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Bauernregeln auf dem Prüfstand

Wetterhahn
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Sabine Leopold, agrarheute
am
31.10.2018

Nach den Bauernregeln haben unsere Vorfahren jahrhundertelang Aussaat und Ernte geplant. Und viele schauen auch heute noch auf die alten Sprüche. Doch wie sieht es mit deren Gültigkeit aus? Der Deutsche Wetterdienst hat ein paar der Regeln überprüft.

Auch wenn die meisten nicht mehr daran glauben: So ein bisschen schaut doch fast jeder auf Bauernregeln, wenn es darum geht, das Wetter der kommenden Monate vorauszuahnen. Über die Treffsicherheit der alten Sprüche lässt sich allerdings streiten.

Der deutsche Wetterdienst (DWD) hat jetzt einige der Sprüche für den Herbst unter die Lupe genommen. Was ist dran am jahrhundertealten Bauernwissen über Sonne und Regen, Hitze und Schnee?

Hochdrucklage entscheidet

"Warmer Oktober bringt fürwahr, stets einen kalten Januar/Februar. Statistisch gesehen ist an der oben genannten Bauernregel – nur auf die Temperatur bezogen – nicht viel dran", schreibt Diplommeteorologin Jacqueline Kernn auf der DWD-Website. Über viele Jahre betrachtet ist ein goldener Oktober kein Garant für einen eisigen Jahresbeginn. Also alles Humbug?

Weit gefehlt. Betrachte man nämlich nur die Jahre, in denen der Oktober deutlich zu warm und auch zu trocken war, erklärt die Wetterexpertin weiter, so folgten darauf in 90 Prozent der Fälle ein besonders kalter Januar und in 65 Prozent auch ein zu kalter Februar.

Das sonnig-warme Wetter im diesjährigen Oktober ist auf eine besonders stabile Hochdrucklage zurückzuführen und die wiederholt sich laut Kernn oft im neuen Jah. Mitten im Winter bringt Hochdruckwetter dann allerdings meist klare Eiseskälte.

Weißer oder grauer Winter?

Nicht ganz so zuverlässig ist die nächste Regel: Viel Nebel im Oktober viel Schnee im Winter.

Statistisch betrachtet bringt es dieser Spruch nur auf 60 Prozent Trefferquote – nicht weit weg vom puren Zufall also. Trotzdem: Da wir einen überdurchschnittlich nebligen Oktober zu verzeichnen haben, bedeutet das, dass mit einer leicht über dem Durchschnitt liegenden Wahrscheinlich im kommenden Winter mal wieder der Schnee ausfällt.

Trost für Ski- und Rodelfans und für dürregeschädigte Landwirte: Auf die Treffsicherheit dieser Regel würde wohl kein Meteorologe seine Wetterkarte verwetten.

Eine Regel für alle Fälle

Ist Ihnen alles zu unsicher? Dann bieten sich am besten die Bauernregeln an, die jede Wetterentwicklung abdecken: Ist St. Gallus (16. Oktober) trocken, folgt ein Sommer mit nassen Socken. Oder aber auch: Einem trockenen Gallustag ein trockener Sommer folgen mag. Bitteschön: egal wie's kommt, eine Regel passt auf jeden Fall. Unsere Vorfahren waren nicht dumm.

Deswegen hier noch einmal die Universalregel für alle Hühnerhalter: Kräht der Hahn auf dem Mist, ändert sich 's Wetter oder bleibt wie 's ist!

Langzeitprognosen sind nicht belastbar

Wetterexpertin Jacqueline Kernn fasst es so zusammen: "Man kann derzeit keine brauchbare Prognose für den Winter oder gar den nächsten Sommer abgeben. Die von einigen Klimamodellen berechneten Trends weisen aktuell große Differenzen auf. [...] Eines ist jedenfalls sicher: Die Tage werden erst kürzer und dann wieder länger."

Und darauf können Sie selbst angesichts der Sommer- und Winterzeitdiskussion getrost wetten.

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