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Politik international

Bauerneinkommen eingebrochen

von , am
28.12.2009

Flensburg - Die meisten landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland haben im Wirtschaftsjahr 2008/2009 erhebliche Einkommensrückgänge hinnehmen müssen. Das sagt der jüngste Situationsbericht des Deutschen Bauernverbandes aus.

Agrar-Journalist Hans Heinrich Matthiesen

Gemäß dem Situationsbericht, der kürzlich in Berlin vorgelegt wurde, sind die Ergebnisse auf den Haupterwerbsbetrieben auf 34.404 Euro zurück gegangen. Das entspricht 24,2 Prozent. Das ist bitter.

Noch schlimmer hat es die Milchbauern getroffen. Der Preisverfall bei Milch und Milchprodukten hat diesen Bereich der landwirtschaftlichen Produktion mit voller Wucht erwischt: 45,3 Prozent weniger. Damit erwirtschafteten die Milchproduzenten 29.324 Euro. Auch bei den Ackerbauern sank das Einkommen von einem relativ hohen Vorjahresniveau um 18 Prozent auf durchschnittlich 43.033 Euro. Das sind schon ernüchternde Zahlen, die der Präsident des DBV, Gerd Sonnleitner, den Fachkreisen aber auch der Öffentlichkeit vorstellen musste.

Sie wurden relativ gelassen aufgenommen. Kaum eine Tageszeitung oder ein Oppositionspolitiker hat sich vor Weihnachten darüber aufgeregt oder die Situation kommentiert. Warum auch. Die Menschen sind in dieser Zeit mit anderen Dingen beschäftigt. Zum Beispiel mit dem Klima oder mit den Vorgängen am Kundus. Das scheint den Deutschen näher zu liegen als die Lage auf den landwirtschaftlichen Betrieben oder den Problemen von Langzeitarbeitslosen und Harz-IV-Empfängern.

Schweinehalter konnten im vergangenen Wirtschaftsjahr zulegen

Oder sollte es daran liegen, dass im gleichen Bericht mitgeteilt werden konnte, dass Schweinehalter im vergangenen Wirtschaftsjahr kräftig zulegen konnten? Ihr Einkommen kletterte nämlich nach Aussage des Situationsberichtes um das Fünffache auf stolze 54.793 Euro. Wobei diese Entwicklung aber schon wieder schwächelt, heißt es. Das Phänomen des Schweinezyklus kennen wir seit Jahrzehnten. Das ist halt ein Markt, der dem Marktgeschehen ausgesetzt ist. Da gab es keine Quoten, kaum staatliche Hilfen und keine europäischen Regelungen.

Die gibt es wieder bei den Betrieben, die vorwiegend auf Rindermast und Mutterkuhhaltung spezialisiert sind. Das Einkommen auf diesen Höfen sank um 33,5 Prozent auf durchschnittlich 22.534 Euro. Verantwortlich für den Einbruch der Einkommen auf vielen Betrieben war natürlich der extrem niedrige Milchpreis, wegen zu viel Milch, aber insbesondere die gestiegenen Kosten bei den Betriebsmitteln, wie Dünger, Saatgut, Pflanzenschutzmitteln und Viehzukäufen. Die meisten Faktoren kann ein Landwirt selber kaum beeinflussen. Er kann, wie ein großer Teil der Bevölkerung, auch nur den Gürtel enger schnallen.

Vereinheitlichungen der EU-Agrarpolitik kommen nicht voran

Die Verbraucher machen es vor. Die Menschen sehen wieder mehr auf den Euro – oder auf andere Währungen, zum Beispiel auf die dänische Krone, und auf Länder, die entweder den Euro noch nicht haben, ihn nicht wollen oder noch nicht haben dürfen. Denn die Währungsparitäten spielen in der Landwirtschaft Europas noch immer eine Rolle.

Während die Direktzahlungen aus der ersten Säule in Deutschland bei durchschnittlich 340 Euro je Hektar liegen, bekommen die Bauern im Rest dieser Gemeinschaft etwa 100 Euro weniger und liegen bei nur 240 Euro pro Hektar. Hier wird es sicher noch Diskussionen geben müssen. Aber nicht nur dort. Die Bemühungen um eine weitere Vereinheitlichung und Angleichung oder Harmonisierung, wie es immer heißt, auf vielen Sektoren der EU-Agrarpolitik kommen nicht von der Stelle, bewegen sich wie Schildkröten im Kriechgang. Da müssen die EU-Parlamentarier angeschoben werden, allen voran die Abgeordneten aus dem Agrarbereich.

Ökobauern haben im Situationsbericht besser abgeschnitten

Ernüchternd ist auch die Tatsache, dass die Bruttoeinkommen der Bauern inzwischen mit einem Anteil von 60 Prozent aus Betriebsprämien und Ausgleichszahlungen stammen. Das ist Abhängigkeit pur vom staatlichen Tropf und lässt eine gewisse Bevormundung aus politischer Sicht nicht ausschließen.

Besser abgeschnitten haben die Ökobauern in diesem Situationsbericht. Das ist auch nicht verwunderlich, haben diese in ihrer Nische doch ein Kundenpotenzial, das nicht so sehr auf den Cent schauen muss. Sie haben "nur" einen Rückgang um 8,9 Prozent zu verkraften und kommen auf ein Einkommen von rund 46.500 Euro. Das sollte aber nicht dazu führen, dass jetzt viele andere Betriebe nun auf Öko umstellen. Dann bleibt die Nische nicht und dem Klima wird das auch kaum helfen. Auch wenn viele "Gutmenschen" das glauben.

Auch die landwirtschaftlichen Investoren haben ihre Konsumneigung gesenkt und sind damit dem Staat ein Vorbild. Aber Bauern und Staat müssen in einem modernen Gemeinwesen nicht dasselbe tun, wenn es nämlich den landwirtschaftlichen Unternehmen schlecht geht und den dort arbeitenden Menschen auch, muss oder kann der Staat gegenlenken. Und das tut er ja auch mit Hunderten von Millionen Euro im Agrarbereich.

Bei den Subventionen muss der Staat die Bremse ziehen

Aber der Staat darf sich nicht verheben und diese Gefahr ist nicht von der Hand zu weisen. Selbst wenn die Konjunktur in zwei Jahren wieder auf Hochtouren laufen sollte und der Fiskus mehr Steuern einnimmt, es bleibt, laut dem Institut für Wirtschaftsforschung in Halle, ein strukturelles Defizit von 2,5 Prozent der gesamtwirtschaftlichen Leistung. Und das hat auch Auswirkungen auf Verbraucher und Landwirtschaft.

Elf Milliarden sollte der Staat künftig jährlich sparen, um das Ziel der Schuldenbremse zu erreichen, hat das Institut vorgerechnet. Vor allem bei den Subventionen muss er ein gewaltiges Sparpotenzial anstreben, um dieses Ziel zu erreichen. Die Verbraucher sparen jetzt, weil die Angst vor Arbeitslosigkeit wächst. Damit zeigen sie dem Staat, wie es funktionieren kann. Das sollten die Bauern auch respektieren, denn wir alle wollen die Subventionen eingeschränkt sehen. Wir wollen einen starken Staat, eine starke Landwirtschaft und das geht langfristig nur mit weniger Subventionen.

Hans Heinrich Matthiesen aus Flensburg

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