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Umwelt

Aufreger Wolf: Abschuss oder Naturschutz?

von , am
25.02.2015

Es mehren sich Hinweise von verhaltensauffälligen Wölfen. Verlieren die Tiere langsam die natürliche Scheu? Reine Panikmache oder ernsthafte Bedrohung? Der Problemwolf avanciert zum Reizthema.

Vergangenes Jahr wurden zwei enthauptete Wölfe gefunden. Wurden Sie zur Jagdtrophäen? © Jens Bredehorn/pixelio.de
Am vergangenen Wochenende griff ein Wolf im Kreis Herzogtum Lauenburg (Schleswig-Holstein) eine Schafsherde an und verletzte vier Schafe. Das Besondere dabei ist nicht unbedingt der Nutztierriss als solches, sondern die Tatsache, dass der Wolf keine Menschenscheu zeigte. Denn der Räuber ließ sich nicht aus der Schafherde vertreiben. "Obwohl sich die vor Ort befindlichen Personen dem Tier auf unter zehn Meter näherten, gelang es erst nach einiger Zeit, den Wolf von den Schafen zu trennen und zu vertreiben.", berichtet das Wolfsinformationszentrums Schleswig-Holstein.
 
"Aufgrund der Verhaltensauffälligkeit und der hierdurch zu befürchtenden Gefahren, die von dem Tier ausgehen könnten", erteilte das Ministerium dem zuständigen Wolfsbetreuer die Genehmigung, das Tier mit Gummigeschossen zu verscheuchen oder es in letzter Konsequenz zu töten.

Panikmache oder Gefahr?

Dieser Vorfall ist Wasser auf die Mühlen der Wolfsgegner. Sie sehen eine zunehmende Gefahr und fordern eine Eindämmung des Grauhunds in unseren Breiten. Fakt ist, dass sich die Meldungen von ungewöhnlichen Wolfsbegegnungen in letzter Zeit zu häufen scheinen. Die Meldung von einer Frau, die nach einer Begegnung mit einem Wolfsrudel einen Nervenzusammenbruch erlitt, sorgte erst in der letzten Woche für Aufregung. Die Wolfsbefürworter reden von "reiner Panikmache".
 
Ein Streit entbrannte auch über den Artikel der Fachzeitschrift JÄGER, die zu dem Vorfall titelte: "Wölfe jagen Spaziergängerin - Frau kollabiert". Der Wolfsberater Uwe Martens, der den Fall betreute, hat daraufhin Anzeige gegen den Chefredakteur der Zeitschrift erstattet. Er sei in dem Artikel falsch zitiert worden und der Sachverhalt sei falsch dargestellt. Auch die betroffene Spaziergängerin meldete sich zu Wort und stellte gegenüber dem NDR klar, dass die Tiere sie nicht bedroht hätten.

Streit um den Wolf

Auch in den sozialen Netzwerken wie landlive.de diskutieren die User das Thema Wolf hitzig: "Ich persönlich, habe ja nichts gegen den Wolf an sich. Aber ein Wolf gehört in die Wildnis und in Deutschland haben wir keine Wildnis mehr, sondern nur Nutzfläche! Also brauchen wir hier auch keinen Wolf."
 
Ein anderer argumentiert: "Warum soll sich immer alles andere an den Menschen anpassen? Der Mensch ist doch Meister der Anpassung, also werden wir uns wohl auch an den Wolf anpassen können. Der hat es schon schwer genug. Zweibeiner passen überhaupt nicht in sein Beuteschema, es gibt massig Wild in unseren Wäldern…"
 
"Die meisten die für den Wolf argumentieren sind idR Menschen die sich nie mit dem Wolf direkt auseinander setzen müssen. In meiner Umgebung sind die meisten Dörfer zwischen 50-300 Einwohner groß. Ich kenne keinen der sich den Wolf wünscht. Hier ist alles offen... Rinder, Schweine, Schafe, Hühner laufen hinter jedem Haus. Wenn wir das Wolfsproblem nicht sofort an der Wurzel packen, werden wir uns von diesem Bild verabschieden können. Es gibt keinen Zaun der ein Wolfsrudel aufhält, die Bürokratie dahinter ist jetzt schon überfordert. Dann gibt's nur 2 Möglichkeiten: Alles auf ewig in den Stall oder Feierabend mit der Tierhaltung."
 

