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Dorf und Familie

Autofahrer aufgepasst: Amphibienwanderung beginnt

Externer Autor ,
am
14.03.2011

Erfurt - Alljährlich wandern im Frühjahr Frösche, Kröten und Molche von ihren Überwinterungsquartieren zu den bis zu zwei Kilometer entfernten Laichgewässern.

Besondere Vorsicht ist bei Dunkelheit und regnerischem Wetter geboten. © dieter haugk/pixelio.de
Der exakte Beginn der Laichwanderung variiert von Jahr zu Jahr, zwischen Anfang März und Mitte Mai, und ist abhängig von der Bodentemperatur und Luftfeuchtigkeit. Vergangenes Jahr setzten die Wanderungen an den meisten Orten zwischen dem 20. und 25. März ein. Als Faustregel kann gelten, dass die Amphibienwanderungen bei Temperaturen über fünf Grad Celsius in Verbindung mit Regen besonders ausgeprägt sind.
 
Bei feuchter Witterung mit zugleich ansteigenden Temperaturen kann es vorkommen, dass viele Amphibien nahezu synchron aufbrechen, was dann im Umkreis wichtiger Laichgebiete zu Massenwanderungen führt. Problematisch sind die Querungen zu Verkehrsstraßen, sofern diese nicht durch dauerhafte Leiteinrichtungen mit Amphibiendurchlässen ausgestattet sind.

Ein gefährlicher Weg

Amphibien wandern sehr langsam. Daher werden sie beim Überqueren der Straße selbst bei wenig Verkehr oft überfahren. In diesen Fällen kann eine Absicherung durch Amphibienschutzzäune helfen. Es ist den örtlichen Amphibienkennern zu verdanken, dass die von den Wanderungen am stärksten betroffenen Straßenabschnitte recht präzise benannt werden können. Die Stellen werden während der Laichwanderungen in der Regel durch Verkehrsschilder, die auf die Amphibienwanderung hinweisen, gekennzeichnet.

Amphibienschutz vor Ort

Das Aufstellen und die Betreuung von mobilen Amphibienschutzzäunen gelingen nur dank einer Vielzahl von Helfern. Neben der Naturschutzverwaltung engagieren sich die Gemeinden, Vereine, Verbände sowie Privatpersonen. Aber auch Schulen, wie z.B. das Rhöngymnasium in Kaltensundheim, beteiligen sich seit vielen Jahren vorbildlich am Amphibienschutz. Insbesondere die aufwändige Betreuung an den Zäunen ist auf ehrenamtlich tätige Personen angewiesen, denn täglich müssen die angekommenen Amphibien eingesammelt und über die Straße getragen werden. Insbesondere bei Regenwetter haben die Helfer alle Hände voll zu tun.

Vorsicht bei Dunkelheit und Regen

Zur Sicherheit von Mensch und Tier ergeht an alle Autofahrer die Bitte, die mit entsprechenden Hinweisschildern gekennzeichneten Straßenabschnitte mit erhöhter Aufmerksamkeit und gedrosselter Geschwindigkeit zu passieren. Besondere Vorsicht ist bei Dunkelheit und regnerischem Wetter geboten. Der Freistaat Thüringen unterstützt das Aufstellen und die Betreuung von Amphibienschutzzäunen über das Förderprogramm „Naturschutz und Landschaftspflege“ (NALAP). Im vergangenen Jahr konnten so rund 42.000 Euro Fördermittel für die Betreuung von 135 Straßenabschnitten (Gesamtlänge von 52 Kilometern) gewährt werden. Damit wurden über 190.000 Amphibien sicher über die Straße gebracht.

Bedeutendste Wanderstrecken

Landesweit bedeutende Wanderstrecken gibt es in allen Teilen Thüringens. Meist kommen pro Schutzzaun 1.000 bis 3.000 wandernde Amphibien an. Spitzenreiter ist das Teichtal bei Hainrode (Landkreis Nordhausen). Hier wurden im vergangenen Jahr entlang einer Zaunlänge von nur 750 Metern rund 38.000 Molche gezählt, darunter 2.700 der europaweit streng geschützten Kammmolche. Am Speicher Jüchsen (Landkreis Schmalkalden-Meiningen) waren es auf 1.300 Meter Länge rund 12.000 Erdkröten und 10.000 Teichmolche. Auch an den Cumbacher Teichen bei Ernstroda (Landkreis Gotha) wurden über 10.000 Amphibien, darunter über 4.000 Erdkröten, über 4.000 Teichmolche und fast 2.000 Frösche durch den Schutzzaun vor dem Straßentod bewahrt. Am häufigsten wird am Schutzzaun die Erdkröte registriert (etwas über die Hälfte aller wandernden Amphibien), an zweiter Stelle kommt der Teichmolch (rund ein Drittel) und an dritter Stelle der Bergmolch (rund 10 Prozent).

Leben in Tümpeln und Teichen

Frösche, Molche und Kröten benötigen zur Fortpflanzung Laichgewässer, in denen sie je nach Art wenige Hundert bis mehrere Tausend Eier ablegen. Neben der Absicherung der Laichwanderungen sind daher Erhalt und Instandsetzung von geeigneten Tümpeln und Teichen wichtigste Voraussetzungen für einen wirksamen Amphibienschutz. Der Freistaat unterstützt mehrere Projekte, die den Zustand der Laichgewässer verbessern sollen. Das größte Projekt läuft aktuell in der Pleißeaue im Altenburger Land, wo mehrere Kleingewässer geschaffen oder wieder hergestellt werden. Damit sollen u.a. gefährdete Arten wie der Laub- und Moorfrosch vor dem Aussterben bewahrt werden. (pd)
  • Weitere Informationen zu und Bilder von speziellen Amphibienarten: www.tlug-jena.de 
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