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Bauernbund Österreich: Jakob Auer wird neuer Präsident

von , am
06.12.2011

Gunskirchen - Am vergangenen Samstag wurde Jakob Auer mit knapp 97 Prozent der Delegiertenstimmen zum neuen Präsidenten des Österreichischen Bauernbundes gewählt.

Jakob Auer (hier im Bild) folgt Fritz Grillitsch, der sich am 10. November dieses Jahres aus der Spitzenpolitik zurückgezogen hat. © bauernbund
Auer betonte nach der Wahl: "Ich nehme den Auftrag und die Herausforderung sehr gerne an und werde gezielt Forderungen stellen, denn nur so können wir den ländlichen Raum fördern. Der Bauernbund soll und wird auch in Zukunft eine starke tragende Säule für unsere Bauern und Bäuerinnen sein." Nur acht Wochen nach dem letzten Bundesbauernrat - der in der Regel in Zwei-Jahresintervallen stattfindet - kamen Delegierte und Gäste aus allen Bundesländern zur Wahl in das Veranstaltungszentrum im oberösterreichischen Gunskirchen.
 
Auer folgt auf Fritz Grillitsch, der sich am 10. November dieses Jahres aus der Spitzenpolitik zurückgezogen hat. Sowohl Auer als auch Spindelegger zollten dem scheidenden Präsidenten Respekt und Anerkennung für seine Arbeit im österreichischen Bauernbund in den letzten zehn Jahren.

Berlakovich: Schulterschluss für eine starke Position

In Zeiten, in denen weltweit die Staaten um Lebensqualität und Wohlstand ringen, sei es wichtig, dass sich der Bauernbund gut positioniert, betonte Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich in seiner Rede am Bundesbauernrat. Mit Auer, der viel Erfahrung, Leadership und Direktheit mitbringe, blicke Berlakovich zuversichtlich einer starken Allianz zwischen Ministerium und Bauernbund entgegen. "Im kommenden Jahr werden die Weichen für die künftige europäische Agrarpolitik gestellt. Mit Einheit und Schulterschluss werden die bäuerlichen Interessenvertreter für eine gute Perspektive der Bauern eintreten. Konsequente Verhandlungen gegen einheitliche Flächenprämien, Bürokratisierungswelle und Ferkelschutzkorb-Verbot haben in der nächsten Zeit oberste Priorität", erklärte Berlakovich.

Auer gibt Genossenschaftsanwalt ab - Bundesbäuerin zieht in Präsidium ein

Auer, vorerst für die Restlaufzeit der ordentlichen Periode bis 2013 gewählt, will auch darüberhinaus als Bauernbund-Präsident agieren. Der Rückzug als Genossenschaftsanwalt beim Raiffeisenverband Oberösterreich soll die notwendige Zeit für die neue Aufgabe verschaffen. Dass Auer kein Mann von leeren Worthülsen ist, zeigte er bereits am Bundesbauernrat selbst. Auf seine Initiative hin stimmten die Delegierten für eine Statutenänderung, wonach in Zukunft die Bundesbäuerin einen Sitz im Präsidium des Bauernbundes innehaben wird. "Die Arbeit der Bäuerinnen darf nicht länger als Selbstverständlichkeit gelten, sondern muss sichtbar honoriert werden", so Auer. Aber auch die Jugend sei ihm ein besonderes Anliegen. So habe er während seiner beruflichen Karriere verantwortungsvolle Positionen wiederholt mit jungen Persönlichkeiten besetzt.

