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Blog Christina

Arbeiten auf dem Hof: das „Warum?“ als Basis der Motivation

Landwirte und Blogger Anika und Christina
am Dienstag, 26.01.2021 - 08:05 (Jetzt kommentieren)

Wenn man weiß, wofür man etwas tut, tut man es doch gleich viel lieber. Hört sich einfach an, doch hast Du Dir schon mal die Frage gestellt, warum Du auf Deinem Hof etwas Bestimmtes tust? Chrsitina hat sich jedenfalls auf ihrer Inspirationsreise mit der Frage nach dem „Warum“ auseinandergesetzt.

Hallo ihr fleißigen Hofhelden,

ich hoffe, Ihr seid alle gut in das neue Jahr gestartet und gleichwohl motiviert, dass dieses deutlich besser wird als das vorangegangene  Auch wenn mit meinen zwei vorherigen Blogbeiträgen über die aktuelle Situation im zweiten Lockdown auf unserem Hof und meinem persönlichen Jahresabschluss die Berichterstattung über die Inspirationsreise ein bisschen aus dem Blick gefallen ist, möchte ich Euch dennoch den dritten Teil von dieser nicht vorenthalten. Denn schließlich durfte ich nicht nur Annika Ahlers, Gründerin der Münsterländer Bauernbox eG (iG) und Bloggerin unter dem Namen erklaer_bauer, treffen, sondern auch erkennen, wie wichtig das eigene „Warum?“ für den Weg zum GeHo 2.0 ist.

Aaalso weiter geht’s:

Mein letzter Stopp hat mich in eine für mich äußerst wichtige Stadt geführt: Ins wunderschöne westfälische Münster. Hier habe ich nicht nur viele Wochenenden in meiner Kindheit verbracht (was lange unser richtiger und einziger Urlaub war), sondern auch mein Studium zur Betriebswirtin absolviert und damit viele Weichen für mein jetziges „Sein“ gestellt. So freute ich mich besonders, für einen Austausch mit Annika Münster noch einmal ansteuern zu können.

Im Januar letzten Jahres habe ich Annika auf der Verleihung des Agrarheute Digital Future Awards in Berlin kennenlernen und im folgenden Februar sogar an einem ihrer Seminare zur eigenen Positionierung des Hofes in der Öffentlichkeit teilnehmen dürfen. All das und ihre bisherigen Erfahrungen als Gründerin der Münsterländer Bauernbox eG (iG) und Bloggerin bewegten mich dazu, sie im Vorfeld anzuschreiben, ob sie Zeit und Lust für einen kleinen Austausch hätte. Mein Ziel dabei war, ihre Einschätzung zu erhalten, wie ich als Nichtlandwirtin einen landwirtschaftlichen Hof mit Freude und Motivation zukunftsfähig halten kann und zu hören, wie sie selbst die Zukunft der Landwirtschaft – gerade auch für uns Frauen – sieht.

Das eigene „Warum“

Wir trafen uns zuerst zu einem gemeinsamen Abendessen, bei welchem wir uns nicht nur über unsere jeweilige aktuelle Situation austauschten, sondern auch direkt auf den gleichen Nenner in Bezug auf die Selbstständigkeit kamen: Wir sind überzeugt, dass die Selbstständigkeit erst dann Früchte tragen wird, wenn wir eine Aufgabe gefunden haben, die uns zu 100% erfüllt und uns Freude bereitet. Und damit wir diese Aufgabe finden können, so erzählte Annika mir, sei es wichtig, dass eigene „Warum?“ zumindest ansatzweise beantworten zu können.

Ich schaute sie fragend an. Mir war klar, dass mir die Aufgabe Spaß machen sollte, denn schließlich werde ich als Selbstständige mehr als 40 h in der Woche arbeiten und das wird definitiv besser klappen, wenn diese sich nicht als „Arbeit“ anfühlen und im besten Fall noch einigermaßen lukrativ sind. Aber was genau hatte mein eigenes „Warum?“ damit zu tun? Annika lächelte und antwortete wie folgt: „Naja Christina, eigentlich ist es doch ganz einfach. Wenn du dir vor Augen führst, warum du diese Arbeit machst, legst du schon einen ersten Grundstein für deine Motivation. Das „Warum“ ist dabei praktisch die Verbindung zwischen dir und deinem Leben, deinem Job und deiner Berufung. Schau dir mal heute Abend das Video von Simon Sinek „Start with why“ an und wir unterhalten uns morgen noch einmal darüber.“

Irritiert, aber auch ein wenig neugierig ging ich nach dem gemeinsamen Abend auf mein Hotelzimmer und schaute mir an, wie Simon Sinek (Bestsellerautor und Business-Berater von renommierten Unternehmen wie Microsoft) darüber spricht, dass vor Beginn jeden Wirkens immer die Frage des „Warum?“ steht und mit diesem Beginn sehr bedeutsame Projekte umgesetzt wurden. Dabei beschreibt er das ganze System, wenn bspw. ein neues Projekt angegangen wird, anhand des sog. „Goldenen Kreises“.

