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Statisik

Bäuerinnen-Studie: Hohe Belastung bei geringer Wertschätzung

Eine Frau steht mit verschränkten Armen vor einem Traktor
am Donnerstag, 04.03.2021 - 12:35 (Jetzt kommentieren)

Ohne Frauen läuft nichts auf bayerischen Höfen. Sie stemmen eine hohe Arbeitsbelastung bei wenig Freizeit und geringer gesellschaftlicher Anerkennung. Das ergab die bayerische Bäuerinnen-Studie.

Nach 10 Jahren gibt es wieder eine aktuelle Statistik zur Lebens- und Arbeitssituation bayerischer Bäuerinnen. „Das sind wichtige Daten, denn Politik braucht Fakten, nur so können wir Maßnahmen ergreifen“, erklärte die bayerisches Agrarministerin Michaela Kaniber bei der Vorstellung der Ergebnisse der Bäuerinnenstudie. Bei der umfangreichen Onlinebefragung haben 2295 Frauen aus der Landwirtschaft teilgenommen.

Die Ergebnisse bestätigen das traditionelle Rollenbild“, resümiert die Wissenschaftlerin der TU München, Andrea Dehoff. Haushalt und Kinderbetreuung lägen größtenteils bei den Frauen. Zudem sei die Belastung der Frauen nicht saisonal wie bei der Feldwirtschaft. „Den Frauen fehlen Auszeiten, da ihre Aufgaben das ganze Jahr über fordern.“

Viele Aufgaben und hohe Arbeitsbelastung

Die Studie zeigt, dass die Frauen auf den bayerischen Höfen ein enormes Arbeitspensum leisten. 76 % der Studienteilnehmerinnen gaben an, dass sie zusätzlich den Haushalt alleine stemmen. Bei 42 % liegt zudem die alleinige Kinderbetreuung. Auch für die Pflege von Angehörigen bekommen 47 % keine zusätzliche Unterstützung.

Dazu kommen vielfältige Aufgaben auf dem Betrieb. Zwei Drittel der Frauen kümmern sich um Finanzen, Buchhaltung und Bankgeschäfte. Zudem zählen 75 % der Frauen die Stallarbeit und Tierpflege zu ihren Aufgaben. Betriebsstandbeine wie Direktvermarktung oder Feriengäste liegen ebenso zum größten Teil in Bäuerinnenhand. Ein Drittel hilft bei der Feld- und Außenarbeit. 41 % gehen noch außerhalb des Betriebs arbeiten.

Hohe Arbeitsbelastung - Auszeiten fehlen

Die meisten Umfrageteilnehmerinnen empfinden die Arbeitsbelastung als hoch oder sehr hoch. Über 60 % haben weniger als 5 Stunden Freizeit in der Woche. 27 Prozent der Frauen gaben an, noch nie Urlaub gemacht zu haben, seit sie Bäuerin sind. Jährlich Urlaub machen nur 28 % der Frauen auf Bayerns Höfen.

Begründet wird dies hauptsächlich durch mangelnde Ersatzkräfte (70 %) und zu wenig Zeit (51 %). Über 90 % der Frauen sehen ihre Kraftquellen zum Ausgleich des Arbeitsalltags in der gemeinsamen Zeit mit der Familie oder dem Partner.

Bäuerinnen fühlen sich diskriminiert

Trotz der hohen Arbeitsbelastung ist die Mehrheit der Bäuerinnen zufrieden mit ihrem Beruf und Leben auf dem Hof. Zwei Drittel der Befragten schätzen die Arbeit im Freien und die freie Zeiteinteilung.

Unzufrieden sind die Frauen mit dem gesellschaftlichen Ansehen der Bäuerin. Im Vergleich zu anderen Berufen nehmen die meisten Befragten (86%) ihren Berufsstand als niedriger wahr.

Aus den Antworten des Fragebogens gehe deutlich hervor, dass die Frauen sich diskriminiert fühlten, heißt es in der Studie. Dies spiegele sich in den Assoziationen mit dem Begriff der Bäuerin durch Antworten wie „keine Wertschätzung“, „abwertend“, „Vorurteil“, „ungebildet“ oder „ungepflegt“ wider. Des Weiteren werden viele negativ geprägte Adjektive mit der Bezeichnung „Bäuerin“ genannt, beispielsweise: „altbacken“, „kein Beruf“, „aussterbend“, „alte Frau“. Nur jede zweite Frau würde ich selbst als „Bäuerin“ bezeichnen.

Lücken bei der sozialen Absicherung

Als wichtiges Thema nannte Agrarministerin Kaniber die soziale Absicherung der Frauen. Denn wie die Studie zeige, seien viele Frauen auf dem landwirtschaftlichen Betrieb nicht angestellt. 35 Prozent gaben an, im Falle einer Trennung nicht abgesichert zu sein. „Hier müssen wir neue Wege gehen und die Mitversicherung besser gestalten“, so Kaniber.

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