Wolfsichtungen: Der Wolf tappt in die Fotofalle

Wolf
Am 7. Januar 2015 begegnete einem Förster in der Nähe von Munster (Niedersachsen) ein achtköpfiges Wolfsrudel. Glücklicherweise hatte er seine Kamera dabei. © R. de Mol
Wolf
Im Juli 2014 konnte mit einer Fotofalle diese Aufnahme eines Wolfspaares im Landkreis Cuxhaven (Niedersachsen) gemacht werden. © Landesjägerschaft Niedersachsen / Olaf Kuball
Wolf
Bei diesem Fallen-Schnappschuss handelt es sich um einen Wolf aus dem Nieskyer Rudel. Es bewohnt das Gebiet im Landkreis Niesky in der Oberlausitz (Sachsen). 2014 sollen mindestens 4 Welpen geboren worden sein. © LUPUS/Institut für Wolfsmonitoring und -forschung
Wolf
Im Juli 2014 wurden zwei Jährlinge des Nochtener Rudels abgelichtet. Das Rudel lebt vorwiegend im Tagebaugebiet Reichwalde in der Oberlausitz. Bei sogenannten Jährlingen handelt es sich um einjährige Jungtiere. © LUPUS/Institut für Wolfsmonitoring und -forschung
Wolf
Einsamer Wolf? Eher nicht - dieser Grauhund stammt vom dem Nochtener Rudel aus der Oberlausitz. Er tappt Ende November 2014 in die Fotofalle. © LUPUS/Institut für Wolfsmonitoring und -forschung
Wolf
7. März 2016: Im nördlichen Landkreis Starnberg ist letzte Woche am Montag ein Wolf fotografiert worden. Die Aufnahme stammt von einer routinemäßigen Kontrolle der automatischen Kamera. Das Tier weist dem Bayerischen Landesamt für Umwelt zufolge wolfstypische Merkmale hinsichtlich Färbung und Proportionen auf, die es eindeutig von einem Hund unterscheiden. Das Landesamt für Umwelt soll aktuell die Aufnahme auswerten. © BLU
Wolf
Anfang Mai 2016 fotografierte ein Autofahrer diesen Wolf. Es ist der erste Bildnachweis aus Baden-Württemberg. Der Grauhund wanderte auf der Baarhochmulde zwischen Schwarzwald und Schwäbischer Alp. © privat/FVA
Wolf
April 2016: Bei der Kontrolle einer Wildtier-Kamera im Nationalpark Bayerischer Wald (Landkreis Regen) wurde dieses Foto entdeckt. Die Aufnahme vom 17. April zeigt eindeutig einen Wolf: das Tier weist wolfstypische Merkmale hinsichtlich Färbung und Proportionen auf. © NPVBW
Wolf
Juli 2016: Im Raum Göhrde, Landkreis Lüchow-Dannenberg, konnte das neunte Wolfsrudel in Niedersachsen nachgewiesen werden. Seit dem Jahr 2015 war dort ein territoriales Paar bestätigt, nun gelang mittels Fotos der Nachweis von mindestens sechs Wolfswelpen. © Gerhard Stark/LJN
Wolfswelpen
September 2016: In der Ueckermünder Heide tappten diese drei Wolfswelpen in die Fotofalle. © Bundesforstbetrieb BImA/Jüttner
4 Wolfswelpen
August 2016: Auf der Naturerbe-Bundesfläche Lübtheener Heide nahm eine Fotofalle diesen Schnappschuss mit 4 Welpen auf. © BFB/Trave/BImA/N. Stier
Wolf mit Waschbär
Dezember 2016: Ein Spaziergänger fotografierte diesen Wolf mit Waschbär-Beute im Maul am Waldrand von Afferde bei Hameln. © Thomas Fietzek
Wölfe
Januar 2017: In der Kalißer Heide tappten diese fünf Wölfe in eine Fotofalle. Die Aufnahme bestätigt nun offiziell die Existenz eines weiteren Wolfsrudels in Mecklenburg-Vorpommern. © Forstamt Kaliß
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