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Politik EU

Bauernproteste: Franzosen werfen hiesigen Landwirten Lohndumping vor

© ah/youtube
von , am
28.07.2015

Frankreichs Landwirte blockieren Warentransporte und werfen der deutschen Landwirtschaft Lohndumping vor. Der Milchindustrie-Verband sowie der Deutsche Bauernverband kritisieren die Proteste.

 
In den letzten Tagen war es zu umfassenden Protesten französischer Landwirte gekommen. Im Elsass blockierte man sogar Grenzübergänge, um Warentransporte nach Frankreich, unter anderem auch von Milchprodukten, zu verhindern. Nun äußerten der Milchindustrie-Verband sowie der Deutsche Bauernverband Unverständnis gegenüber den Demonstrationen, beziehungsweise Äußerungen, die im Zuge dessen fallen.

Blockaden der Warentransporte "unverständlich"

Der Hauptgeschäftsführer des Milchindustrie-Verbands (MIV) Eckhard Heuser meint: "In einem funktionierenden Binnenmarkt haben alle Beteiligten Vorteile". Schon in der Vergangenheit hatten Warenblockaden keinerlei Auswirkungen. Deutschland ist zudem einer der größten Abnehmer französischer Milchprodukte, so der MIV. Die Blockaden der Landwirte seien daher umso unverständlicher.

Wettbewerbswidrige Maßnahmen nicht akzeptabel

Der Verband bezeichnete die getroffenen Vereinbarungen zwischen Landwirten und Politik als wettbewerbswidrig. Frankreichs Staatschef François Hollande hatte Abgabensenkungen sowie Verzögerungen oder die Streichung von Beiträgen verkündet. Der Lebensmittelhandel versprach den Viehzüchtern Preiserhöhungen.
 
Man habe nun die EU-Kommission um Unterstützung gebeten, so der MIV. Bei allem Verständnis über die Verärgerung der Landwirte über zu niedrige Erzeugerpreise, so dürften wettbewerbswidrige Maßnahmen nicht das Mittel der Wahl sein, teilte der Verband mit.

Hemmerling: Frankreich und Deutschland haben die gleichen Probleme

Auch der Deutsche Bauernverband (DBV) sieht die Angelegenheit höchst kritisch. Wie der stellvertretende Generalsekretär des DBV Udo Hemmerling gegenüber N24 erklärt: "Die französischen und deutschen Bauern haben dieselben Probleme: die Erzeugerpreise für Schweinefleisch, Milch sowie Obst und Gemüse sind stark gesunken und stehen weiter unter Druck."
 
Man könne daher die Forderungen der französischen Kollegen verstehen. In Deutschland habe man bereits das Gleiche gefordert.

Lohndumping kein gültiges Argument mehr

Nicht mehr begründet sei allerdings die Kritik der französischen Landwirte an den Lohnkosten in der deutschen Landwirtschaft. Seit Einführung des Mindestlohns in Deutschland gelte das Argument des Lohndumpings nicht mehr.
 
Zwar gebe es hierzulande wegen Tarifvereinbarungen noch eine Übergangszeit, doch erwartet man durch den deutschen Mindestlohn negative Auswirkungen auf den Anbau von Obst und Gemüse.
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