Nach Sinek werde im äußeren Kreis entschieden, was z.B. verkauft wird, bspw. ein Traktor. Im zweiten Kreis werde die Frage beantwortet, wie dieses Produkt/ dieser Traktor vermarktet wird. Im inneren finden wir die Fragen nach dem Warum? Nach diesem Modell sei gerade unsere Motivation entscheidend dafür, mit wie viel Hingabe und Freude man Traktoren vermarkte. Das leuchtet ein, oder?

Nachdem ich dieses Video angeschaut und im Internet die ein- oder anderen Zusatzinformation zu diesem für mich doch neuen Input recherchiert hatte, schlief ich hibbelig ein. Habe ich bisher ja auch immer den Wunsch gehegt, Ideen für den GeHo 2.0 zu finden und umzusetzen, die dazu führen, dass sich meine Arbeit nicht wie solche anfühlt. Dass ich mich aber nun mit dieser fast simplen Fragestellung diesem Wunsch ein großes Stück angenähert hatte, freute mich ungemein. Am liebsten hätte ich direkt losgelegt und mich mit meinem „Warum?“

Neue Inspiration für die Coworking-Spaces

Am nächsten Morgen machte ich mich also auf zu Annika. Auf dem Weg zu Hendirk Homann, einer weiteren spannenden Persönlichkeit, die Annika mir vorstellen wollte, unterhielten wir uns direkt über meinen Eindruck von Simon Sinek. Wie einfach es sich doch eigentlich anhört, vor jeder Entscheidung sich wirklich zu hinterfragen „Warum mache ich das?“ und mit diesem Wissen zu starten. Gefühlt nimmt man doch mit einer höheren Motivation auch einen größeren Aufwand zur Traumerfüllung in Kauf, oder?

So kam mir bspw. gleich meine Idee der Coworking-Spaces in den Kopf. Bei der wäre es zum jetzigen Zeitpunkt auch erst einmal wichtig, zu klären, „warum“ ich Coworking-Spaces auf meinem Hof etablieren möchte. Mit einem klar definierten „Warum“ ließe sich der ein oder andere vor mir liegende steinige Weg sicherlich ein bisschen leichter beschreiten.

Apropos Coworking-Spaces: Annika stellte mir Hendirk Homann vor, weil er auf dem Hof Homann eG (dem Hof seiner Familie) gerade dabei ist, u.a. ein Coworking-Space zu errichten. Zwar ist er schon einige Schritte weiter als ich es mit dem Aufbau von Coworking-Spaces auf dem GeHo bin, aber gerade deswegen gab er mir Motivation, dran zu bleiben. Denn gerade aus Kooperationen, wie Hendirk sie mit der Genossenschaft CoWorkLand eingeht, die sich explizit auch mit dem Aufbau der Spaces beschäftigt, kann man so viel lernen und gleichzeitig auch viele neue Menschen kennenlernen. Schließlich bieten ja nicht nur Inhaber von Höfen sondern auch ganz andere Menschen Coworking an, die wiederum jeder für sich einen Mehrwert für mich bringen können.

Wertvolles Netzwerk

Beeindruckt war ich aber auch von der Energie, die Hendirk an den Tag legt. Er möchte zusätzlich zum Coworking aber auch Themen der Landwirtschaft wie market gardening und SoLaWi oder eine Werkstatt als Maker Space anbieten. Schaut hierzu einfach gerne einmal auf der Homepage vom Hof Homann vorbei. Und tatsächlich – wie es der Zufall will, arbeiten Hendirk und ich nun gemeinsam in einer sog. Masterclass, angeboten durch die CoWorkLand Genossenschaft, an dem Projekt „Hoftransformation“ (wovon ich noch in nachfolgenden Blogbeiträgen berichten werde).

Ihr seht, wie wertvoll die Inspirationsreise für mich und damit auch für die Zukunft des GeHos war. Zusätzlich zu den Erfahrungen, die ich durch die Besuche der verschiedenen Coworking-Spaces und der vielen Höfe sammeln konnte, habe ich auch mein Netzwerk wieder ein kleines Stück vergrößert. Denn wenn ich nur eines während dieser Zeit nochmal gemerkt habe, ist es folgendes:

Netzwerken bedeutet nicht nur, Menschen miteinander zu verbinden. Es geht darum, Menschen mit Menschen zu verbinden, Menschen mit Ideen, und Menschen mit Möglichkeiten. (vgl. Michele Jennae)

Und was ist nun Dein „Warum?“

Eure Christina

Finde heraus, welche Gedanken sich Christina rund um die Hofübernahme macht.

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