Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Diskussion

Bäuerin oder Landwirtin? So sehen sich Agrarfrauen

Landwirtin Bäuerin
am Donnerstag, 11.03.2021 - 07:00 (Jetzt kommentieren)

Verstaubtes Klischee oder stolze Powerfrau? Der Begriff „Bäuerin“ sorgte für eine lebhafte Diskussion in der agrarfrauen Community.

Nur jede zweite Frau würde sich selbst als Bäuerin bezeichnen, so das Ergebnis der kürzlich veröffentlichten bayerischen Bäuerinnen-Studie. Einige der Befragten verbinden negativ geprägte Adjektive mit der Bezeichnung „Bäuerin“ wie: „altbacken“, „kein Beruf“, „aussterbend“, „alte Frau“. 90 Prozent der befragten Frauen haben den Eindruck, dass der Beruf der Bäuerin im Vergleich zu anderen Berufen als niedriger eingeschätzt werde.

In der agrarfrauen Community sorgte das Thema Berufsbezeichnung für ordentlich Gesprächsstoff. Es kursierte die Frage: Wer nennt sich eigentlich „Bäuerin“ und warum? Und ist die Bezeichnung nicht mehr zeitgemäß oder hat sie nur ein schlechtes Image.

Bezeichnung: Bäuerin oder Landwirtin?

Die meisten waren sich darin einig, dass Landwirtin ein Lehrberuf ist. Daher würden sich einige Frauen auch nicht als Landwirtin bezeichnen, auch wenn sie auf einem landwirtschaftlichen Betrieb arbeiten.

„Landwirtin würde ich mich nie nennen, da ich die Berufsausbildung nicht habe. Mit "Bäuerin" tue ich mir aber schwer wegen des verstaubten Images, das dem Begriff anhaftet“, so die Meinung einer Diskussionsteilnehmerin. „Für mich ist gedanklich eine Bäuerin eine Frau, die einen Landwirt geheiratet hat“, so eine weitere Wortmeldung. Dazu schreibt eine andere Agrarfrau: „Ich habe keine landwirtschaftliche Ausbildung, aber den Hof. Ich bin Bauersfrau und stehe dazu.“

Eine Agrarfrau fragt in die Runde: „Was, wenn ich Ingenieurin bin, aber im Betrieb mitarbeite. Ich bin ja fachlich nicht schlechter gestellt, nur eben keine Landwirtin. Auf dem Hof kennt man mich als - Frau vom Chef - wie geht man damit um? Drüberstehen?"

„Bäuerin klingt für mich schon sehr veraltet, damit kann ich mich nicht identifizieren. Landwirtin klingt viel zeitgemäßer“, schreibt ein Communitymitglied.

"Ich kenne das aus dem Osten so, dass man "Bäuerin" eher als altmodisch und abwertend empfand. "Landwirtin" klang moderner und weil kaum jemand noch einen eigenen Betrieb hatte, war's auch passender."

Berufung statt Beruf

Viele verbinden im Zusammenhang mit der Bezeichnung Bäuerin den Begriff Berufung. "Bäuerin - eine Bezeichnung die für so viel "mehr" steht. Sie steht für mich vor allem für Berufung, Werte, Stolz, Familie, Zusammenhalt und Leidenschaft am Beruf!"

Eine andere schreibt: "Bäuerin ist der Allrounder des Betriebes, überall einsetzbar und deshalb nehme ich den Begriff für mich selber sogar gern, weil er einfach alles über meine Tätigkeit aussagt."

"Ich werde öfter als „Landwirtin“ bezeichnet. Das finde ich immer sehr unpassend. Zum einen habe ich das nicht gelernt habe. Zum anderen habe ich den Beruf Tierärztin gelernt, und nur weil ich jetzt im Betrieb arbeite, bleibt mir der ja. Ich bin auch als „Tierärztin“ und eben nicht als „Tier- oder Landwirtin."

"Ich bin Bäuerin, weil ich den Beruf der Landwirtin nicht gelernt hab. Da ich aber einen technisch/handwerklichen Beruf gelernt habe und den Tierbereich als Betriebsleiterin führe, nebenher die Betriebswirtschaft auch manage, inklusive Finanzen, bin ich auch Landwirtin."

"Ich finde, dass man den Begriff Bäuerin auch stolz, modern und selbstbewusst interpretieren kann! Für mich ist es auch unerheblich, ob erlernt oder nicht. Wer von der Scholle lebt, ist in meinen Augen Bauer/Bäuerin", kommentiert Heike Müller, Vizepräsidentin des Bauernverbands Mecklenburg-Vorpommern.

"Über das Thema diskutieren Frauen schon seit 20 Jahren. Das war damals schon im "Bäuerinnentreff" ein heißes Eisen, weil die meisten jüngern Frauen sich mit dem Begriff überhaupt nicht identifizieren wollten - grad weil er so mit Role-Model-Tradition-Erwartungshaltung aufgeladen ist", erklärt eine Agrarfrau.

Begriff Bauer oder Bäuerin im Lexikon

Im i.m.a. AgriLexikon (information.medien.agrar e.V.) steht zum Begriff Bauer/Bäuerin:

Traditionelle Bezeichnung für Landwirte/Landwirtinnen. Sie wird heute weiterhin benutzt weil sie in der Bevölkerung fest verankert ist. Sie erinnert auch an den früheren Stand der Bauern.

Wikipedia leitet den Suchbegriff "Bauer" auf den Begriff "Landwirt" weiter:

Landwirt oder Bauer (von mittelhochdeutsch gebûre „Mitbewohner, Nachbar, Dorfgenosse“) ist ein Beruf der Landwirtschaft. Ein Landwirt produziert tierische oder pflanzliche Erzeugnisse, meist zur Nutzung als Nahrungsmittel. Überwiegend bewirtschaftet er dazu landwirtschaftliche Nutzflächen.

Werden auch Sie Mitglied der agrarfrauen Facebook-Gruppe und diskutieren Sie mit!

Kommentare

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...