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Wirtschaft

Bayer CropScience mit Einbußen im Pflanzenschutzgeschäft

Externer Autor
am
08.03.2011

Leverkusen - Ein schwächeres Geschäft mit Pflanzenschutzmitteln hat Bayer CropScience im vergangenen Jahr Einbußen beim Umsatz und Ergebnis beschert.

Wie der Bayer-Vorstandsvorsitzende Dr. Marijn Dekkers auf der Bilanzpressekonferenz in Leverkusen zum Teilkonzern CropScience berichtete, lag der Umsatz mit 6,83 Milliarden Euro zwar um 4,9 Prozent über dem Niveau von 2009, bereinigt um Währungs- und Portfolioeffekte aber um 1,3 Prozent darunter. Dies sei auf ein schwächeres Geschäft mit Pflanzenschutzmitteln zurückzuführen, während das Segment Environmental Science/BioScience eine positive Entwicklung verzeichnet habe, erklärte Dekkers.
 
Der Umsatz mit Pflanzenschutzmitteln verringerte sich gegenüber 2009 währungs- und portfoliobereinigt um 4,7 Prozent auf 5,49 Milliarden Euro. Das Segment Environmental Science/BioScience konnte hingegen die Erlöse um 23,1 Prozent beziehungsweise bereinigt um 15,6 Prozent auf rund 1,34 Milliarden Euro steigern. Besonders dynamisch entwickelte sich dabei erneut der Geschäftsbereich BioScience, der währungs- und portfoliobereinigt um 27,4 Prozent auf 687 Millionen Euro wuchs.
 

Dekkers enttäuscht über EBITDA-Marge

Das Ergebnis von Bayer CropScience vor Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) sowie vor Sondereinflüssen ging 2010 dennoch zurück, nämlich um 14,3 Prozent auf 1,293 Milliarden Euro. Dies sei vor allem auf gesunkene Absatzmengen und Preise bei Crop Protection sowie auf erhöhte Aufwendungen für Forschung und Entwicklung im Bereich BioScience zurückzuführen, stellte Dekkers fest. Die bereinigte EBITDA-Marge von CropScience sei um gut vier Prozentpunkte gesunken. "Das ist schon eine Enttäuschung", resümierte der Niederländer.

526 Millionen Euro für LL 601-Freisetzung

Den währungs- und portfoliobereinigten Umsatzrückgang im Segment Crop Protection erklärte Dekkers unter anderem mit der starken Generika-Konkurrenz bei Herbiziden, die zu einem signifikanten Preisverfall geführt habe. Hinzu seien ungünstige Witterungsbedingungen in fast allen Regionen gekommen. In einem rückläufigen Markt seien außerdem Einbußen bei der Saatgutbehandlung sowie im Fungizidgeschäft verzeichnet worden, berichtete der Vorstandschef. Die Erlöse im Herbizidgeschäft sanken nach Angaben des Konzerns 2010 bereinigt um 8,3 Prozent auf 1,94 Milliarden Euro, der Umsatz mit Fungiziden um 5,0 Prozent auf 1,57 Milliarden Euro, während das Geschäft mit Insektiziden um 4,2 Prozent auf 1,37 Milliarden Euro wuchs.

Das EBIT verminderte sich um 22,6 Prozent

Das EBIT des Teilkonzerns verschlechterte sich im Vergleich zum Vorjahr deutlich, nämlich um 537 Millionen Euro beziehungsweise mehr als zwei Drittel auf 261 Millionen Euro. Dabei schlugen insbesondere die Sonderaufwendungen im Zusammenhang mit der im Jahr 2006 in den USA erfolgten Freisetzung der nicht zugelassenen transgenen Reissorte Liberty Link (LL) 601 in Höhe von 526 Millionen Euro durch. Bayer CropScience strebt hier ein Vergleichsprogramm mit den geschädigten Landwirten an. Das EBIT des Teilkonzerns vor Sondereinflüssen verminderte sich im Jahresvergleich um 22,6 Prozent auf 787 Millionen Euro.

Plus in Asien und Lateinamerika

Wie aus dem Bayer-Geschäftsbericht 2010 zum Teilkonzern CropScience weiter hervorgeht, gingen die Pflanzenschutzmittelumsätze währungs- und portfoliobereinigt in Europa um 9,6 Prozent auf 2,03 Milliarden Euro zurück. Der Rückgang sei hauptsächlich auf eine außergewöhnlich schwache Geschäftsentwicklung in Frankreich zurückzuführen, die durch ein sehr intensives Wettbewerbsumfeld und schlechte Witterungsbedingungen verursacht worden sei, erklärte der Konzern. Die Umsätze von Bayer CropScience in Nordamerika verringerten sich bereinigt um 18,4 Prozent auf 956 Millionen Euro. Als enttäuschend skizzierte das Unternehmen die Entwicklung des dortigen Herbizidgeschäfts. Auch die Fungizidverkäufe hätten sich in den USA stark rückläufig entwickelt.