Sachliche Diskussion anstatt Anti-Bauern-Propaganda

Eine klare Absage erteilte der Bauernbund-Präsident der vom Koalitionspartner vorgeschlagenen Grundsteuererhöhung sowie einem künftigen Flächen-Stilllegungsanteil von sieben Prozent, wie in den Reformplänen zur Gemeinsamen Agrarpolitik 2014 bis 2020 vorgeschlagen. "Die Landwirtschaft muss in bäuerlicher Hand und damit nachvollziehbar und überschaubar bleiben. Neben der Lebensmittelsicherung und der Pflege der heimischen Kulturlandschaft soll die Landwirtschaft auch ihren Beitrag zur Energieversorgung leisten", unterstrich Auer in seiner Antrittsrede. Um dies zu gewährleisten, seien die Landwirte auf Ausgleichszahlungen angewiesen.
 
Solange andere Berufsgruppen jährlich ein Gehalts-Plus von mehreren Prozentpunkten verhandeln, zeigt der Bauernbund-Präsident wenig Verständnis für die Agrar-Förderdebatte. Im Hinblick auf das breite Leistungsspektrum der heimischen Landwirte sei es absolut unfair, die bäuerlichen Ausgleichszahlungen in Frage zu stellen, wie es sich die Arbeiterkammer bereits zur Gewohnheit gemacht hätte, und dadurch die eigenen Mitglieder, zu denen auch die Nebenerwerbslandwirte zählen, torpediert.

Kastenstandhaltung bei Schweinen: Zuversicht für baldige Lösung

Klare Worte fand der Bauernbund-Präsident auch zum viel diskutierten Thema Kastenstandhaltung bei Schweinen. "Die Bauern nehmen Tierschutz ernst und dürfen nicht von Pseudotierschützern sekkiert werden. Gesundheitsminister Alois Stöger tue gut daran, die Investitionssicherheit mit einer längst überfälligen Lösung in der Frage der Zuchtsauen-Haltung wiederherzustellen", zeigt sich der Bauernbund-Präsident zuversichtlich, dass es eine baldige Lösung geben wird.

Ja zur Schuldenbremse

Obwohl die Landwirtschaft die aktuellen Schwierigkeiten am heimischen Finanzmarkt nicht verursacht hätte, betrachtet Auer eine Schuldenbremse zur Sicherstellung adäquater Zukunftsperspektiven als unerlässlich. Dazu bedürfe es allerdings der Solidarität von allen politischen Richtungen. "Jede Nachlässigkeit im Bereich der Bonität wäre fatal und verantwortungslos gegenüber den jungen Generationen. Die Devise lautet deshalb "intelligent sparen" - und zwar sowohl bei den Frühpensionen, aber auch durch die Umsetzung einer längst fälligen Gesundheitsreform." Einer Vermögenssteuer kann der Bauernbund-Präsident deswegen nichts abgewinnen. "Finger weg von dem, was sich die Bevölkerung hart erarbeitet hat. Eigentum muss Eigentum bleiben", so sein Tenor.

Ländlicher Raum ist Lebensqualität

 Schon in seiner mehr als 30-jährigen Funktion als Bürgermeister war Auer der ländliche Raum ein besonderes Anliegen. "Landwirtschaft ist Wirtschaft im ländlichen Raum und dieser ist gleichzeitig das Rückgrat des Landes." Deshalb sei die Mobilisierung dieser Regionen (Stichworte medizinische und Nah-Versorgung, Gasthäuser…) für eine attraktive und lebenswerte Umgebung extrem wichtig. Welche Bedeutung diese Gebiete derzeit für die Bevölkerung haben, zeigte am Bundesbauernrat Meinungsforscher und Landwirt Werner Beutelmeyer auf. Laut einer seiner Studien verleihen Kulturlandschaft, Essen, Tradition- und Brauchtum dem ländlichen Raum einen wesentlichen Teil seiner Identität. Konkret würden in Zukunft die Bereiche Nachhaltigkeit, Regionalität und Sicherheit eine wichtige Rolle spielen, worin auch eine enorme Zukunftschance für diese Gebiete liege. "Nachhaltige Produkte mit Herkunftskennzeichnung geben Sicherheit und lassen die Wertschätzung für den ländlichen Raum steigen", so der Experte.
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