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Umwelt

Ausgleichszahlungen: Landwirtschaft für Biodiversität entlohnen

von , am
01.09.2010

Greifswald - Mit 1,5 Milliarden bis 1,8 Milliarden Euro an Ausgleichszahlungen könnten 15 Prozent der deutschen Agrarfläche für eine besonders naturnahe Bewirtschaftung gewonnen werden.

Das hat Emeritus Dr. Ulrich Hampicke von der Universität Greifswald in einem Gutachten im Auftrag der Michael Otto Stiftung für Umweltschutz errechnet. Für den Schutz der Artenvielfalt hält Hampicke eine Ausdehnung extensiver Landnutzungsformen und eine Begrenzung der Intensivierung für nötig.

In einer betriebswirtschaftlichen Vergleichsrechnung ermittelte der Agrarökonom die notwendigen Zahlungen für den Ausgleich des entgangenen Deckungsbeitrages. Laut Hampicke müssten für extensiv bewirtschaftete Halbkulturlandschaft- und Traditionsgrünlandflächen jährlich 500 Euro je Hektar gezahlt werden. Für die Grünlandextensivierung müssten 1.000 Euro, für den Ackerwildkrautschutz 300 Euro und für vielfältige Strukturelemente 700 Euro je Hektar angeboten werden.

Gelder in zweiter Säule der EU-Agrarpolitik vorhanden

Die finanziellen Mittel sind nach Einschätzung Hampickes in der zweiten Säule der EU-Agrarpolitik vorhanden. Sie müssten nur umgeschichtet werden. Insgesamt könnten auf diese Weise eine Million Hektar Grünland und Halbkulturland extensiv beweidet oder naturverträglich gemäht werden, 400.000 Hektar intensiv genutztes Grünland in artenreiche Wiesen und Weiden umgewandelt sowie auf 300.000 Hektar Lebensraum für Ackerwildkräuter geschaffen werden. Auf 600.000 Hektar hoch produktivem Ackerland könnten Strukturelemente angelegt werden.

Biodiversität: Politik muss Mittel sinnvoll umverteilen

Michael Otto, der Gründer der gleichnamigen Stiftung und ehemalige Vorstandschef der Versandhandelsgruppe Otto, forderte die Politik auf, die Umverteilung der finanziellen Mittel im Interesse der Biodiversität zu gestalten. Nach Auffassung des Stifters müssen die materiellen Interessen der Landwirte ernst genommen werden. Otto plädierte für ein neues Bündnis zwischen Landwirtschaft und Naturschutz. "Landwirte sind aufgrund ihres Wissens und ihrer Erfahrung prädestiniert", das Ziel des Erhalts der Artenvielfalt am einfachsten und kostengünstigsten voranzutreiben, stellte Otto fest. (dlz agrarmagazin/leh)

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