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Dorf und Familie

Bauer Willi zur Krise: 'Was ich erlöse, liegt an mir selbst'

pd/Krauß
am
05.10.2015

Die wirtschaftliche Lage ist schlecht, die Stimmung mies. Vor allem Milch- und Schweinebauern protestieren für bessere Preise. Bauer Willi meint: "Ob ich gute oder schlechte Preise erlöse, liegt an mir selbst."

Agrarblogger 'Bauer Willi' äußert sich regelmäßig zu Themen der Landwirtschaft. © ah
Bauer Willi schreibt Ende der letzten Woche über die aktuelle Stimmung in der Landwirtschaft. "Milchpreise unten, Schweinepreise decken nicht die Produktionskosten und auch die Getreide- und Rapspreise sind nicht zum Hurra-Schreien. Warum?", fragt der streitbare Agrar-Blogger und geht in der Folge auf mögliche Gründe aus seiner Sicht ein. Die momentan herrschende Diskussion um den "richtigen" Weg aus der Krise versteht Bauer Willi nicht.
 
Hier finden Sie die wichtigsten Thesen zusammengefasst:

Niedrige Preise und fehlende Liquidität

  • Gründe für die niedrigen Preise: "Es ist zu viel von allem da und ein hohes Angebot drückt auf die Preise", schreibt Bauer Willi. Das Russland-Embargo und die China-Krise verstärkten zwar die Situation noch, seien aber nicht deren alleiniger Auslöser. Dazu käme noch der niedrige Preis für Rohöl.
  • Fehlende Liquidität auf den Betrieben: "In den landwirtschaftlichen Betrieben treffen die niedrigen Preise auf Nachforderungen der Finanzämter aus den Vorjahren, die, wenn wir ehrlich sind, so schlecht nicht waren", findet der Blogger. Es wurde entsprechend in Maschinen, Ställe und Land investiert. "Das alles sind einzelbetriebliche Entscheidungen. Klar kann man einen Berater fragen, beim Verband eine Meinung einholen. Aber: entscheiden muss der Betriebsleiter alleine, welches Risiko er eingehen will. Denn er alleine muss auch mit den Folgen leben. Er hätte das Geld ja auch in die Rücklagen stecken können."

Unternehmerische Entscheidung gibt Weg vor

  • Verbände können nicht für bessere Preise sorgen: "Ein Verband, egal welcher Couleur, hat meiner Meinung nach die Aufgabe, als Lobbyist meine Interessen politisch zu vertreten. [...] Verbände sollten dafür sorgen, dass die Politik berechenbarer wird und dass nicht bei jedem Windhauch der öffentlichen Meinung neue Bestimmungen, Gesetze und Regelungen folgen. So schnell kann kein landwirtschaftlicher Betrieb reagieren." [...] "Von daher würde ich mir wünschen, dass sich die unterschiedlichen Lager innerhalb der Landwirtschaft wieder aufeinander zubewegen würden."

  • Betriebsleiter entscheidet selbst: "Ob ich für den Weltmarkt produziere (Agrarfabriken) oder mich in einer Nische wohlfühle (Bio), ist allein meine Entscheidung. Ob ich pro-aktiv reagiere und rechtzeitig meinen Betrieb umstrukturiere oder abwarte, bis die "Maus in der Falle" sitzt, liegt an mir. Ob ich gute oder schlechte Preise erlöse liegt an mir selbst, meinen Produkten, meinem Fleiß, meinem Verhandlungsgeschick und meiner Risikobereitschaft", schließt Bauer Willi seinen Beitrag.
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