Zuwächse in Indien, Australien und China

Der Umsatz im Bereich Seed Treatment habe dagegen gesteigert werden können, hob der Konzern hervor. In der Vertriebsregion Asien und Pazifik konnte Bayer CropScience den Pflanzenschutzmittelabsatz bereinigt um 5,3 Prozent auf 1,02 Milliarden Euro ausbauen. Das witterungsbedingt stark rückläufige Geschäft in Japan wurde dabei durch Zuwächse in Indien, Australien und China mehr als ausgeglichen. In der Region Lateinamerika, Afrika und Nahost nahmen die Umsätze des Teilkonzerns bereinigt um 8,8 Prozent auf fast 1,49 Milliarden Euro zu. In Lateinamerika habe sich das Fungizid-, Herbizid- und Insektizidgeschäft sehr gut entwickelt, stellte Bayer fest. In Afrika wurde ein moderates Umsatzplus verbucht. Das EBIT im Segment Crop Protection verringerte sich laut Unternehmensangaben um 15,8 Prozent auf 600 Millionen Euro. Sondereinflüsse fielen hier 2010 nicht an. Das betreffende EBITDA ging dem Konzern zufolge um 21,2 Prozent auf 1,025 Milliarden Euro zurück. Neben den niedrigeren Absatzmengen wirkte sich auch die damit verbundene geringere Auslastung der Produktionsanlagen ergebnisbelastend aus.

Mehr Gemüsesaatgut in allen Regionen

Der Umsatz im Geschäftsbereich Environmental Science wuchs laut Konzern bereinigt um 5,4 Prozent auf 650 Millionen Euro, wobei in allen Regionen eine positive Entwicklung verzeichnet wurde. Die Umsätze mit Produkten für professionelle Anwender konnte Bayer CropScience besonders in Afrika und den USA steigern. Der kräftige Umsatzzuwachs im Geschäftsbereich BioScience fußte dem Unternehmen zufolge auf den Hauptkulturen Baumwolle, Raps, Reis und Gemüse mit jeweils zweistelliger Erlössteigerung.

Das Größte Plus im Baumwollsaatgutgeschäft

Das größte Plus sei im Baumwollsaatgutgeschäft in Nordamerika erzielt worden. Zugelegt hätten auch der Rapssaatgutverkauf in Nordamerika und der Absatz des Reissaatguts Arize in Asien. Das Geschäft mit Gemüsesaatgut sei in allen Regionen gewachsen, berichtete der Konzern. Das EBIT von Environmental Science und BioScience verschlechterte sich aber unter anderem aufgrund der Aufwendungen für den LL-601-Reis gegenüber 2009 um 763 Millionen Euro auf ein Minus von 339 Millionen Euro. Das EBIT vor Sondereinflüssen stieg um 31,7 Prozent auf 187 Millionen Euro, das EBITDA vor Sondereinflüssen um 29,5 Prozent auf 268 Millionen Euro.

Zuwächse in allen Teilkonzernen erwartet

Die gesamte Holding verzeichnete im Geschäftsjahr 2010 bei einer Zunahme des Konzernumsatzes um bereinigt 8,0 Prozent auf den Rekordwert von 35,09 Milliarden Euro eine Verbesserung des EBITDA vor Sondereinflüssen um 9,7 Prozent auf 7,101 Milliarden Euro. Das EBIT vor Sondereinflüssen nahm um 18,0 Prozent auf gut 4,45 Milliarden Euro zu. Die Aussichten für 2011 stuft Vorstandschef Dekkers positiv ein. Er erwarte in allen Teilkonzernen Zuwächse beim Umsatz und Ergebnis, sagte der Niederländer. Angestrebt werde eine Steigerung der Gesamterlöse um vier Prozent bis sechs Prozent, was unter der Annahme eines Euro-Dollar-Kurses von 1,40 einem Umsatz von 35 Milliarden Euro bis 36 Milliarden Euro entsprechen würde. DAS EBITDA vor Sondereinflüssen solle in Richtung 7,5 Milliarden Euro verbessert werden. (AgE)
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