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Pflanzenschutzspritzen gegen Coronaviren

Bauern in Südosteuropa besprühen Straßen gegen Coronaviren

Spritzdüsen im Einsatz
am Mittwoch, 25.03.2020 - 15:00 (Jetzt kommentieren)

In Italien, Frankreich und Spanien desinfizieren Landwirte die Straßen und Plätze ihrer Gemeinden mit ihren Pflanzenschutzspritzen. Sie sprühen Chlorbleiche gegen das Virus. Experten hierzulande halten diese Aktionen für nutzlos.

Traktor mit Spritze bei der Straßendesinfektion

Die tschechische Agrarnachrichtenseite agroportal24h.cz meldet, dass in Italien, Spanien und Frankreich Landwirte ihre Gemeinden bei der Desinfektion von Straßen und Plätzen unterstützen. Sie stellten dafür ihre Pflanzenschutzspritzen zur Verfügung, mit denen sie Chlorbleiche (verdünntes Hypochlorit) gegen das Coronavirus auf den Boden sprühen.

Zum Einsatz kommen vor allem Geräte aus der Kleinflächenbewirtschaftung und aus dem Weinbau, damit die Spritzen sich in den engen Straßen bewegen können. Das sei weit effektiver als der Einsatz von Handspritzen, heißt es aus den betroffenen Regionen.

Straßenbeläge übertragen keine Viren

Durch die Chlorbleiche sollen die Viren auf den Oberflächen öffentlicher Straßen abgetötet werden. Für Mensch und Natur sei die Spritzlauge unschädlich.

Ähnliche Aktionen wurden auch schon aus China und dem Iran gemeldet. Ihre Wirkung wird allerdings von Experten hierzulande bezweifelt. Ob eine so stark verdünnte Lösung, die keine Hautirritationen oder Umweltschäden verursacht, Coronaviren abtöten kann, ist ohnehin fraglich.

Viel entscheidender aber ist, dass eine Übertragung des Erregers über Straßenbeläge als höchst unwahrscheinlich gilt. Ein direkter Hautkontakt ist kaum zu erwarten und eine Übertragung beispielsweise über aufgewirbelte Partikel ist nicht bekannt.

Bislang sind Ansteckungen nur direkt von Mensch zu Mensch nachgewiesen oder per Schmierinfektion, wenn ein Infizierter und eine Folgeperson in relativ kurzem Abstand die gleiche Fläche berührt haben.

Absurd hoher Aufwand für fragwürdige Wirkung

Melanie Brinkmann, Virologin am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung, bewertete gegenüber Zeit online die Straßendesinfektionen als "totalen Unsinn". Maßnahmen wie diese seien öffentlichkeitswirksam, sie sollten wohl die Bevölkerung beruhigen. Flächendeckend sei der Aufwand absurd hoch und nicht zielführend. Das Virus, so bekräftigte Brinkmann noch einmal, werde in erster Linie durch Menschen übertragen und nicht durch Parks, Gehwege oder Straßen.

Mit Material von Zeit online
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