmut. Schaut man sich die Zahlen genauer an, sieht es so aus, als ob mehrheitlich die größeren Betriebe "das große Los" gezogen haben.
 

Betrug beim Losverfahren?

Die von Trägerverein veröffentlichten Zahlen über die zugelassenen Betriebe lassen Zweifel an dem Auswahlverfahren wachsen. "Die ersten Rückmeldungen aus der Bauernschaft legen außerdem nahe, dass offenbar besonders viele kleine und mittlere Betriebe mit hohen Tierwohlstandards rausflogen.", äußerte sich die Fachreferentin Sabine Ohm von PROVIEH auf der Facebook-Seite des Bauernverbands Schleswig-Holstein. Zudem habe der Verein keine Angaben zu dem Ablauf des Losverfahrens gemacht. Die Referentin bei PROVIEH stellt sich hinter die enttäuschten Landwirte. Der Trägerverein dürfe die Landwirte, die Investitionen getätigt haben, jetzt nicht im Regen stehen lassen.

"Handel muss auf 8 Cent aufstocken"

Der Verein hat zwar angekündigt den Fond zu erweitern und mehr Finanzierungspartner wie Metro, Globus oder Norma zu gewinnen. Doch das reiche laut Ohm bei Weitem nicht aus.
 
"Die Teilnehmer müssen ihre Abgabe an den Fonds auch sofort von vier auf acht Cent pro Kilogramm verkauftem Schweinefleisch verdoppeln. Das ist immer noch ein sehr geringer Betrag, den die Verbraucher nicht spüren werden.", so Ohm. Ein User kommentiert dazu: "man zeigt damit doch nur auf, dass die ganzen Bemühungen nicht auf der grünen Seite, sondern beim LEH bzw. den Verbrauchern scheitern."

"100 % Tierwohl für 50 % Entlohnung"

Auch die Politik meldet sich zu Wort und kritisiert die Verantwortlichen. Friedrich Ostendorff, stellvertretender Vorsitzender des Agrarausschusses in Berlin sagt dazu: "Der LEH fordert 100 Prozent Tierwohl-Fleisch und entlohnt Bäuerinnen und Bauern nur zu 50 Prozent. Ich begrüße sehr, dass der LEH den Verbrauchern eine größtmögliche Fleischqualität bieten möchte, doch dafür müssen die Produzenten auch dementsprechend entlohnt werden. Einerseits wird mit der Wohltat für das Tierwohl sowie der Entlohnung der Bäuerinnen und Bauern geworben, doch der Fonds – für den der LEH allein verantwortlich ist – reicht nur für die Hälfte derjenigen Betriebe, die gewillt sind mitzumachen. Die andere Hälfte geht leer aus, nachdem sie schon viel Geld investiert hatte."

Warteliste liegt beim Bündler

Die Trägergesellschaft hat gegenüber dem Interessensverband ISN erläutert, dass es beim Losverfahren keine Quotierung oder sonstige Auswahlverfahren gegeben hat. Allen Betrieben mit demselben Anmeldedatum und Umsetzungszeitpunkt wurden mittels eines Zufallsgenerators Zufallszahlen zugewiesen. Die Platzvergabe auf der Warteliste erfolgte dann anhand der Sortierung nach der Größe der Zufallszahlen. Die aktuelle Warteliste wurde aktuell von der Trägergesellschaft an die Bündler verschickt. Betriebe, die auf der Warteliste stehen, können nun bei ihrem Bündler erfragen, an welcher Position sie sich konkret befinden.
 

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