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Wirtschaft

Außenwirtschaftstag: "Made in Germany" ist gefragt

se/pd
am
13.06.2012

Berlin - Am 4. Außenwirtschaftstag der Agrar- und Ernährungswirtschaft stand die Verantwortung der Unternehmen in einer globalisierten Welt im Mittelpunkt. Die Teilnahmerzahl war so hoch wie noch nie.

In Berlin fand gestern der 4. Außenwirtschaftstag der Agrar- und Ernährungswirtschaft statt. Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) hat gemeinsam mit dem Auswärtigen Amt und der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie mehr als 450 Teilnehmer empfangen.
Der Außenwirtschaftstag ist eine Diskussions-Plattform für Verantwortliche aus Wirtschaft, Politik und der Außenwirtschaftsförderung und verdeutlicht die vielfältigen Chancen und Potenziale auf Auslandsmärkten. Unter dem Motto "Fit for global Business" steht dieses Jahr die Verantwortung der Unternehmen in einer globalisierten Welt im Mittelpunkt.

Die Welt so sehen, wie sie ist

Der Bundesminister des Auswärtigen Amtes, Dr. Guido Westerwelle eröffnete den Kongress im Weltsaal des Auswärtigen Amtes: "Veredelte und hochqualitative Produkte aus deutschen Landen genießen im Ausland einen guten Ruf und prägen das positive Bild Deutschlands in der Welt", betonte Westerwelle zu Beginn seiner Rede. Die Globalisierung auf den Tellern habe längst stattgefunden.
 
Westerwelle wies darauf hin, die Welt so zu sehen, wie sie ist, und nicht wie sie war. "Die Gewichte auf der Welt verschieben sich". China sei innerhalb weniger Jahrzehnte zur zweitgrößten Wirtschaftsmacht der Welt aufgestiegen. Eine ähnliche Dynamik habe auch in Indien eingesetzt. Brasilien habe in diesem Jahr Großbritannien als fünftgrößte Volkswirtschaft der Welt überholt. Dabei gehe es nicht nur um die BRICS-Staaten (Brasilien, Russland, Indien China und Südafrika). Längst habe sich darüber hinaus eine Reihe von Staaten auf den Weg gemacht. Das gelte beispielsweise für Vietnam und Kolumbien. Wichtig sei es die Augen für diese Länder rechtzeitig zu öffnen und strategische Beziehungen aufzubauen. "Zum Einsteigen wird nicht geklingelt", mahnte Westerwelle.

Unterstützung für kleine und mittelständiche Unternehmen

Dr. Gerd Müller, parlamentarischer Staatssekretär im BMELV, kam als Vertretung für Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner. Hochwertige Produkte "Made in Germany" sind weltweit gefragt. Sie stehen für Qualität und Nachhaltigkeit. Damit Lebensmittel auch unter fairen Produktionsbedingungen hergestellt werden, auf die sich der Verbraucher verlassen kann, setzen wir ein Zeichen für verantwortliches Wirtschaften in einer globalisierten Welt", sagte Müller zum Auftakt.
 
Für ihn stand die Sicherung der Welternährung im Fokus. Das Menschenrecht auf Ernährung sei nicht verwirklicht, so Müller. Im Jahr 2050 rechne man mit neun bis zehn Milliarden Menschen auf der Erde, was eine Steigerung der Nahrungsmittelproduktion von 75 bis 100 Prozent bedeute. Eine ressourcenschonende Produktion, höhere Erträge, aber vor allem ein Umdenken der Verbraucher sei nötig, um die Welternährung zu sichern.
 
Damit deutsche Unternehmen auch in Zukunft neue attraktive Märkte in Industrieländern und aufstrebenden Schwellenländern erschließen können, brauchen sie die notwendigen Informationen und ein tragfähiges Netzwerk vor Ort. Das BMELV unterstützt insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen mit einer eigenständigen, sektorspezifischen Exportförderpolitik. Dazu zählen beispielsweise imagefördernde Maßnahmen für deutsche Produkte, Markterkundungsreisen deutscher Unternehmer in die Zielländer oder auch Reisen von ausländischen Einkäufern, Journalisten und Behördenvertretern in die Bundesrepublik.

Praxistaugliche Exportförderung für den Mittelstand

Dritter im Bunde der Eröffnungsrunde war Jürgen Abraham, Vorsitzender der Bundesvereinigung der deutschen Ernährungsindustrie. Abraham forderte Politik und Wirtschaft zum Handeln auf. Denn der Marktzugang zu den großen und aufstrebenden Wirtschaftsnationen würde oft durch unterschiedliche Standards und nicht-tarifäre Handelshemmnisse erschwert oder gar verwehrt. Er setzte sich ganz klar für eine Exportförderung des Mittelstands ein. Der Mittelstand brauche eine praxistaugliche, an seinen Bedürfnissen ausgerichtete Exportförderung – sonst werden wir im internationalen Wettbewerb zurückfallen. Die Mittelausstattung dafür aus dem Bundeshaushalt dürften nicht weiter zurückgefahren werden, so Abraham.
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